Dienstag, 20. November 2012


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Istanbul – Karachi (3)

”manchmal ist die Welt klitzeklein!”

Pit, mein bisheriger Kumpel, verabschiedete sich in Istanbul, um auf einer anderen Route über die Südtürkei nach Syrien und weiter Richtung Indien zu reisen. Ich reiste mit Jean, einem Pariser Kumpel.

Unsere ging von Istanbul über Erzurum – Täbris – Teheran – Isfahan – Zahedan – Quetta – Sukkur nach Karachi und dauerte rund 5 Wochen (dazu kamen zwei Wochen Ferien in Quetta). Auf Grund meiner Recherchen im Internet schätze ich die Strecke auf etwa 6’000 km !

Kartenbild


Istanbuls berühmte Sehenswürdigkeit : Die Hagia Sophia.
Reger Schiffsverkehr auf dem Bosporus.

Türkei Istanbul Moschee1 50Türkei Istanbul Version 1

Halt, da brauchte es ja auch noch je ein Visum für Persien und Pakistan. Denn zu jener Zeit wurde an den Grenzübergängen noch eifrig der Pass gemustert, ob da wohl alles echt und in Ordnung sei.

Pass Eintragungen Turkei Visum Ein-u. Ausreisestempel Visum und Stempel für Ein-und Ausreise Iran Pakistan

Was für eine Bürokratie! Und gestempelt wurde natürlich dann auch noch eifrig. So konnte der Beamte die Wichtigkeit seiner Tätigkeit sich selber und uns beweisen.

Infolge Kälte und Schneefall anfangs Februar mussten wir bereits in Ankara das Autostoppen aufgeben . Wir waren gezwungen, von Ankara nach Erzurum den Zug zu nehmen. Immerhin legten wir auf dieser zweitägigen, Zugsfahrt mit einer Dampflokomotive nach Erzurum rund 1’000 km zurück.

Die Reise war für uns ein einmaliges Erlebnis. Doch dies ist wieder eine andere Geschichte. Ich werde sie euch in einem weiteren Reisebericht erzählen.

In Erzurum in Ostanatolien war tiefster Winter. Die Temperatur sank in der Nacht auf 25 Grad unter Null. Es lag Schnee. Diese im Osten der Türkei gelegene Provinz war zu jener Zeit ein sehr armes Gebiet mit wenig Infrastruktur.

Alle nachfolgenden Fotos habe ich von alten Dias eingescannt. Die Qualität ist schlecht, trotzdem zeige ich die Bilder, weil sie für die damalige Zeit sehr authentisch sind.

Türkei Dorf woIran Beluschistan Dorf
Türkei Anatolien GrenzkaffTürkei Grenzland

Impressionen von der Reise durch die iranische Wüste Belutschistan.

Esel sind genügsame Lasttiere.
– Zarathustra-Turm in der Nähe von Esfahan. Zarathustra war ein
altiranischer Priester und lehrte im ersten Jahrtausend vor
Christus.
Er wird als Prophet oder Schamane bezeichnet.
Im Innenhof eines Wüstendorfes.
Auch Kamele sind genügsame Lasttiere.

Iran Belutschistan woIran Esfahan Turm Zarathustra
Iran Esfahan Innenhof eines Dorfes Iran Belutschistan nähe Esfahan Trampel 1-50

Weitere Eindrücke von der pakistanischen Wüste Belutschistan.

– Moschee in der pakistanischen Wüste Belutschistan.
Unser Uebernachtungshotel war komfortabel. Hier waren wir als
Autostopper unterwegs.
Der Schreiber am Morgen in der Hocke rechts.
Ehemalige Unterkunftshütten aus Schilf, die früher pakistanischen
Arbeitern dienten, wenn sie die Geleise der Bahnlinie kontrollierten.
– Nomaden rasten in der Wüste.
Jean und ich auf der Dampflokomotive des Wasserzuges, mit
dem vom iranischen Grenzort Zahedan nach Nok Kundi in
Pakistan fuhren.
Auf den Zisternenwagen haben sich Paschtunen mit Sack
und Pack nieder gelassen
.

Iran Wüste Belutschistan Moschee Belutschi 1-50Pakistan Belutschistan zwischen Grenzort u. Quetta Frühstück  Lausann. 1-50
Iran Belutschist. zwi.  Bam-Zahedan, Eisen bahnwärterhüttePakistan Wüste Belutschistan Nomaden 1-50

Iran Zahedan Jean u Aettli auf Wasserzuglok Iran Zahedan Wasserzug an Grenze Pakistan1-50

Zwischendurch genossen Jean und ich bei einem Velohändler in Quetta in der Proviz Belutschistan noch zwei  Wochen lang die sprichwörtlich östliche Gastfreundschaft. Er quartierte uns in seinem grossen Haus mitten in der Stadt ein. Sein Veloladen befand sich im Parterre des Gebäudes. Wir durften seine Räder benützen, um uns in dieser fremden Stadt umzusehen. Wir schätzten natürlich die Vollpension bei seiner Familie sehr.

Bei warmen und schönem Wetter bevorzugten wir es, auf dem Flachdach seines Hauses unter dem freien Himmel zu schlafen. Es war insofern einmalig, weil es damals in dieser Gegend noch keine grosse Luftverschmutzung gab, die die Sicht auf das Sternenzelt beeinträchtigt hätte. Wir schliefen auf unserer grossen Reise noch öfters auf Flachdächern!

Und überhaupt, Strassenszenen wie hier in Quetta gab es in Europa nicht zu sehen.Ein Beweis für das schöne und heisse Wetter fällig? Der Regenschirm diente dem Reiter auch als Sonnenschirm!

Pakistan 1965 Lahore Ob es wohl zu heiss ist -66
Oder ein Ochsengespann auf der Strasse, das einen grossen Zweiräder-Karren zog, fanden wir interessant. Auch die markanten Holzräder fanden unsere einhellige Begeisterung. Pakistan 65 Lahore Ochsengespann auf Strasse-79
In Quetta machten wir erstmals auch nähere Bekanntschaft mit einem pakistanischen Lastwagen, der wahrscheinlich eine Reparatur in einer Nebenstrasse über sich ergehen lassen musste. Solche Trucks fahren alle so kunstvoll bemalt herum und sind auf den Strassen des Ostens sehr häufig anzutreffen.

Pakistan eingescannt Markttag rund um die Welt Ch. Peter, G

Bild eingescannt durch E.B. aus dem Buch Markt rund um die Welt von Ch. Peter und G. Stärk.

Der Schreiberling dieses Reiseberichtes wurde von einem begabten Weltenbummler 1965 mit dieser Bleistiftzeichnung auf einen Papierzettel festgehalten. Ich fand diesen Zettel neulich in einem kleinem Büchlein, indem ich leider viel zu wenige Notizen über meine Reise geschrieben habe. Ja, ich hätte es viel einfacher beim schreiben solcher Berichte gehabt.

Ernst Portrait 1965 Israel auf ein Notizzettel gezeichnet Bleis
Eingescannt von Ernst Blumenstein.

Die Reise legten wir vorwiegend per Autostopp zurück. Zweimal benutzten wir einen Zug und einige Male waren wir mit einen Bus oder Lastwagen unterwegs.

Nochmals eine Strassenszene aus Quetta, Pakistan.

1 Pakistan 1965 Lahore Street Side -74
Karachi liegt am Arabischen Meer und ist die Metropole der Provinz Sindh. Kaum in Karachi angekommen, suchten wir das YMCA auf, um uns sauber zu waschen und zu duschen. Als das Wasser aus der Brause auf meinen Körper perlte, sang einer lauthals in der Dusche nebenan im schönsten Schweizerdialekt.

Es war Pit, der sich vor 7 Wochen in Istanbul von mir verabschiedete. Wir waren praktisch gleichzeitig in der Dusch-Anlage des YMCA in Karachi eingetroffen ! Dieses Wiedersehen war zufällig und nicht geplant.

“manchmal ist die Welt klitzeklein!”

© Text und Fotos, wo nichts anderes erwähnt, Ernst Blumenstein.

Der Spruch zum Tage

Es gibt wichtigeres im Leben,
als beständig dessen Geschwindigkeit
zu erhöhen.

Mahatma Gandi, indischer Freiheitskämpfer und Politiker.

Ich wünsche euch eine gute Woche. Mached’s guet.  Ernst

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Dieser Beitrag wurde unter Reiseberichte, Reisebilder. Türkei, Iran, Pakistan veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Dienstag, 20. November 2012

  1. einfachtilda schreibt:

    Danke lieber Ernst und auch dir eine gute Woche.

    LG Mathilda 🙂

  2. Quer schreibt:

    Du entführst uns wieder in eine spannende und fremde Welt voller vergangener und bleibender Bilder. Das sind sicher Schätze an Erlebtem und Gesehenem, die dir niemand wegnehmen kann. Selbst erlebte „Weltgeschichte“ sozusagen.

    Auch dir eine gute Novemberwoche und
    liebe Grüsse,
    Brigitte

  3. Silberdistel schreibt:

    Das muss eine unwahrscheinlich spannende Reise gewesen sein. In welchen Sprachen habt Ihr Euch dort verständigt, denn verständigen musstet Ihr Euch doch irgendwie, zumal Ihr auch per Autostopp unterwegs gewesen seid? Ich glaube, das wäre mir doch manchmal etwas unheimlich gewesen. Aber als Mann in solchen Gegenden der Welt unterwegs zu sein, ist sicher etwas anderes, als wenn man solche Touren als Frau hätte unternehmen wollen. Irgendwie beeindruckt mich diese gewaltige Strecke, auf der Ihr unterwegs ward, ungemein.
    Lustig, dass Dein Kumpel Pit dort in Karachi zur gleichen Zeit eingetroffen war.
    Eine schöne Bleistiftzeichnung. Was macht der Zeichner heute?
    Liebe Grüße von der Silberdistel

    • ernstblumenstein schreibt:

      Tja, die Reise war eigentlich gar nicht geplant. Die Idee reifte erst, als wir in Eilat immer neue Beatniks kennen lernten, die von unten (Indien) kamen und uns erzählten, wie lässig das Trampen war und was man wo machen muss oder kann. Es ging es ja auch darum, mit möglichst wenig Geld möglichst weit zu reisen.
      Verständigt haben wir uns vorwiegend in Englisch. Vielfach aber auch mit Händen und Füssen, weil wir auch mit vielen einfachen Einheimischen Leuten in Kontakt kamen. Wir waren ja meistens mit Autostopp unterwegs.

      Es waren zu jener Zeit auch Frauen in unserem Alter (23) auf der gleichen Strecke unterwegs, sogar auch solche, die alleine trampten.
      Ich wollte ja eigentlich nur einen Beitrag wegen „Pit“ „manchmal ist die Welt klitzeklein“ machen. Dann hatte ich plötzlich die Idee, kurzfristig etwas mehr üder die Reise zu schreiben. Thon, der vietnamesische Zeichner, lebt heute in Paris als Geschäftsmann.
      Ich hoffe, ich konnte deine Fragen zu deiner vollen Zufriedenheit beantworten?? Liebe Grüsse an die Ostsee. Ernst

      • Silberdistel schreibt:

        Danke für die ausführliche Antwort. Dein Bericht ist sehr spannend und ich hatte gleich eine sehr abenteuerliche Reise vor meinem inneren Auge. Hm, mutige Frauen gab es also schon damals. Allein zu trampen, das wäre für mich schon gar nichts gewesen und in einem fremden Land sicher erst recht nicht. Ich war zwar in meiner Jugend auch öfter einmal trampend unterwegs – aber allein nie. Das war mir dann doch zu unheimlich.
        Also ist aus dem Zeichner kein Künstler geworden?!
        Liebe Grüße zurück in den Süden von der Silberdistel

      • Ernst schreibt:

        Es waren meistens Australierinnen, Neuseeländerinnen oder Engländerinnen.
        Dem Zeichner ist das zeichnen sicher als Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit geblieben, denke ich. 😀

      • HP. Schnell schreibt:

        Hoi Pit,
        Schön, dich zu lesen. Ich freue mich, etwas von Dir zu hören. Du siehst, ich arbeite die schönsten Teile meines Lebens auf. Ich hoffe, dass ich noch viele Geschichten über Israel und die Ostasienreise schreiben kann. Du kannst nur die entsprechende Kategorie rechts anklicken, dann kommst Du schneller zu einem Bericht.

        Im Moment erwähne ich meine Reiseberichte auch noch im UEBER MICH. Im Moment hab ich Neve Yam in Arbeit, Matzuba sollte schon fertig sein und eine Episode über Moskowitsch in Eilat auch. etc. etc. Du siehst, ich habe zu tun. Ich wäre natürlich froh, wenn ich dich über Details unserer Reise in Israel jeweils fragen könnte.

        Ich habe auch noch Dias einscannen lassen und muss sie im Januar bearbeiten. Ich kann einige Bilder nicht zuordnen und weiss gewisse Sachen nicht mehr. Vielleicht können wir im nächsten Jahr einmal abmachen, ich nehme an, dass Du noch vieles über Israel weisst.

        Wegen der Zeichnung und Thong bin ich eben auch nicht sicher. Es hätte auch Nils, der Däne, sein können oder ein anderer. Aber Du kannst Thong ja fragen.

        Toni Bärlocher ist seit dem 1. Oktober bis heute nicht mehr aktiv. Ich habe mit seiner Frau Elisabeth gesprochen, er hat wieder Bestrahlungsterapien machen müssen und es ging ihm bis November nicht gut. Wie es ihm jetzt geht, weiss ich nicht. Werde mal Ende Jahr wieder fragen.
        Ech schick dr Grüess uf Seon und loh d’Elfie au grüesse. Loh weder emol öppis vo dr ghöre. Chöl

        Hoi „Chöl“

        Da isch de Pit wo unter de Duschi gsunge hät.
        Noch was wegen der Zeichnung:
        Wenn die tatsächlich von Thong, stammt kann ich folgende Ergänzung machen. Thong lebt jeweils für 2-3 Monate in Paris, sonst aber ist er in Saigon und arbeitet selbstständig. Ich habe noch Kontakt zu ihm und gelegentlich taucht er sehr unverhofft bei uns auf. Bei einem nächsten
        Besuch werde ich dir anrufen.

        Pit

  4. Anna-Lena schreibt:

    Was für eine Strecke, die ihr da zurückgelegt habt. Heute wird dort vieles nicht mehr so ursprünglich sein. das ist Orient – wie ein Märchen aus 1001 Nacht.
    Danke fürs Mitnehmen. Mit dir reise ich besonders gern 🙂 .
    Liebe Grüße
    Anna-Lena

  5. minibares schreibt:

    Lieber Ernst, wo ihr überall herumgekommen seid, das ist fantastisch.
    Sowas wäre heute gar nicht mehr möglich.
    Damals hattet ihr aber auch viel Glück. Solch eine lange Strecke, inzwischen unvorstellbar.
    Die Bilder sind sehr beeindruckend, danke, dass du das alles so wundervoll aufbereitest.
    Dass du deinen Freund dort wieder getroffen hast, das ist schon verrückt.
    Ganz liebe Grüße ♥
    Bärbel

  6. Ernst schreibt:

    Danke, liebe Bärbel für deinen Kommentar. Ich glaube auch, dass die Reise, so nicht mehr möglich wäre. Ich brauchte während den sieben geschilderten Wochen sicher nicht mehr als Fr. 70.–. Ich habe irgendwo noch Preise notiert, ich werde in einem der nächsten Berichte einmal darüber schreiben. Tja, wegen diesem verrückten Treffen des Freundes habe ich ja ursprünglich den Beitrag machen wollen.
    Herzliche Grüsse zu Dir. Ernst

  7. Waldameise schreibt:

    Wow, unglaublich, was du alles erlebt hast, lieber Ernst. Ich bin schwer beeindruckt. Wie klein mein Radius dagegen zu sein scheint bzw. ist, in dem ich mich bisher bewegen durfte. Deshalb „lausche“ ich ja auch so gern, wenn jemand von seinen Weltreisen erzählt. Auf alle Fälle gehört immer eine gehörige Portion Mut dazu, sich auf so ein Abenteuer einzulassen. Mut, den ich wohl nicht hätte.

    Ein lieber Gruß
    von der Waldameise

  8. Ernst schreibt:

    Ich glaube, die Lebensqualität hängt nicht vom Radius ab, liebe Andrea. Ich schreibe über meine Reisen, weil ich mich so an interessante Zeiten wieder gut erinnern kann. Bewerten muss ich diese Zeiten nicht. Das passt.
    Ich schicke Dir einen Gruss in die Nacht. Ernst 😀

  9. Träumerle Kerstin schreibt:

    Lieber Ernst. Jetzt weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll. Mir fehlen einfach die richtigen Worte. Das ist Abenteuer pur, was ihr da erlebt habt. Ich bin da ja eher ängstlich, möchte lieber alles vorher gesucht und gebucht haben. So einfach losreisen – das bewundere ich.
    Und so ein Lacher, dass ihr euch unter der Dusche wieder getroffen habt. Nein, es gibt manchmal schon verrückte Zufälle.
    Liebe Grüße von Kerstin und Danke für den großen Aufwand, den Du zum Erstellen dieser Berichte betreibst.

  10. Ernst schreibt:

    Danke, Kerstin für deine Gedanken zu meiner verrückten Reise. Ich könnte das ja heute auch nicht mehr machen, selbst wenn es so noch möglich wäre. Weisst Du, ich schreibe ja meine Erinnerungen für euch und auch für mich selber. So gesehen kann der Aufwand gar nicht so gross sein. Ich bin halt heute noch in den Gedanken ein Freak und in der Art sehr unkonventionell. Viele Grüsse zu Dir. Ernst

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