Freitag, 12. April 2013


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Eine Geschichte aus

zwei Ansichtskarten.

Von den Transhumance hörten wir erstmals hier im Ecomusée de la Crau in Saint Martin de Crau (Provence), als wir uns über die Steinwüste Crau informieren liessen und Literatur und Karten-Reproduktionen von 1786 kauften.

Transhumance ist die saisonale Bewegung der Tiere zwischen Berg- und Tiefland Weiden. Milch, Butter und Käse sind Produkte aus dieser Wanderviehwirtschaft, bei der das Vieh nicht oder nur saisonweise eingestallt ist.

In St. Martin de Crau wird jeweils im Mai ein traditionelles Fest zu Ehren der Transhumance  gefeiert.

Ein Schäfer mit seiner Herde in Saint Martin-de-Crau. Reproduktion von 1786.1989 alte Briefm.Karte 1786 St.Martin de Crau Frühlingsfest
Foto eingescannt aus meiner Ansichtskarten-Sammlung.

Seit dem 13. Jahrhundert trieben Schäfer aus den Winterquartieren ihre Vieh- oder Schafherden im Frühjahr aus der Steinwüste Crau und anderen Orten der Provence ins Gebiet des Départements Alpes-de-Haute-Provence und im Herbst wieder zurück.

Eine weitere Karten-Reproduktion von 1786. 1989 Alte Briefm.Karte 1786 St. Martin de Crau
Foto eingescannt aus meiner Ansichtskarten-Sammlung.

Uralte schriftliche Abmachungen zwischen Landbesitzern, die längs der Wanderrouten lebten und die Verträge mit den Schäfern hatten, belegen dies. Trotzdem gab es manchmal Verletzte oder Tote, wenn sich die Landbesitzer gegen den Viehtrieb der Schäfer wehrten oder umgekehrt.

Portrait eines Schäfers. Ecomusée-de-la-Crau.Francois Roberi - Kopie
Foto Francois Roberi, Ecomusée.

Transhumance wurden von erfahrenen Oberschäfern angeführt, die den Weg kannten und die Route bestimmten. Ihre Stellvertreter marschierten am Ende der Herde. Solche Wanderungen dauerten zwischen 7 bis zu 14 Tagen.

www.google.search.transhumance Moutons
Foto www.search.transhumance.

Alles, was die Schäfer auf ihrem langen Marsch brauchten, wurde auf Maultieren mitgenommen. Diese trugen auch die Lämmer, die während einer Transhumance geboren wurden.

Schafherde im Vaucluse auf dem Wege in die Haute Provence.jonquiairés bergers et moutons im Vaucluse x240-w7b
Foto www.search.transhumance.

Im Verlauf dieser Wanderung schlossen sich immer mehr Schäfer mit ihren Herden an. So konnte die Herde im Laufe der Zeit bis auf 70’000 Tiere anwachsen.

Eine Herde unterwegs im Gebiet der Haute Provence. la Transhumance en Haute Provence 100_4264
Foto www.search.transhumance

In der Provence werden heute noch jedes Jahr rund 400.000 Tiere per Lastwagen oder Bahn in das andere Weideland transportiert.

Hier eine kleinere Tierwanderung in Montclus im Departement Gard im Languedoc-Roussillon. Montclus liegt an der Gorges du Cèze.httpupload.WPC. eig.Werk Urh. Falken. orgTranshumance
Foto Wikipedia Commons. eig. Werk. Urh. Falken.

Grössere Tierwanderungen gab es auch in den Cevennen im Massiv Central. 397 CCC urh. share alik...Transhumance-Mont Massiv Central, F.Aigoual-1
Foto CCC, Urh. share alik

oder im Parc National de Pyrénnées. WMC Urh.Clicgauche at fr.wikipedia. CC.BY.SA; CC.BY.SA.1.0. Parc national derBerger_pyrenees
FotoWikimedia, Urh. Glicgauche at fr.WPC.CC.BY.SA.

Die Transhumance gibt es in der ganzen Welt. In Europa wird diese Wanderviehwirschaft u.a. in Frankreich, Spanien, Italien, Rumänien und der Türkei praktiziert.WMC Jean luis zimmermann, Schäfer Quelle www.flickr.com.hphotos.jeanlouis
Wikimedia Commons. Urh. Jean Luis Zimmermann.flickr.com.

Selbst die Samen in Skandinavien kennen eine ähnliche Weidewirtschaftsform. Die Alpwirtschaft in den Alpen (Sömmerung) ist eine andere Form der Fernweidewirtschaft.

Der Spruch zum Tage

Der Franzose kennt, man höre und staune,
ein Wort für die Not – dafür hat er sagenhaft kluge,
mit Trotz und Mut gewürzte Begriffe für beinahe jedes Bedürfnis.
Fürs Elend, zum Beispiel, sagt er »misère«,
was auf gut deutsch »Gott erbarme sich!« heißt.
Das Französisch hat, in Anlehnung an uralte Erfahrungen,
das Finstere dieses Wortes mit Licht übergossen –
es hat aus der »Not« einen Schrei gemacht,
aus dem »Elend« ein Bekenntnis zum Dasein.

Walter Fürst, Schweizer Aphoristiker. © Billy. 

Ich wünsche euch eine gute Zeit.  Ernst/x/bookmark.png

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24 Antworten zu Freitag, 12. April 2013

  1. einfachtilda schreibt:

    Danke lieber Ernst und ein schönes Wochenende wünsche ich dir.

    LG Mathilda🙂

  2. Beate Neufeld schreibt:

    Das hast Du wieder ganz wunderbar und interessant zusammengestellt. Ich durfte viel lernen und habe über die Kartenmotive und die Fotos gestaunt.
    Den heutigen Transport mit motorisierten Verkehrsmitteln stelle ich mir nicht angenehm für die Tiere vor.
    So viele Schafe und so lange unterwegs, das habe ich nicht gewusst.
    Sei herzlich gegrüßt von:
    Beate

    • ernstblumenstein schreibt:

      Da hast Du Recht, Beate. Vor allem lange Transporte, die in der Provence infolge der Distanzen anfallen, sind alles andere als tierfreundlich. Dir auch herzliche Grüsse und ein schönes Wochenende wünscht Dir: Ernst

  3. martaperegrina schreibt:

    Hermosas fotografías que nos remontan a epocas pasadas.
    Que pases una soleada tarde.
    Un fuerte abrazo

  4. ladyfromhamburg schreibt:

    Das ist ziemlich beeindruckend! Einmal es zu schaffen so viele Tiere über die Entfernung und die Dauer sicher zu leiten, aber auch sich vorzustellen, selbst auf eine Gesamtherde von 70.000 Tiere zu stoßen! So weit man schaut nur Schafe (oder andere Tiere)! Enorm …

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Ja, das war beeindruckend, als ich diese Geschichte vor vielen Jahren in St. Martin-de-Crau hörte. Ich versuchte einfach, etwas über diese alten, heute vergangenen Zeiten weiter zu geben. Liebe Grüsse und Dir ein schönes Wochenende. Ernst

  5. syntaxia schreibt:

    Beeindruckend, lieber Ernst!
    Bei dem Bild mit der Herde durch den Ort, stelle ich mir solch eine Herde zur Hauptverkehrszeit nur am Rande Freiburgs (D) vor. Da hätte keiner Geduld!😉

    ..grüßt dich Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Tja, was denkst Du Monika. Vergangene Zeit trifft auf heutige Zeit – Chaos pur😉
      Vielleicht würden wir wieder lernen, die Hektik ein bisschen abzulegen. M. Gandhi hat mal gesagt: Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. Ich frage mich – wo führt unsere selbstgewählte Hektik hin?
      Ein ratloser Ernst bleibt zurück, wünscht Dir aber einen angenehmen Sonntag.

      • syntaxia schreibt:

        Lieber Ernst,
        ich dachte einmal, die Schweizer würde es uns vorleben mit der Entschleunigung. Da las ich das Büchlein vom lieben Bruno Dörig: Brachzeit. Es war so beschrieben, dass im Winter ebenTermine nicht stattfinden etc. Den schönsten Satz erinnere ich sinngemäß noch heute: Der Schnee fällt unaufhörlich auf alles herab, auch auf den Direktor und sein teures Auto..
        So würden auch hier einmal alle stehen bleiben und schauen. Aber ich träume den Traum auch nicht mehr. Allerdings habe ich mich aus der Gesellschaft zurückgezogen, soweit man es nur kann.
        Herzliche Sonnengrüße!
        ..schickt dir Monika (eben ins Wochenende gekommen)

      • ernstblumenstein schreibt:

        danke Monika für deinen interessanten Bericht über B. Dörig; ich kenne ihn nicht. Wir Schweizer sind doch auch Alemannen wir ihr auch, in der Regel aber langsamer und behäbiger glaub ich. Alles in allem: Ich bin nicht mehr für den Werdegang der Welt zuständig. Ich bin sehr kritisch der Gesellschaft gegenüber geworden, schreibe noch Leserbriefe und Twittere über Vorkommnisse in der CH, mit denen ich nicht einverstanden bin. Es fehlt an Moral, an Aufrichtigkeit und und und…

        Wenn ich sehe, wie heute „gesunder Salat u. gesundes Gemüse“ von Leuten produziert wird, die zu viel Dünger einsetzen, den Boden kaputtmachen, Felder mit Gemüse einfach umpflügen oder die Ware verderben lassen – und das alles nur des Profites wegen, dann haben diese Produzenten für mich weder eine Moral noch eine Ethik usw.

        Da tausche ich mich viel lieber mit Dir aus als dass ich mich über all diese Dinge ärgere.
        Mach’s guet. Gib dr Sorg. Ernst

  6. Clanmother schreibt:

    Vielen Dank für diese bemerkenswerte Beitrag. Es war, als wenn ich es in Person. Ich fand die Markierungen auf den Tieren sehr interesing. Ich folge Ihrem Blog genießen und schauen, um alle Ihre Beiträge.

  7. minibares schreibt:

    Wenn diese riesigen Schaf oder Rinderherden durch die Städte ziehen, liegt das Stadtle4ben darnieder, denke ich, dann geht ja nichts, mehr.
    Sehr beeindruckend, wie sie auch über die Höhen ziehen. Tolle Bilder und Infos zu diesem ungewöhnlichen Thema.
    Lieber Ernst, da hast du ja richtige Karten-Schätze…
    Dir einen guten Sonntag ♥
    Bärbel

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hallo Bärbel,
      Danke für deine Zeilen. Mein Bericht bezieht sich auf die Vergangenheit, heute sind solche Herden in der Provence nicht mehr unterwegs, gehlt alles per Laster oder sogar Bahn. Für die Tiere nicht sehr freundlich !!! gell. Dir eine gute Woche und herzliche Grüsse. Ernst

      • minibares schreibt:

        Tja, keiner hat mehr die Zeit, mit ihnen zu wandern…
        Also rein in LKW oder Züge. Oha, das muss für die Tiere schlimm sein. Nicht sehen können, war vor ihnen ist.
        Mir kommt glatt eine Gänsehaut.
        Aber es ist leider so, wir können nichts machen.
        Danke für deine lieben Wünsche ♥

      • ernstblumenstein schreibt:

        so ist es Bärbel !

  8. Silberdistel schreibt:

    Welch hochinteressanter Beitrag! Diese riesigen Herden, das ist schon beeindruckend. Ich mag Schafe sehr. Meine Großeltern hatten welche, sodass ich ein wenig über Schafe weiß, mich auch etwas auskenne. Das allerdings, was Du hier beschreibst, ist mir neu. Man lernt doch immer noch dazu. Danke, dass Du uns an Deinem Wissen teilhaben lässt.
    Liebe Grüße von der Silberdistel, die Dir einen schönen Rest vom Wochenende wünscht

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke für deine Zeilen Silberdistel. Es ist ja die Vergangenheit dieser Transhumance, die mich faszinierte und die ich recherchieren wollte, um den Bericht schreiben zu können. Liebe Grüsse an die Ostsee und Dir eine schöne Woche. Ernst

  9. Träumerle Kerstin schreibt:

    Beeindruckend! Direkt vor unserem Haus kam vor vielen Jahren mal eine große Schafherde vorbei gezogen und ich habe geschaut, bis das letzte Tier außer Sichtweite war. So was ist selten geworden, wobei die Herden hier ja nicht so riesig sind wie die von Dir beschriebenen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke für deine Zeilen Kerstin. Die Zeiten dieser Transhumance sind endgültig vorbei. Mich faszinierte einfach die Geschichte dieser Viehwirtschaftsform. Liebe Grüsse und eine gute Zeit wünscht Dir Ernst.

  10. buchstabenwiese schreibt:

    Bei uns sieht man ab und zu mal eine Schafherde, die über die Felder zieht, lieber Ernst. Natürlich nicht in dieser Dimension, wir hier von dir beschrieben. Interessant finde ich immer die Hunde, die die Schafe hüten. Wie sie hin- und herflitzen, voll konzentriert, dass kein Schaf verloren geht.🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

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