Mittwoch, 29. Jänner 2014


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Die 60er Jahre…

beinhalteten die Zeit der Auf- und Umbrüche, die sich auch durch Studenten- und Jugendunruhen äusserten. Das seit dem 2. Weltkrieg anhaltend starke Wirtschaftswachstum geriet erstmals ins Stocken. Dabei gab es wie immer erste Gewinner und auch Verlierer.

Ereignisse wie die kubanische Revolution, die  Tet-Offensive im Vietnamkrieg oder der Prager Frühling inspirierten die Politiker und die damaligen Menschen zu neuen Denkweisen. 

In diesem Umfeld ist dieses Gedicht anzusiedeln. 

kalte Füsse am Ofen

Die Runde vergnügt sich
gepflegte Gesichter
im Licht, weisse Hemden
machen in Fröhlichkeit.

Die verbrauchten Gesichter
der Arbeiter gleichen sich
sie starren ins Nichts
der Eintönigkeit.

Dazwischen Schatten
um das Licht zu deuten
doch zurück bleiben
kalte Füsse am Ofen.

E.B. 1968

Die Maschinenskulpturen von Jean Tinguely beginnen eine kunterbunte, laute Unterhaltung mit ihrem Gegenüber: Jean Tinguely kommuniziert und interagiert durch seine Werke mit dem Betrachter.

Bild 1 Dominique Spirgi images_cms-image-000684797
Foto Tinguely Museum Basel, 1985.

Kunst passiert, wenn die Maschine läuft. Tinguelys Werke sprühen vor Esprit, Lebenslust, Ironie und Poesie. Auf einer hintergründigeren Ebene klingt aber auch ein Sinn für Tragikomik sowie Hinter- und Abgründiges an. 

Diese Skulpturen von Jeannot Tinguely (1925-1991) passen wunderbar zur damaligen Umbruchzeit.

Fatamorgana Méta-Harmonie IV, 1985

Artinside.ch.blog, tinguely-01
http://artinside.ch/blog

1925 – 1947

1925:          Geboren am 22. Mai in Fribourg. Mutter und Kind
                   kommen im Juli 1925 von Bulle nach Basel.
1931–1940: Besuch der Schulen in Basel.
1941–1944: Lehre als Dekorateur.
1944:          Besuch von Kursen an der Allgemeinen Gewerbeschule
                   Basel.
Ab 1947:     Bewegt er sich im Kreis um den Basler Anarchisten
                   Heiner Koechlin.

Der Spruch zum Tage

Es bewegt sich alles.
Stillstand gibt es nicht . .
Lasst es sein,
Kathedralen und Pyramiden zu bauen,
die zerbröckeln wie Zuckerwerk.
Atmet tief, lebt im Jetzt,
lebt auf und in der Zeit . . . .

Jean Tinguely.  

Ernst.

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14 Antworten zu Mittwoch, 29. Jänner 2014

  1. Anna-Lena schreibt:

    Ein Beitrag mit Tiefgang, wie wir es von dir kennen, lieber Ernst.
    Ich kann mich an die 60er jahre gut erinnern. 1968 mussten wir von NRW ins ferne Berlin ziehen, da hörte man nicht immer das Allerbeste. Eine turbulente Zeit, doch wir haben sie überlebt und obendrein ist noch was aus uns geworden.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Anna-Lena, es war damals eine enorme Aufbruchzeit und wir profitierten vom Aufschwung und der guten Wirtschaftslage sehr. Trotzdem gab es bereits auch schon Verlierer, die auf der Strecke blieben.
      Mich interessiert, warum Du von NRW nach Berlin ziehen musste. War das wegen dem Beruf deines Vaters? Weisst Du, ich kann den Zusammenhang nicht einordnen.
      Liebe Grüsse. Ernst

      • Anna-Lena schreibt:

        Mein Vater wurde beruflich nach Berlin versetzt und die Familie musste mit. Ich in der Pubertät und das 1968, den Rest kannst du dir ja denken…

        Liebe Grüße,
        die wilde Anna-Lena

      • ernstblumenstein schreibt:

        Ok verstehe, jetzt verstehe ich, vielen Dank!
        äh, geht mich ja nix an, Du warst so wild?, ich werd dich das nächste Mal wenn ich dich sehe bestimmt fragen 😉 :-D, dir eine gute Nacht.

  2. syntaxia schreibt:

    !968 , da gab es mich erst 4 Jahre, somit habe ich natürlich nicht den Bezug dazu.
    Interessant finde ich den Künstler und seine Werke. Du machst neugierig, Ernst!
    „Atmet tief, lebt im Jetzt, lebt auf und in der Zeit“ das ist eine starke Aussage. Sich auf das Wichtige konzentrieren. Doch ist es in unserer Konsum geprägten Gesellschaft nicht leicht und ich befürchte, es wird immer schwerer werden.

    Mit lieben Gruß
    Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Monika, somit bist Du 22 Jahre jünger als ich es heute geworden bin. Ich profitierte ja als junger Mann vom wirtschaftlichen Aufschwung enorm, stell dir vor, mein Vater ging als sehr qualifizierter Facharbeiter 1967 nach 50 Jahren BBC und dem Arbeits-Jubiläum in Pension und verdiente zuletzt Fr. 1’700.00 im Monat. Ich war mit meiner Lehre 1962 fertig und verdiente im 1. Jahr bereits Fr. 800.00.
      Tinguely war ein Bonvivant und seine verrückte Kunst stand als Symbol für jene Zeit, für den Aufbruch. Auch sein Zitat war typisch für seine Lebenseinstellung.
      Trotzdem stand ich schon damals dem sich anbahnenden Konsumverhalten sehr skeptisch gegenüber und ich wollte mit dem Gedicht irgendwie dagegen protestieren.
      Liebe Grüsse nach Freiburg. Ernst

  3. Beate Neufeld schreibt:

    Lieber Ernst,
    ich dachte beim Lesen, dass Dein Gedicht und auch das letzte ebenfalls genau in unsere Zeit passen.
    1968 war ich 6 Jahre alt und habe von dem Zeit-Geschehen nichts mitbekommen. Nichts, das stimmt so sicher auch nicht, denn wir sind ja doch immer alles miteinander verbunden und wir fühlen ja die Stimmungen in uns.
    Sei herzlich gegrüßt von:
    Beate

    • ernstblumenstein schreibt:

      Tja, Du führst da interessante Gedanken auf mein Gedicht von 1968 auf. Trotz finanziellem und materiellen Fortschritt und Wohlstand war es ein Protest gegen das Etablishment. Ich habe eigentlich meine Haltung bis heute nicht geändert.
      Liebe Grüsse. Ernst

  4. minibares schreibt:

    Kalte Füße, das erinnert mich an ein Gedicht, dass ich mal lernen musste.
    Die Füße im Feuer….
    Dein Gedicht ist aktuell, das ist erstaunlich.
    Obwohl schon vor so langer Zeit geschrieben.
    1968, ich habe nicht allzu viel davon mitbekommen, von den Unruhen. Wenigstens kann ich mich nicht wirklich dran erinnern. Obwohl ich ja inzwischen bestens weiß, was passierte.
    wir hatten noch kein Fernsehen.
    Zeitung habe ich in der Zeit auch nicht gerade intensiv gelesen.
    War in der Lehre aber 1966.
    Liebe Grüße
    Bärbel

    • ernstblumenstein schreibt:

      vielen herzlichen Dank, liebe Bärbel für deine Zeilen. Ja, manchmal werden gewisse Dinge wieder aktuell oder sie wiederholen sich wie die Mode auch. Die Gesellschaft hat sich nicht zum Besseren entwickelt, sodass mein Gedicht aus der Mode gefallen wäre. Lach… , ich wünsche dir einen angenehmen Sonntag. Liebe Grüsse Ernst

      • minibares schreibt:

        Ich danke dir, lieber Ernst.
        Ganz genau, die Mode wiederholt sich auch immer wieder, grins.
        Aber auch solche Sätze von Aristoteles oder jemandem aus der Zeit passen auch noch immer, leider, leider.
        Heute Regen und Wind bei 6 Grad+, morgen wird wohl wieder die Sonne scheinen,
        Ganz liebe Grüße zu dir in die Schweiz ♥
        Bärbel

  5. ernstblumenstein schreibt:

    Vielen Dank, wir hatten heute nachmittag schönes Wetter bei ca. 6 Grad, jetzt ist es stark bewölkt und der Wetterfrosch will in der Nacht Schneefall, schaun mer mal, was da noch alles auf uns zukommt. Lass es dir gut gehen. 😀 🙂

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