Montag, 1. Oktober 2012


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Das Martinsloch in Elm

Heute Montag findet im hintersten 800-Seelendorf Elm im glarnerischen Sernftal ein Naturereignis statt. Doch davon etwas später. Das Dorf liegt auf 1000 Meter über Meer. Die Tschingelhörner, Teil des Unesco Weltnaturerbes Swiss Tectonic-Areana, bilden eine natürliche Grenze zum gegenüberliegenden Flims im Bündnerland

Ofen- und Tschingelhörner vom unteren Segnasboden aus gesehen.

Datei:Ofen und Tschingelhörner vom unteren Segnasboden.jpg

Wikipedia Commons, Urh. Caumasee at de.Wikipedia, gemeinfrei.

Hier sehen wir die markanten Zacken der Hörner sowie die scharfe Linie, die sich horizontal durch das Gestein zieht. Die Tschingelhörner sind Teil des Tektonik-Gebietes Sardona – einer Gebirgslandschaft zwischen Vorderrheintal, Sernftal und Walensee, die geologisch weltweit einzigartig ist, weil dort der Gebirgsbildungsprozess besonders gut sichtbar ist.

Normalerweise werden jüngere Gesteine auf älteren abgelagert, im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden jedoch liegen 250 bis 300 Mio. Jahre alte Verrucanogesteine auf „nur“ 35-50 Millionen Jahre alten Flyschgesteinen, getrennt durch die „Magische Linie“ der Glarner Hauptüberschiebung. Hier schoben sich also ältere Gesteinsschichten über jüngere.

Das Felsenfenster in den Tschingelhörnern liegt auf etwa 2600 M.ü.M. und ist 22 Meter hoch und etwa 19 Meter breit.

Datei:Picswiss GL-12-03.jpg

Foto Wikimedia Commons, Urh. Roland Zumbühl, picswiss.

In Elm wurde die Kirche so gebaut, dass der Kirchturm durch das Felsen-Loch von der Sonne beschienen werden kann.

Weil die Tag-und Nacht-Gleiche jeweils infolge der Schaltjahre um 1 Tag variert, fällt das Ereignis heuer auf den heutigen Tag.

Bei schönem Wetter scheint die Sonne um 08.33 MEZ während 2 ½ Minuten durch das Felsenfenster und beleuchtet so den Elmer Kirchturm! Dann verschwindet sie eine Viertelstunde hinter den Bergen, bevor sie dann endgültig über der Bergflanke aufgeht.

Das Naturphänomen zieht bei gutem Wetter immer einige Dutzend Schaulustige und Fotografen an, ja selbst Astronomen pilgern dann heute nach Elm.

Datei:Martinsloch.JPG

Foto Wikimedia Commons, Urh. Thomas Baer, Schweiz

image

Das Dorf Elm mit dem Kirchturm

Herbert Baumberger Brugg AG Martinsloch Elm

Foto H. Baumberger, Brugg

Seit Jahrhunderten fasziniert dieses Schauspiel mit dem Sonnenloch in der Felswand die Menschen. Deshalb  entstand die Sage vom heldenhaften Martin und dem bösen Riesen, bei deren Kampf das Loch geschlagen wurde.

Die Sage vom Martinsloch

Der Schafhirte Martin hütete auf der Elmer Seite des Tschingelhorns Schafe. Da kam eines Tages von Flims her ein Riese und wollte Sankt Martin die Schafe stehlen. Dieser verteidigte aber seine Tiere und warf dem Riesen seinen schweren Stock nach. Anstatt den Riesen zu treffen, prallte der Stock mit dem spitzen Ende in die Felswand. Mächtiges Donnern und Grollen ertönte und Steine rollten zu Tal. Danach war im Fels ein dreieckförmiges Loch zu sehen – das Martinsloch…

In Glarus wird bis heute die älteste urkundlich belegte Landsgemeinde (1387) praktiziert. Grosse Teile des Glarnerlandes gehörten bis Ende 14. Jahrhundert zur Grundherrschaft des Klosters Säckingen (Fridolin). Das Wappen des Hauptortes ziert deshalb auch den heiligen Fridolin.

Ich danke Herrn Baumberger für die Aufnahme, die ich für diesen Beitrag verwenden durfte.

© Text 8,9/12  E.B.

Der Spruch zum Tage

„Es gibt Augenblicke im Leben,
in denen man nicht nur sehen,
sondern ein Auge zudrücken muss.

Benjamin Franklin, amerikanischer Schriftsteller, Erfinder und Staatsmann.

Die Sage und auch andere wichtigen Informationen stammen von verschiedenen Webseiten des Internets.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche. Mached’s guet.  Ernst

 

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22 Antworten zu Montag, 1. Oktober 2012

  1. Beate Neufeld schreibt:

    Das ist ein sehr beeindruckendes Erlebnis, mich würde ganz sicher auch zu diesem Schauspiel hinziehen, wenn ich in der Nähe wohnen würde.
    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht. Auch was ganz oben zu sehen und zu lesen ist, wie die diese alten Gesteinsschichten sich über die jüngeren geschoben haben, ist sehr interessant zu lesen.
    Sei herzlich gegrüßt von:
    Beate

  2. Mathilda schreibt:

    Lieber Ernst, das ist wieder ein sehr informativer Beitrag.
    Hab herzlichen Dank dafür.

    LG Mathilda🙂

  3. Quer schreibt:

    Das ist schon etwas ganz Besonderes, dieses himmlische Nadelöhr – auch wenn ich es selbst noch nie vor Ort gesehen habe.
    Danke für Text und Bilder.
    Mit lieben Grüssen,
    Brigitte

  4. Silberdistel schreibt:

    Lieber Ernst, das ist ein hochinteressanter Beitrag und sicher auch ein wunderschönes Erlebnis, wenn dann an diesem Tag auch die Sonne ihren Part erfüllt. Bist Du schon einmal dabeigewesen?
    Wie so oft hat auch dieser Schauplatz seine Sage – schön. Du scheinst auch Sagen zu mögen. Das ist hier nicht die erste, die Du uns erzählst.
    Dein Spruch zum Tage gefällt mir. Er ist so wundervoll zweideutig.
    Liebe Grüße in den Süden aus einem Norden, der heute noch einmal wundervoll sonnig war
    Silberdistel

    • Ernst Blumenstein schreibt:

      Ich glaube, es war gestern morgen leider noch bewölkt, genau weiss ich es aber nicht. Ich war noch nie in Elm, mag aber Sagen so wie Du auch. Gell, der Spruch hat so viel Wahres an sich. Ich jedenfalls war schon einige Male froh darum in meinem Leben. Honi soit qui mal y pense.
      Dein schönes Wetter scheint sich in den Süden zu mir verirrt zu haben.
      ♥-lich Ernst

  5. Anna-Lena schreibt:

    Was für ein wunderbares Schauspiel, lieber Ernst. Hier hat heute der goldene Oktober begonnen. So kann es gern bis Weihnachten bleiben, warm und sonnig.

    Liebe Grüße in die Schweiz,
    Anna-Lena

    • Ernst Blumenstein schreibt:

      Geniessen wir ihn, liebe Anna-Lena. Von mir aus könnte es auch, aber ob der Wettergott da mitmacht? Step by step, ich bin schon zufrieden, wenn er bis Ende Monat ein freundliches Gesicht zeigt. Liebe Grüsse zu Dir. Ernst

  6. Traude schreibt:

    Einfach nur schön, wenn Naturereignisse und alte Geschichten zusammentreffen! Ich wollte dir auch herzlich danken für deine Zeilen zu meinem letzten Barcelona-Posting – darf ich dich fragen, wie du an mich geraten bist? Über das Thema Reiseberichte? Ich habe gesehen, du hast auch wunderbare Afrika-Erlebnisse in deinen Blog gestellt, die muss ich mir bei Gelegenheit in aller Ruhe ansehen, da werden nämlich gleich überwältigende Erinnerungen an unsere Südafrikareise im Jahr 2002 wach… Liebe Grüße, Traude

  7. Ernst Blumenstein schreibt:

    Hallo Traude,
    Ich war wieder einmal „gwundrig“, habe dich im Ko von Margrit gesehen, mit der ich immer Gedanken tausche. Obwohl ich eigentlich fast keine Zeit für neue Kontakte habe, hat mich „dein Barcelona“ natürlich sofort fasziniert. Reiseberichte interessieren mich eben. Ich möchte noch viele andere Reiseberichte aus Europa und Asien machen.
    Hast Du über Südafrikat 2002 schon Reiseberichte gemacht?
    Ich sende Dir liebe Grüsse. Ernst

  8. minibares schreibt:

    Wow, wie schön, dass es solch ein Phänomen bei euch da oben gibt.
    Da wäre ich auch gern, zu beobachten, ob die Sonne durchscheint. Das muss ein wunderschönes Erlebnis sein.
    Dass die Steine so eigenartig ausschauen und auch tatsächlich eigenartig geschichtet sind, ist höchst interessant.
    Ganz liebe Grüße an dich ♥
    Bärbel

  9. buchstabenwiese schreibt:

    Lieber Ernst,
    ein wunderschöner Beitrag und sehr interessant.
    Ich liebe die Berge.
    Wunderschöne Bilder sind das auch. Herrlich, dieses Sonnenloch.
    Danke schön.

    Liebe Grüße,
    Martina

  10. Waldameise schreibt:

    Wow, wie wunderschön, lieber Ernst. Das würde ich auch mal live erleben wollen. Kennst du eigentlich Manhattenhenge? Schau mal hier:

    Ein lieber Gruß zu dir
    von der Waldameise

  11. ernstblumenstein schreibt:

    Hallo liebe Andrea,
    Ich danke Dir für deine Zeilen und deinen Hinweis auf Manhattenhenge!
    Stonehenge war mir ein Begriff, aber ich wusste nicht, dass die Grabstätten (Dolmen) so errichtet wurden, dass die Sonne hindurchschien, wunderbar!!! Dass es in Manhatten sonnenbeschienene Strassenschluchten gibt, wusste ich auch nicht, aber es ist erklärbar. Die Sonne in Stonehenge hingegen ist für mich ein Mirakel. Danke Dir. Ernst

  12. alltagsblick schreibt:

    Lieber Ernst, dass hier: „…liegen 250 bis 300 Mio. Jahre alte Verrucanogesteine auf “nur” 35-50 Millionen Jahre alten Flyschgesteinen…“ kommt mir so bekannt vor. So ähnlich versuchte ich die Glarner Hauptüberschiebung beim Erden-Beitrag im Projekt 4 Elemente zu erklären.
    Toller Beitrag.
    Heb dr Sorg….
    Claudia

    • Ernst Blumenstein schreibt:

      Vielen Dank liebe Claudia für deine Zeilen. Ich weiss noch, ich habe mich sehr gut an deinen Bericht erinnert, als ich meinen Blog zu diesem Thema schrieb. Ich bin auf Grund einer Foto auf die Idee gekommen, über dieses Naturphänomen in Elm zu schreiben.
      Weil ich eigentlich wenig fotografiere, habe ich einige Hobbyfoto-grafen/innen angeschrieben, die ihre Fotos in einer Galerie der Aarg. Zeitung veröffentlichen. Von ihnen habe ich die Bewilligung erhalten, ihre Fotos im Blog zu verwenden. Sie sind froh, dass ich ihre tollen Aufnahmen bei Bedarf in meinem Blog veröffentliche. So ist ihnen und mir gedient.
      Danke und mach’s guet. Ernst

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