Freitag, 14. Juni 2013


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Jugendfest und

Centenarfeier 1903

Dieser Bericht ergab sich, weil mir der Begriff Centenarfeier (siehe unten) nicht geläufig war. Mich interessierte, welches der Grund für diese Centenarfeier vom 23.8.1903 in Ober-Endingen war. Daraus ist diese kleine Geschichte entstanden.

Seit 1803 gehört Endingen zum Kanton Aargau; dies war also der Grund, weshalb die Centenarfeier 1903 durchgeführt wurde!

Einladung zum Jugendfest und Centenarfeier in Ober-Endingen.

1903 Volksblatt Inserat Jugendfest Ober-Endingen Rg Quitt. hinten

1. Kirchliche Feier. Beginn um 12.30 Uhr in der Synagoge.
a) Musikvortrag, Gesänge der Schulen und Vereine. b) Jugendfestrede.

2. Festplatzfeier. Beginn 2 Uhr. a) Centenarfestrede. b) Festspiel mit Einlage von Reigen und Gesängen. c) Musik- und Gesangsvorträge. Reigen und Tanz.

Das “Volksblatt” verrechnete für das oben gezeigte Inserat per Nachnahme Fr. 3.12. 30 Zeilen kosteten Fr. 3.00 und die Postgebühr 12 Rappen.

1903 Einrückung i Volksblatt Inserat Jugendfest Ober-Erendingen vorn
Beide Belege wurden durch Ernst Blumenstein eingescannt.

Interessant wäre jetzt noch zu wissen, ob die Kosten von Fr. 3.12 für dieses Inserat zu jener Zeit billig oder teuer waren? Da ich über keine Informationen bzgl. Kaufkraft und Verdienst in jener Zeit verfüge, bleibt diese Frage offen.

Geschichtliches

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Deshalb gehörte Endingen zum kurzlebigen Kanton Baden (1798-1803).  Der neue Kanton war in weiten Kreisen der Bevölkerung verhasst. 

Die Synagoge von Endingen.


Foto Wikimedia Commons. R. Zumbühl, picswiss.

Der “Zwetschgenkrieg”

Dieser Hass entlud sich am 21.9.1802 im so genannten “Zwetschgenkrieg” gegen die Juden, die als Anhänger des Kanton Baden die neue liberale Ordnung begrüssten.

Aus den Nachbardörfern fiel eine Horde von über 800 Leuten über die wehrlosen Juden her. Der Mob plünderte die beiden Dörfer Endingen und Lengnau, in denen damals rund 45 % der damaligen Bevölkerung Juden lebten.

Sie raubten deren Hab und Gut. Die christlichen Einwohner hingegen blieben weitgehend unbehelligt.

Obwohl die Juden häufig mit Christen unter einem Dach lebten, war es ihnen nicht gestattet, denselben Hauseingang zu benutzen. Deshalb erhielten diese Häuser zwei separate Eingänge für Christen und Juden.

Ein Hauseingang in Endingen aus dem 19. Jahrhundert mit zwei separaten Türen.

File:Endingen Doppeltuer.jpg
Foto Wikimedia Commons. Urh. Roland Zumbühl, Picswiss.

Aus historischen Gründen hat Endingen weder eine katholische noch eine reformierte Kirche. Die Katholiken und Reformierten gingen seit 1661 auswärts in den Gottesdienst.(Mehr zur Geschichte: http://de.wikipedia.org/wiki/Lengnau AG.

Der Jüdische Kulturweg Endingen-Lengnau

ist heute ein Kulturweg, der das kulturelle Erbe der beiden schweizerischen  «Judendörfer» Endingen und Lengnau zugänglich macht.

Da sich die Schweizer Juden bis zum Jahr 1866 nur in diesen beiden Surbtaler  Dörfern niederlassen durften, sind dort bis heute viele Bauten zu sehen, die ursprünglich den Juden als Wohnungen, Synagogen oder anderen Zwecken dienten.

Der Kulturweg führt durch die beiden Dörfer und den Jüdischen Friedhof, der zwischen den Orten an deren Gemeindegrenzen liegt.

Jüdischer Kulturweg mit Infotafeln.

File:Endingen Kulturweg Schild 01.JPG
Foto Wikimedia Commons. Urh. Lutz Fischer-Lamprecht.

Ich hoffe, dass mein Bericht, der auf Grund eines alten Beleges entstanden ist, einige von euch interessiert hat.

Ernst

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6 Antworten zu Freitag, 14. Juni 2013

  1. Brigitte schreibt:

    Coucouc Ernst
    Spannend dein Bericht! …. Und zufälligerweise kenne ich diese Gegend ein bisschen, was es noch interessanter macht. Lese gerade den Roman „Melnitz“ von Charles Lewinsky. Ein echt spannendes Buch, dass ich dir nur empfehlen kann!
    Wünsche dir ein schönes Wochenende und Schick dir herzliche Grüsse
    Brigitte

    • ernstblumenstein schreibt:

      Coucouc Brigitte,
      vielen Dank für deine Zeilen. Ich kenne das Gebiet auch, weil ich in Nussbaumen aufgewachsen bin. Unsere Felder, in denen wir den Mäusen nachstellten, erstreckten sich bis Freienwil, Lengnau. Im Schneisinger Wald musste ich mit dem Vater jeweils Heubeeri suchen gehen !!! Mir gefällt das Surbtal als Gegend sowieso. Herzliche Grüsse Ernst

  2. Simona schreibt:

    ◕◕◕◕HAPPY (̲̅W̲̅)(̲̅e̲̅)(̲̅e̲̅)(̲̅k̲̅)(̲̅e̲̅)(̲̅n̲̅)(̲̅d̲̅) ◕◕◕
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    • ernstblumenstein schreibt:

      Je te souhaite une belle weekend, beaucoup du soleil et beaucoup chaleur pour ta Coeur. Alors je t’embrasse :-)))
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      Ernest

  3. minibares schreibt:

    Die Karte vom Jahrhundertfest ist ja toll.
    Das ist ja eigenartig, dass Juden nur in 2 Orten leben durften.
    Der Überfall war aber drastisch, meine Güte.
    Schlimm, sowas.
    Zwei Eingänge, das ist ja wie die beiden Spülbecken, die die Juden in jeder Küche haben.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Ja Bärbel, das war unverständlich, wie unsere Vorfahren mit den Juden umgingen. Gut, es war eine ganz andere Zeit, trotzdem finde ich es beschämend. Die zwei Eingänge wurden von der Obrigkeit vorgeschrieben, hinter den Türen lebten Christen und Juden gut miteinander zusammen.
      Grüsse zu Dir und einen wunderschönen Sommersonntag… Ernst

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