Donnerstag, 1. November 2012


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Allerheiligen

Allerheiligen ist ein christliches, katholisches Fest zu Ehren aller Heiligen, das am 1. November gefeiert wird.

In vielen Ländern Europas ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag, ebenso in den katholisch geprägten Kantonen der Schweiz. In Deutschland ist Allerheiligen in einigen Bundesländern ein sogenannter stiller Feiertag. Ich wohne in einem katholischen Gebiet, wo Allerheiligen heute noch von der Kirche gefeiert wird. 

Haussener-Bleistiftzeichnung-Hof-und

Foto eingescannt aus der Aargauer Zeitung az, Bleistiftzeichnung, Autor unbekannt.

Allerseelen

Nach Allerheiligen folgt in der römisch-katholischen Kirche am 2. November noch Allerseelen, der Gedenktag an die Verstorbenen.

Der Totensonntag in der evangelischen Kirche findet zwischen dem 20. und dem 26. November statt. Wobei ich meine, dass nicht so sehr das Datum des Tages wichtig ist, sondern dass wir an einem Tage im Jahr unsere Verstorbenen besuchen. Auch die Frage, ob nach dem Tode noch etwas anderes kommt oder nicht, sollte dabei nicht ausschlaggebend sein. 

Angehörige besuchen ihre Verstorbenen, um ihnen nahe zu sein und mit ihnen zu sprechen. Dies geschieht nicht laut, sondern meistens in Gedanken. Dabei werden auch Erinnerungen wach.

Diese Totenkultur gilt es zu pflegen, weil es für uns Menschen wichtig ist, wie wir mit unseren Toten umgehen. Ich habe mir vor vielen Jahren Gedanken über den Totensonntag gemacht, weil ich jeweils meine Eltern und meine Schwester an ihrem Grabe besucht habe.

Morgen Freitag, den 2. November vor einem Jahr haben wir Werni zu Grabe getragen. Ich denke an ihn und schliesse ihn in meinem Gedicht ein. 

Dusse uf em Hof vom Friede

A de Gräber
zünded d‘ Lüet
Cherze a.

A de Gräber
sueched d’ Lüet
d’ Nöchi zu ehrne
Verstorbene.

A de Gräber
git’ s
Zwiegspröch
ond Erinnerige
us f
rüenere Zite.

A de Gräber
spüred d’ Lüet
d‘ Wärmi
us de Vergangeheit.

Dusse uf em Hof
vom Friede.

1997  

© Gedicht E.B.

Beim ehemaligen Kloster Gnadenthal.

Tä Gnadenthal Eingang_thumb

Foto Ernst Blumenstein

Das Gedicht zum Tage

So oder So

Die handeln und die dichten,
Das ist der Lebenslauf,
Der eine macht Geschichten,
Der andre schreibt sie auf,
Und der will beide richten;
So schreibt und treibt sich’s fort,
Der Herr wird alles schlichten,
Verloren ist kein Wort.

Joseph von Eichendorff, deutscher Lyriker u. Schriftsteller, 1788-1857.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.  Mached’s guet.  Ernst

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12 Antworten zu Donnerstag, 1. November 2012

  1. Mathilda schreibt:

    Wünsche dir einen schönen Feiertag, bei uns ist es keiner.

    LG Mathilda🙂

    • Ernst schreibt:

      Mein Wohnort liegt im Freiamt, dessen Bevölkerung mehrheitlich katholisch ist, somit ist hier heute Feiertag. Als Reformierter verehre ich keine Heilige. Bei uns ist es halt manchmal etwas kompliziert wegen dem Föderalismus. Liebe Grüsse Ernst 😉

  2. Monika schreibt:

    Guten Morgen Mathilda,

    bei uns ist es auch ein Feiertag. Dafür hattet ihr wann anders frei. Ernst: Wie lautet denn die zweite Strophe des ersten Gedichts übersetzt? Das andere konnte ich einigermaßen lesen, aber da tat ich mich schwer.

    Viele Grüße und vielen Dank

    Monika

    • Ernst schreibt:

      Grüezi Monika,
      Mit Freie Aemter (heute Freiamt) bezeichnete man im MA einen Personenverbund von freien Bauern (Freie), die nur einem Gericht unterstellt waren. Unsere Region Freiamt war also im MA unter habsburgischer Herrschaft wegen dieser niederen Gerichtsbarkeit „frei“, also unabhängig und selbständig. Die Bezeichnung stammt von Alemannen bewohnten Gebieten aus dem Schwarzwald und dem Schweizer Mittelland. Dir wünsch ich einen schönen Feiertag. Ernst

      Die 2. Strophe meines Gedichtes lautet:

      An den Gräbern
      suchen Leute
      die Nähe zu
      ihren Verstorbenen.

  3. Anna-Lena schreibt:

    Bei uns war gestern Feiertag – Reformationstag. Obwohl die wenigsten damit etwas anfangen können, seit Halloween diesen Tag für sich in Beschlag genommen hat.
    Als ich noch in NRW lebte, sind wir auch auf den Friedhof gegangen. Noch heute sehe ich das Lichtermeer im Gedenken an die Verstorbenen.
    Ich halte an diesen Brauch auch weiter fest, aber das Licht auf dem Grab meines Vaters leuchtet meist alleine auf weiter Flur, da hier die meisten den Totensonntag bevorzugen.

    Ich wünsche dir einen schönen Feiertag, lieber Ernst.
    ♥lich,
    Anna-Lena

    PS: Bist du so gut und schreibst mir per Mail deine Adresse? In etwa 10 – 14 Tagen kommt meine Kleinauflage, dann geht mein Buch für dich auf die Reise…

    • Ernst schreibt:

      Vielen Dank für deine Zeilen, liebe Anna-Lena. Den Reformationstag kenne ich nicht und mit Halloween kann (und will) ich gar nicht’s anfangen! Obwohl ich reformiert bin, besuchte ich früher viele Jahre lang an Allerheiligen das Grab meiner Eltern und meiner Schwester. Dies, weil ich den Totensonntag nicht kannte und er kein Begriff für mich war.
      ♥-lich, Ernst.

  4. ute42 schreibt:

    Bei uns ist heute auch Feiertag. Ehrlich gesagt mag ich diese „besinnlichen“ Feiertage nicht so sehr. Aber wenigstens scheint die Sonne, dann ist es nicht all zu traurig🙂

    • Ernst schreibt:

      Danke, liebe Ute, für deine Zeilen. Jetzt scheint bei uns auch die Sonne und es ist wieder angenehm mild. Es scheint, dass die 1. Kältewelle vorbei ist. Dir eine gute Zeit. Ernst

  5. Quer schreibt:

    Danke für die beschaulichen Texte und Bilder zu diesen stillen Gedenktagen.

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  6. Brigitte schreibt:

    Ja cher Ernst,
    hier im Franzenherz ist der 1. November auch ein Feiertag!! Die Herbstferien der Kinder werden speziell auf Toussaint gelegt! Hier werden die Gräber mit Chrysanthemen geschmückt…. aber ich flüstere dir laut, die Friedhöfe oder Gottesäcker hier finde ich nur gruslig.
    Ich gedenke den Vormirgegangenen jeweils mit Kerzchen hier in der Küche….
    … aber oft kommen mir dieser Tage auch die einsamen, alten Leute in den Pflegeheimen in den Sinn!! Die bräuchten in diesen oft finsteren Tagen doch dringend etwas Abwechslung!!
    Lass es dir gut gehn ond heb’s schö!!
    Dis Gedicht gfallt mer!!
    bbbbBrigitte

    • Ernst schreibt:

      Toussaint, schön, ein neues Mot für’s vocabulaire gelernt, merci madame. Ich glaube, die Gottesäcker in france sind etwas altmodischer und nicht so gepützelt wie bei uns. Tja, male mir mit dem Pflegeheim nur nicht den Teufel an die Wand:mrgreen:, cher brischitte.
      Ich danke Dir für deine Zeilen und wünsch dr es schöns Wocheändi. :-)bbbb Ernst

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