Dienstag, 5. November 2013


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Kibbuz Neve Yam. (5)

Für neue Leser/innen dieser Israelserie : Im 2. Reisebericht schrieb ich über die erste Zeit im Kibbuz Matzuba, über erste Eindrücke von Israel und über Ausflüge in Galiläa.  

Pit und ich verliessen den Kibbutz Matzuba, in dem wir seit unserer Ankunft in Israel gearbeitet hatten. Wir wollten einen weiteren Kibbuz kennen lernen, den südlich von Haifa liegenden Kibbuz Neve Yam. Dieser liegt an der Karmelküste neben der kleinen Arabersiedlung Atlit direkt am Meer.

Unsere “Züglete” nach Neve Yam.

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Karte erstellt durch Ernst Blumenstein.

Neve Yam lebte 1964 von der Landwirtschaft, der Fischzucht und einer angegliederten kleinen Sardinenfabrik.

Die Landwirtschaft

Israel 64 Kibbutz Neve Yam IMG-0171

Die Fischzucht

befand sich in grossen Teichen unmittelbar hinter den Dünen. Hier wurden  Karpfen u.a. mit eigenen Landwirtschaftserzeugnissen gemästet.

Die Fischteiche 

z  Israel Neve Yam IMG-0172 - Kopie

In der Anlage arbeiteten die nordafrikanischen Einwanderer Didi Maarabi, Jossi Longassi und mein Kumpel Pit und ich. Didi und Jossi wohnten nebenan in Atlit. Wenn wir auf Reisen waren, halfen Kibbuzniks bei der Arbeit aus. 

Dieses altertümliche Gestell diente als Lift, mit dem benötigtes Material in den Teich heruntergelassen und installiert werden konnte. Die Geräte waren alle behelfsmässig konstruiert, die Pionierzeit von damals liess also grüssen.

z Israel Neve Yam IMG-0167

Dieses Gestell zeigt auch, dass in Israel zu unserer Zeit noch Aufbauarbeit ohne moderne Technik geleistet wurde.

Der Job gefiel uns sehr. Wir waren an der frischen Meeresluft, konnten baden und die Arbeit war nicht allzu schwer.

z Israel Neve Yam IMG-0129 - Kopie

Wir sortierten jeweils die gefangenen Karpfen auf ihre Grösse und Gewicht. Die Kleinen warfen wir wieder zurück in den Teich.

Die Fische verkaufte der Kibbuz für gute israelische Pfund (heute Schekel !) in Tel Aviv auf dem Wochenmarkt.

z Israel Neve Yam IMG-0130

Didi wanderte aus Marokko ein. Seine Arbeit gefiel ihm. Er hatte immer den gleich doofen Spruch auf Lager. Er bestand aus Ivrit, Jidisch und Deutsch: “Morgen schlafen, bisserl essen, fudi-fudi, schlafen, tov”.

Jossi kam aus Tunesien und konnte ein paar Brocken französisch. Sein einfaches Credo hiess immer: Il est bien, Israel.

z Israel Neve Yam IMG-0168

Neben der Landwirtschaft und der Fischzucht eröffnete Neve Yam eine Parahotellerie mit günstigen Übernachtungen inkl. Teil-oder Vollpension im Chadar Ochel (jidisches Wort für allg. Ess- und Aufenthaltsraum).

Die Übernachtungshütten

Neve Yam Touristen-Bungalows -0175 - Kopie

Die Hütten für diesen neuen Wirtschaftszweig waren einfach und ohne Komfort gefertigt. Bei schönem Wetter wurde das Essen den Gästen unter dieser Dachkonstruktion im Freien serviert.

Neve Yam Kibbutz Essraum draussen für Touristen 0177

Der Karmel Bergrücken (“Weingarten Gottes”) verläuft von Haifa etwa 25 km entlang der Mittelmeerküste hinter dem Kibbuz nach Süden. Das Massiv ist ca. 550 Meter hoch und weist auf Grund der vielen Niederschläge eine üppige Vegetation auf.

File:Caiobadner - mount carmel.JPG
Foto Wikimedia Commons, eig.Werk. Urh. Chadner, Michael.

Ansicht des Karmelberges mit den hinter dem Kibbuz liegenden Höhlen. 

Neve Yam Karmel Höhlen oberhalb Kibbutz über d strasse-0166

Wir kannten den Namen dieser Höhle, die wir hier besuchten, nicht. Pit steht im Rosakurzhemd in der Höhle.
Neve Yam oberhalb Strasse Karmelgrotten-0165
Insgesamt wurden vier prähistorische Fundorte in diesem Höhenzug in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Höhlen bargen Überreste altsteinzeitlicher Menschen.

Die Skhul-Höhle liegt im heutigen Naturschutzgebiet am Fusse des Karmelberges bei Atlit, etwa 20 km südlich von Haifa. 

Foto WM C, eig.Werk. Urh. R Yeshurun. Skhul_Cave
Foto Wikimedia Commons, eig.Werk. Urh. R. Yeshurun.

Auf dem Vorplatz der kleinen Karsthöhle wurden bedeutende Gräber des anatomisch modernen Menschen (Homo Sapiens) freigelegt.

In der Tabun-Höhle (Backofenhöhle) fanden Wissenschafter Knochen und Werkzeuge der Neandertaler.

Faustkeile aus der Altsteinzeit. 

Foto WMC, eig. Werk, Urh. Fae. Altsteinzeit. Faustkeile.Tabun
Foto Wikimedia Commons, eig.Werk. Urh. Fae.

In der Höhle el-Wad und dem Freilandfundplatz El-Wad fanden Wissenschaftler zehn zwischen 100’000 und 80’000 Jahre alte Skelette von fünf Männern, zwei Frauen und drei Kindern.

Caesarea Nationalpark

Wir besuchten diesen südlich von Neve Yam gelegenen Ort. Zu unserer Zeit war Caesarea noch ein brachliegendes Trümmerfeld aus der Antike.

Israel 64 Altertümer, 1 Ausgrabungen Caesarea
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Heute gehört Caesarea zu den bedeutendsten historischen Stätten Israels. Der Park ist eine beeindruckende Ausgrabungsanlage und wird sorgfältig gepflegt.

Dienstag, 22.7.14. In eigener Sache !

Der ©-Inhaber des hier gezeigten Bildes forderte mich freundlicherweise ultimativ auf, seine Bilder zu löschen. Diesem Wunsch komme ich hiermit gerne nach. E.B.

Die Blütezeit erlebte der Ort während der römischen Herrschaft. Zu Ehren der römischen Kaiser wurden einige Orte Caesarea genannt und zur Unterscheidung mit einem Zusatznamen, z.B. Maritima, versehen.

Die Anlage besitzt auch ein modernes Amphitheater, in dem Veranstaltungen stattfinden.

File:Caesarea maritima (DerHexer) 2011-08-02 304.jpg
© Foto eig. Werk. DerHexer, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0

Später diente Caesarea auch den Kreuzfahrern als Festung.

Neve Yam gefiel uns während unseres ganzen Aufenthaltes sehr gut. Auch die Arbeit im Kibbuz machte uns sehr viel Spass.

Wir konnten nach vorheriger Absprache auch längere Autostoppreisen nach  Nazareth, Bethlehem, den See Genezareth, Jerusalem, Tel Aviv, En Gedi am Toten Meer und in die Negev-Wüste unternehmen. 

Doch davon werde ich in späteren Reiseberichten erzählen.

© Bilder, wo nichts anderes vermerkt und Text von E.B.  

Der Spruch zum Tage

Gehst Du langsam durch dein Leben
wird man dich antreiben.

Rennst du
wird man dir ein Bein stellen.

Jidisches Sprichwort.

Ich hoffe, meine Erinnerungen haben euch gefallen.

Ernst

Nachtrag: Wie ich dem Internet entnehmen kann, steckt der Kibbutz Neve Yam heute in finanziellen Schwierigkeiten. Das tut mir leid und ich hoffe, dass er seine Probleme lösen und weiter bestehen kann.

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32 Antworten zu Dienstag, 5. November 2013

  1. Clanmother schreibt:

    I very much enjoyed your post! You were on an amazing adventure. Thank you for sharing your thoughts.

  2. manuzaubermaus schreibt:

    ein sehr intertessanter bericht……danke……ich freue mich auf den nächsten…..hab eine schöne woche…l.g.manuela

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hallo, guten Abend Manuela. Vielen Dank für deine Zeilen und deinen Besuch. Werde dich auch wieder mal besuchen, bis bald! Auch Dir wünsche ich eine angenehme Woche. Liebe Grüsse zu Dir sendet Ernst

  3. sarah rivka asher schreibt:

    Todah rabah (Dank herzlich),lieber Ernst
    shalom….
    sarah rivka

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hallo Sarah rivka, Du maile mir bitte, was im Bericht (3) nicht gut war, damit ich das zukünftig wenn nötig verbessern kann. Dein Besuch hier bei mir freut mich sehr. Ich wünsche dir eine angenehme und schöne Zeit. Shalom Ernst

  4. ute42 schreibt:

    Die Höhlen hätten mich besonders interessiert. Was für ein geschichtsträchtiges Land.
    Danke für deinen Bericht.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Guten Abend Ute, danke für deine Zeilen. Mich haben diese Höhlen auch fasziniert, darum habe ich so viel über sie im Internet recherchiert und darüber geschrieben.

      Bei unserem Aufenthalt 1964 waren wir leider noch zu jung, um uns für solch interessante Dinge zu interessieren. Das Abenteuer ging eindeutig vor. Heute geht es mir wie Dir. Wünsche eine schöne Woche. Ernst.

  5. syntaxia schreibt:

    Wieder interessant, lieber Ernst! Und ich schaue auf deine Karte und entdecke Kinneret. Dazu habe ich eine ganz besondere Erinnerung. Da gibt es eine wunderschöne Musik Shiri Li Kineret und den Tanz dazu, den ich gelegentlich für mich noch tanze. Hier ist er zu sehen, allerdings fehlt die gute Stimmung , weil es eine Turnhalle ist: http://www.youtube.com/watch?v=oa-w58la5tE
    Und hier nochmal die feine Musik: http://www.youtube.com/watch?v=P5mNnyBj9wA
    Ich hoffe, es gefällt dir, auch wenn du nicht tanzen magst.

    ..grüßt dich Monika herzlich

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Monika,
      Kinneret, ich musste nachschauen, wo das liegt. Es ist eine biblische Hafenstadt und der Standort wird bei Google mitten im Tiberiassee respektive im See Genezareth angezeigt. Die melodische Musik gefällt mir auch, umso mehr, als sie dezent im Hintergrund den Tanz unterstützt. Vielen Dank für deine Hinweise. Ich sende dir herzliche Grüsse nach Freiburg. Geniesse auch eine gute Zeit Monika. Ernst

  6. martaperegrina schreibt:

    Hola Ernst buenas noches.
    Muy buen relato de esos años pasados en tan particular lugar.
    Te deseo felices sueños y muy buena semana.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hola Marta guten Abend,
      hab vielen Dank für deinen Besuch, der mich gefreut hat. Ich hoffe, der Frühling ist bei Dir eingezogen und zeigt schon seine Farbenpracht. Ich wünsche Dir eine gute Woche, geniesse die Zeit. Herzliche Grüsse. Ernst

  7. buchstabenwiese schreibt:

    Sehr interessant, lieber Ernst.
    Deine Bilder gefallen mir wieder besonders gut.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend und liebe Grüße,
    Martina

  8. ernstblumenstein schreibt:

    Danke für den Besuch, Martina. Die meisten Bilder habe ich ab alten Dias eingescannt und deshalb ist die Qualität sosolala, vielfach auch etwas verunreinigt gewesen, aber der Inhalt der Bilder macht es aus, finde ich. Es gibt heutzutage sehr viele schöne Bilder, die aber wenig bis keine Botschaft oder Aussagekraft haben. Ich wünsche Dir eine angenehmes Wochenende. Herzliche Grüsse. Ernst

  9. Träumerle Kerstin schreibt:

    Nun habe ich wieder so viel gelernt bei Dir lieber Ernst. Solch Höhlen finde ich faszinierend. Was muss das für eine schwere Arbeit gewesen sein, noch dazu mit den primitiven Werkzeugen der damaligen Zeit.
    Der Karmelberg strahlt so rot in der Abendsonne, fast wie in Australien.
    Dein Leben scheint früher in jungen Jahren das reinste Abenteuer gewesen zu sein 🙂 So viel hast Du erlebt, so viele Länder bereist. Und nun dürfen wir uns an Deinen Erinnerungen erfreuen und Fotos schauen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Kerstin, ja ich sonne mich hier in den Erinnerungen meiner jungen Jahre, lach….
      Die Fotos sind halt qualitativ nicht gut, aber ich reiste ja nicht um zu fotografieren, sondern um zu reisen 🙂 Viele Fotos habe ich eben auch von alten Dias einscannen lassen. Aber der Inhalt der Fotos ist wichtiger als die „Schönheit“. Danke für deinen Kommentar, der mich immer wieder erfreut. Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche. Liebe Grüsse Ernst

      • vivilacht schreibt:

        leider hat es ja am Karmel vor nicht soo langer Zeit einen grossen Brand gegeben, aber langsam waechst auch dort wieder etwas nach.

      • ernstblumenstein schreibt:

        es war zu meiner Zeit hinter Neva Yam ein wunderbar grner Flecken Natur, ich glaube, am Karmel Hhenzug haben sich schon damals immer wieder Wolken gestaut, die fr Regen sorgten, der ja 1964 noch nicht sehr hufig war. Heute ist es ja fast berall grn und die Landschaft ist mit frher gar nicht mehr vergleichbar. Gress Ernst > Date: Wed, 20 Nov 2013 18:05:21 +0000 > To: ernstblumenstein@hotmail.com >

  10. minibares schreibt:

    Lieber Ernst, das ist wieder so ein lebendiger, sagenhaft interessanter Bericht.
    Ein Gedi, das waren wir auch, mit dem Wasserfall, wo David sich versteckt gehalten hat. und im Toten Meer, auch auf Massada, das war ja beeindruckend.
    Aber was du da alles erlebt hast, das ist schon was Besonderes. Mit Fischern arbeiten, Fische unterscheiden können.
    Du warst jung, da ging das alles noch.
    Begeisterte Grüße von der Bärbel

  11. Monika schreibt:

    Hallo, der Bericht war für mich sehr interessant und eine Reise in die Vergangenheit. Danke.

  12. vivilacht schreibt:

    ich habe auch deinen Bericht gern gelesen, ich habe, als ich das erste Mal in Israel war mit einer Jugendgruppe, in einem Kibbuz gearbeitet, wir haben neu gebaute Haeuser sauber gemacht.

    • ernstblumenstein schreibt:

      ich finde es toll, dass Du via Bärbel meine Kibbuz-Berichte gefunden hast. Du kennst ja Israel sehr gut, wie ich deinen Kommentaren entnehme. Ich hoffe, dass ich noch über einige weitere Reisen berichten kann, aber mein eigenes Fotomaterial wird dürftig respektive der Zustand der Dias, ab denen ich einscannte, ist schlecht. Und mein Erinnerungsvermögen ist gefordert!! Mal gucken, was noch möglich ist. Dir ein schönes Wochenende. Grüsse. Ernst

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