Donnerstag, 12. Dezember 2013


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Misteln. Mythen,

Glücksbringer, Heilpflanze.

Misteln gehören für mich zur Winterzeit. Ich kenne an einem abgelegenen Ort in der Nähe meines Dorfes alte Obstbäume, auf denen noch Misteln wachsen. Sie wachsen aber auch auf anderen Bäumen wie z.B. Pappeln, Birken oder Linden.

Ich mag diese Halbschmarotzer-Pflanzen sehr und werde sie an ihrem Standort demnächst wieder einmal besuchen! Leider sind Misteln in der Natur sehr selten geworden, weil es immer weniger alte Hochstamm-Obstbäume gibt. 

Die Weisse Mistel.

File:MistletoeInSilverBirch-RZ.jpg
Foto © Andrew Dunn, http://andrewdunnphoto.com.

Den Germanen und Kelten galt sie als zauberkräftig und war neben dem Eisenkraut die wichtigste Zauberpflanze. Sie war auch die geheimnisvolle Pflanze der Druiden. Aus ihr bereiteten sie ihre Zaubertränke, die Kraft, Mut und Unbesiegbarkeit verliehen, Krankheiten heilten, Mensch u. Vieh fruchtbar machten.

z gebr. Wikimedia Commons. Urh. jeffdelonge. France
Foto Wikimedia Commons, Urh. jeffdelonge.france.

Die alten Griechen betrachteten sie als ein Mittel gegen Gift. Andere Völker glaubten an Schutz vor Feuer und Krankheiten.

Von Misteln befallene alte Obstbäume.

Bäume Natur R. Linder Wettingen
Foto Richard Linder, Wettingen.

Mythen

Misteln wurden im Volksmund auch Donnerbesen, Druidenfuß, Hexenkraut, Wintergrün, Bocksbutter, Albranken, Vogelkraut oder Kreuzholz genannt. Mythen wie

– “Ein Baum, auf dem Misteln wachsen, wird nie vom Blitz getroffen”.
– “Wo ein dämonisches Wesen, also eine Hexe (Mar), auf einem Baum
rastet, wird eine Mistel wachsen”.
– “Hexen flogen ja früher auf einem Mistelbesen durch die Lüfte”.
– “Misteln zeigen einen Schatz im Boden an”.
– “Die immergrüne Pflanze gilt als Symbolpflanze der
Wintersonnenwende.

waren weit verbreitet – heute sind solche Überlieferungen in Vergessenheit geraten.

Obstbaum in Oberlimberg, Deutschland.

Obstbaum in Oberlimberg.de WMC, eig.Werk, Urh. LoKiLeCh
Foto Wikimedia Commons, eig.Werk, Urh. LoKiLeCh.

Glücksbringer

– Mistelzweige über der Haustüre bringen Glück ins Haus, wenn
man seine(n) Liebste(n) darunter küsst. *
– In Norddeutschland wird die Mistel in den Dachfirst geschoben oder
befestigt, um Haus, Mensch und Vieh vor Gewitter, Feuer und
Krankheit zu
schützen.
– Mistelzweige, die zu Weihnachten über der Tür hängen, schützen
vor bösen Geistern.
– Mit Fruchtbarkeitsglauben hat wohl auch der englische Brauch zu
tun, sich zur Weihnachtszeit Misteln als Glücksbringer über die
Tür zu hängen.

* Vielen Dank an Claire Amman für die Präzisierung.

Mistelobstbaum Himmelgeist bei Düsseldorf.

Himmelgeist-Düsseldorf, eig.Werk, Urh. Frank Vincentz, GFDL
Foto Wikimedia Commons, eig.Werk, Urh. Frank Vincentz. GFDL.

Besonders jetzt im Dezember fallen uns die kugeligen Büsche der Pflanze mit ihren gelbgrünen Stängeln und den spatelförmigen Blättern, die sich gabelig verzweigen, in den kahlen Bäumen auf.

Weissbeerige Mistel, Botanischer Garten Karlsruhe.

WMC, eig.Werk, Urh. H. Zell. Weissbeerige Mistel Bot. Garten, Karlsruhe
Foto Wikimedia Commons, eig.Werk, Urh. H. Zell.
Den Vögeln verdankt sie auch ihre Verbreitung.
Im Dezember reifen die fleischigen Früchte, die u.a. von Amseln,  Seidenschwänzen und  Drosseln gern gefressen werden. Die Samen der Beeren sind unverdaulich und werden von den Vögeln wieder ausgeschieden.

Die Misteldrossel.

WMC, Urh. Gerard Blockhuis.Netherlands.
Wikimedia Commons, Urh. Gerard Blockhuis.Netherlands.

Wenn der Vogeldreck mit dem Samen auf einen geeigneten Ast fällt, zapft der Keimling mit den Wurzeln die Saftbahnen des Wirtes an und beginnt zu wachsen. Mistel können über 30 Jahre alt werden.

2-jährige Mistelpflanze an einem Apfelbaum mit der gewöhnlichen Gelbflechte.

WPC Mistel an Apfelbaum u. gelbe Flechte eig.Werk. Urh. Sabine Lamers
Foto Wikimedia Commons. Eig.Werk, Urh. Sabine Lamers.

Ab dem vierten Altersjahr bilden Misteln jedes Jahr einen Gabelspross, so dass das Alter der Pflanzen einfach zu bestimmen ist. Ab dem fünften Jahr beginnen die Misteln gelbgrün zu blühen.

4-jährige Mistelpflanze.

Mistel,4jährig. bund.lemgo.de. Lebensraum.Streuobstwiese
Foto Dieter Meister, Wedel.bund.lemgo.Lebensraum.Streuobstwiese.

Bereits die Römer stellten mit dem klebrigen Saft der Mistelbeere Vogelleim her, um damit Vögel zu fangen. Auch noch im Mittelalter verdankte die Mistel den Vögeln ihren “Verbreitungsdienst” sehr schlecht, weil der Vogelfang mit Leimruten immer noch weit verbreitet war, um damit die Zwitscherlinge zu fangen.

File:Mistletoe P1210829.jpg
Foto Wikimedia Commons, Urh. David Monniaux.

Heilpflanze

Seit dem Mittelalter galt die Mistel als ein Mittel gegen Epilepsie und Schwindelanfälle.

In letzter Zeit vertraut auch die moderne Medizin verstärkt auf die Mistel. Sie ist ein gutes  pflanzliches Herz- und Kreislaufmittel, senkt den Blutdruck und regt  das Immunsystem so an, dass es die Widerstandskraft gegen Krankheiten stärkt und sogar zur Unterstützung von Krebstherapien eingesetzt werden kann.

Wikimedia Commons, eig.Werk. Urh. H. Zell.Viscum.album

Wikimedia Commons, eig.Werk. Urh. H. Zell.

Misteln sind für mich der Inbegriff für die Weihnachtszeit. Weil ich diese mystische Pflanze mag, werde ich morgen Mistelzweige auf einem Markt kaufen, um damit meine Haustüre zu schmücken.

Bald ist Weihnachten.

Ernst

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20 Antworten zu Donnerstag, 12. Dezember 2013

  1. claire schreibt:

    Hallo lieber Ernst. Mit Interesse habe ich deinen Blog über die Mistel gelesen. Ich bewundere immer wieder diese vielseitige mystische Schmarotzerpflanze. Wenn man auf der Autobahn durch das Rheintal fährt kann man jetzt links und rechts diese hohen Bäume mit riesen grossen Mistel-Kugeln sehen. Gerade zur Weihnachtszeit kann man so schöne Dekos bestaunen. Ich finde den Brauch, einen Mistelzweig über der Haustüre zu hängen, eine wunderbare Idee von dir, aber Ernst, vergiss nicht deine Liebste darunter zu Küssen und so weiterhin das Glück ins Haus zu holen. Ich wünsche dir eine gesegnete Weihnacht. Lieber Gruss Claire

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Claire, ich danke dir für deine Gedanken zur Mistel. Ich bin einmal in meinem Leben durch’s Rheintal gefahren und habe diese Mistelbäume auch gesehen. Herrlich. Frankreich weist bedingt durch seine Grösse noch viel mehr Natur auf und deshalb sind die Misteln dort noch sehr zahlreich.
      Deine Ergänzung habe ich bereits im Blog platziert und dich sogar verewigt 😉 lach…
      Auch ich wünsche dir eine frohe Weihnacht.
      Ein lieber Gruss. Ernst

  2. martaperegrina schreibt:

    Hola Ernst buenos días.
    Interesante relato sobre el muérdago.
    En mi país se lo relaciona con la Navidad.
    Que tengas una linda jornada.

  3. ladyfromhamburg schreibt:

    Lieber Ernst,
    mich haben die Misteln im Dezember vor zwei Jahren in Rheinstetten bei Karlsruhe völlig überrascht. Aus größerer Entfernung dachte ich beim allerersten Baum: Hui, der hat aber viele Vogelnester!
    Erst etwas später fiel mir auf, dass es nicht halbrunde, sondern runde Gebilde und somit Misteln sind. Dort wachsen sie nicht nur in Obstbäumen, sondern auch in zahlreichen Silberweiden und als ich Richtung Osten (neue Bundesländer) mit der Bahn unterwegs war, entdeckte ich welche auf Kiefern. Sie scheinen sich inzwischen auch mit anderen Wirten angefreundet zu haben.

    Es war wieder sehr interessant, so viel Information zur MIstel bei dir zu finden!

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Michèle,
      es ist interessant, wie Du schreibst gibt es so Gegenden, wo sie dominant wachsen, wir haben auch so eine im Rheintal Richtung Chur. Es gibt die Misteln auch auf anderen Laubbäumen und seltener sogar auf Nadelhölzern. Ich habe dies im Beitrag vergessen zu schreiben, habe noch eine Korrektur gemacht.
      Ich wünsche dir, wenn wir uns nicht mehr lesen, ein frohes Weihnachtsfest.
      Liebe Grüsse Ernst

  4. Vallartina schreibt:

    Was für ein interessanter, ausführlicher Bericht, Ernst. Vielen Dank – bin schon unterwegs um zu sehen, ob ich hier auch einen Mistelzweig bekomme

    • ernstblumenstein schreibt:

      Es ist interessant, die Misteln sind auf der halben Welt zuhause, die Tante Google wird dir sicher eine Antwort geben, ob es sie in Mexiko gibt. Ich wünsche dir frohe Weihnachten. Liebe Grüsse Ernst

  5. Anna-Lena schreibt:

    Ich sage es immer wieder: Bloggen bildet. Das war sehr interessant und lehrreich, lieber Ernst, danke dafür 🙂 .

    Herzlich,
    Anna-Lena

  6. ernstblumenstein schreibt:

    des is weil i di mog… 😆
    ♥.

  7. syntaxia schreibt:

    Dass man so das Alter erkennt wusste ich nicht. Dann sind die Misteln, die mir in Erinnerung sind alle sehr sehr alt. Das war im Weserbergland, in Ostwestfalen. Dort gibt es viele Misteln, nicht nur an den Obstbäumen.
    In der Adventzeit werden sie in den Blumenläden oder im Supermarkt angeboten, eben genau zu den Zwecken, die du auch beschreibst, lieber Ernst. In dem Dorf, in dem ich lebte, ging die Jugendfeuerwehr manchmal von Haus zu Haus und verkaufte Mistelbündel.

    Eine gute Zeit!
    ..wünscht dir Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Ich wusste das auch nicht und war darüber auch sehr erstaunt – ich lerne durch meine Beiträge wahrscheinlich mehr dazu als meine Leser 😀 .
      Bei uns ist die Landschaft mit Reif überzuckert, aber es sieht so aus, als ob die regierende Hochnebelsuppe das zu Ende gehende Jahr begleiten will.
      Auch dir eine gute Zeit und einen lieben Gruss nach Freiburg Ernst

  8. Kerstin schreibt:

    Sehr schöne Bilder und gute Erklärung ja man lernt immer wieder dazu 😉 L.G.Kerstin

  9. Silberdistel schreibt:

    Ein schöner und interessanter Beitrag, lieber Ernst. Ich komme erst jetzt dazu, ihn anzuschauen. Am letzten Wochenende habe ich die Misteln auch wieder in großen Mengen gesehen, als wir unterwegs zur Geburtstagsfeier meiner Schwiegermutter waren. Da staune ich immer wieder, wie voll so mancher Baum sitzt. Jetzt in der blätterlosen Zeit der Bäume sind die Misteln natürlich ganz besonders gut zu sehen. Schöne Nahaufnahmen sind unter den Bildern in Deinem Beitrag.
    Liebe Grüße von der Silberdistel

  10. ernstblumenstein schreibt:

    Danke für deine Zeilen. Ja Misteln sind für mich seit meiner Kindheit der Inbegriff von Weihnachtszeit und Jahresende. Ich mag sie. Liebe Grüsse in den Norden. Ernst

  11. Träumerle Kerstin schreibt:

    Unsere Nachbarn haben auch einen Mistelzweig über der Tür hängen. Und auf Weihnachtsmärkten habe ich Mistelzweige zum Kauf gesehen. Selbst hatte ich noch nie einen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  12. ernstblumenstein schreibt:

    Sie sind mir irgendwie seit meiner Kindheit ein Begriff, irgendwie hatten wir in der Nähe Wirtsbäume, auf denen die Misteln gedeihen konnten. Danke für deinen Besuch, Kerstin.

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