8. Februar 2014


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Die Geschichte der

Bernhardiner Hunde.

Der grosse St. Bernhardpass

Der Grosse St. Bernhard Pass ist der dritthöchste Pass in der Schweiz. Er verbindet Martigny im Wallis mit dem italienischen Aostatal und der Region Piemont.

WMC picswiss.ch  Urh. R. Zumbühl, Arlesheim.Grand_St-Bernard
Wikimedia Commons, picswiss.ch, Urh. R. Zumbühl, Arlesheim.

Auf der Passhöhe des Grossen St. Bernhard haben Augustiner Chorherren im 11. Jahrhundert als Zufluchtsort für Reisende und Pilger ein Hospiz gegründet. Dort wurden seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zur Bewachung die ersten Bernhardiner gehalten.

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Foto  links  : Wikimedia Commons, eig.Werk, Urh. Hans Hillewaert.
Foto rechts : Wikimedia Commons, eig.Werk, Urh. Eliottnes.

Der Grosse St. Bernhardpass ist die wichtigste Verbindung zwischen der Westschweiz und Italien. Zwei ganz unterschiedliche Helden haben den Alpenübergang bekannt gemacht; der Feldherr Napoleon Bonaparte und der Bernardiner Lawinensuchhund Barry.

Napoleon und Barry.

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Foto  links  : www.google.ch napoleon bonaparte.
Foto rechts : archive2.rz.online.chimages.

Napoleon zog im Mai 1800 mit einem 40’000 Mann starken Heer in südlicher Richtung über den noch verschneiten Pass, um bei Marengo (nahe Alessandria) gegen die österreichischen Truppen anzutreten.

Schon früh waren die Bernardiner in Europa bekannt, was unter anderem dieses
Ölgemälde von Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha (1818-1893) zeigt.
Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha 1818 1893 2Bernh.Hunde i Schnee,Oel a Leinwand 1836
Wikimedia Commons, Bildarchiv Marburg. Urh. M265, signiert Ernst 1836.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts holten sich die Augustiner Chorherren bei Bauern aus der Umgebung Hofhunde. Sie hielten sie als Wachhunde und begannen, die Hunde als Lastenträger und Suchhunde zu züchten, um verirrte Berggänger bergen zu können.

Mein Name ist Kosima.

Bernhardiner 4 Frau Ebener FB_kosima
Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.

Die Tiere wurden unter diesen Bedingungen nur 6 bis 8 Jahre alt. Später bildeten die Chorherren die Hunde auch als Lawinensuchhunde aus. Als solche wurden sie bekannt und entsprechend vermarktet.
St.Bernardiner Hunde, Malerei vor 1913, Urh.  John.Emms. Maler. Foto J.Emms, gemeinfrei
Gemälde Oel auf Leinwand, Entstehung vor 1913. Urh. Maler John Emms. Gemeinfrei.

Die Legende des legendären Barry I.

Barry (1800-1814) war der bekannteste Lawinensuchhund. Der Legende nach rettete er über 40 Menschen das Leben. Seine Geschichte hat viel zum Bekanntheitsgrad der Hunde beigetragen. Sein Präparat ist im Naturhistorischen Museum in Bern ausgestellt.

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Foto Archive2.rz.online.

Barry wird immer noch mit diesem legendären Schnapsfass vermarktet. Dieser Gag wurde ihm im 19. Jahrhundert angedichtet und so kennt ihn heute noch die ganze Welt.

Vielleicht trugen die Suchhunde damals eine beidseitige Rückentasche, in der Getränke und Verpflegung für die Geretteten mitgeführt wurden.

Bernhardiner am 1. hochalpinen Treffen in Grindelwald.
Bernhardiner am 1. Hochalpinen Treffen in Grindelwald, Foto Keystone
Foto Keystone.

Heute ist der Bernhardiner Hund für diese Aufgabe nicht mehr geeignet; er ist zu schwer und zu massig. Andere Rassen eignen sich als Lawinensuchhunde weitaus besser und zudem bietet die moderne Technik eh bessere Lösungen an.

z Ein Bernardiner vor dem Museum in Martigny in der Schweiz. eig.Werk Urh.Givibidou
Foto Fondation Barry, eig.Werk. Urh. Givibidou.

Die verbliebenen vier Chorherren vom Maison Hospitalière du Grand-St-Bernard konnten die Arbeit mit der Hundezucht nicht mehr bewältigen und verhandelten ab 2004 über einen Verkauf der Zucht. 

Fondation Barry

Als 2005 die neu gegründete Fondation Barry in Martigny die 300 Jahre alte Zuchtstätte vom Geistlichen Orden übernahm, zeigte sich deren Leiter Benoît Vouilloz über den Verkauf erleichtert und froh. 

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Foto zur Verfügujng gestellt von Fondation Barry.

Den ganzen Sommer über können Zuchttiere auf dem Grossen Sankt Bernhard besichtigt werden.

Die Mutter Reyka mit ihren Welpen.

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Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.

Die Fondation ist die älteste und bedeutendste Bernardiner Zuchtstätte. Ein Tierarzt, eine Rassespezialistin und 8 Pfleger sorgen für das Wohlbefinden der Hunde und garantieren eine professionelle Ausbildung.

Die Tiere werden täglich auf mehreren Spaziergängen beschäftigt und erlernen als geistige Beschäftigung z.B. Tricks.

Die Welpen Hesta und Hoxane.

Bernhardiner 5 Frau Ebener hesta_hoxane1
Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.

Die Barry Stiftung ist Mitglied beim Schweizer St.-Bernhards-Club und wird als gemeinnützig anerkannt. Die Zucht umfasst im Moment etwa 30-35 Tiere, die meisten davon sind kurzhaarig.

Hoxane, einer meiner Lieblingswelpen.

Bernhardiner 6 Frau Ebener hoxane
Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.
Pro Jahr werden ca. 20 Welpen mit Stammbaum geboren. So wird der Fortbestand dieser Hunde mit ethischen Erkenntnissen weitergeführt.

Reyka mit einem Welpen.

Bernhardiner 9 Frau Ebener reyka_1chiot
Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.

Die Bernardiner Hunde auf dem Hospiz werden jedes Jahr von fast 25’000 Touristen besucht.

Clivia.

Berhardiner 2 Frau Ebener FB_clivia (3)
Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.

 

Therapie mit Bernhardiner-Unterstützung

Seit 1 ½ Jahren setzt die Fondation Barry auf tiergestützte Therapie und organisiert für verhaltensauffällige Jugendliche und Menschen mit einer Behinderung mehrtägige Lager.

Barry ist mit seiner gutmütigen und geduldigen Art wie geschaffen für diese Aufgabe. Als Unterstützer von therapeutischen Massnahmen führt er die lange Helfer-Tradition der Hospizhunde fort.

Foto lindaphoto.ch Therapiefb-1026
© Foto lindaphoto.ch

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an Anja Ebener, Kommunikationsverantwortliche der Fondation Barry. 

Telefon +41 (0)33 221 48 62 Fax +41 (0)33 550 01 39. E-Mail aebener@fondation-barry.ch

Wanderungen

Die Stiftung bietet in den Wintermonaten Januar/Februar geführte Wanderungen von 1½ Std. an. Infos und Reservation :
Tourismusbüro Champex-Lac. Tel. 027 775 23 83. E-Mail
champexlac@saint-bernard.ch.

Foto Iris Kürschner, powerpress-62285
© Foto Iris Kürschner, powerpress.

Auch im März/April werden jeweils geführte Wanderungen von 1½ Std. angeboten. Infos und Reservation :
Fondation Barry (Telefon +41 (0)27 722 65 42 oder  e-Mail info@fondation-barry.ch).

Ebenfalls können sie sich auch für begleitete Sommer-Wanderungen informieren! 

Wanderung mit Bernhardinern, Grosser Sankt Bernhard Pass, Grenze Wallis / Aosta, Schweiz / Italien
© Foto Iris Kürschner, powerpress.

Das Hundemuseum in Martigny

Das Hundemuseum in Martigny zeigt in einer lebendigen interaktiven Ausstellung viele Kunstgegenstände und Objekte, die die Geschichte dieses Passes und des Hospizes geprägt haben. Dazu gehören als Kulturgut die legendären Bernhardiner Hunde.

Ist er nicht süss, der Kleine. Er verabschiedet sich von euch… 

Bernhardiner 1 Frau Ebener für Reportage
Foto zur Verfügung gestellt durch Fondation Barry.

Einen herzlichen Dank geht an Frau Anja Ebener, die mir als Kommunikations-Verantwortliche der Stiftung Fondation Barry du Grand-St-Bernard ermöglichte, diesen Beitrag zu machen. 

Das Zitat zum Tage

Bernhardiner ist das letzte,
was ich sein möchte.

Dauernd die Flasche am Hals,
und niemals trinken dürfen!

J. Ringelnatz, deutscher Schriftsteller, Kabarettist, Maler. 

Ernst.
Für interessierte Leser :
Bezeichnung : St. Bernhardshund oder Bernhardiner. Ursprung : Schweiz. Die Rasse ist wenig verbreitet. Aussehen : Risthöhe Rüde mindestens 70 cm. Hündin mindestens 65 cm.
Gewicht: Rüde 75-85 kg, Hündin 50-70 kg. Schweizer Nationalhund.

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21 Antworten zu 8. Februar 2014

  1. ute42 schreibt:

    Die Welpen sind ja so was von niedlich, einfach zum Knuddeln.

  2. minibares schreibt:

    Lieber Ernst, einstmals haben diese Bernhardiner eine gute Arbeit geleistet, nun gehen wie mit Wanderern spazieren, oder kümmern sich um Kranke und Behinderte, was auch lobenswert ist.
    Hoxane ist einfach zum Knuddeln, das ist wahr.
    Danke für diesen wundervollen Bericht und danke, dass du diese zauberhaften Bilder zeigen darfst.
    Dir einen guten Sonntag
    Bärbel

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke für deinen Kommentar liebe Bärbel. Ich wünsche dir auch einen schönen Sonntag. Der Frühling naht. Wir haben vorgestern die ersten Stare gesehen, die aus Afrika zurück gekehrt sind. Lass es dir gut gehen. Liebe Grüsse. Ernst

  3. syntaxia schreibt:

    Total interessant, Ernst!!
    Tiergestütze Therapie finde ich auch sehr effektiv, nicht nur für Kinder! Diese Hunde sind sehr schöne Tiere. ich mag nicht, wenn Tierre so „verzüchtet“ werden, dass nichts mehr an ihren Ursprung erinnert. Meist sind sie dann anfälliger und sterben auch früher.

    Hab einen feinen Sonntag!
    ..grüßt dich Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Tja, liebe Monika, da habe ich unbewusst von einem Sachgebiet etwas geschrieben, in dem Du in deinem Beruf mit deiner professionellen Ausbildung unterwegs bist. Ich verstehe nix davon, kann mir aber vorstellen, was für Ziele mit dieser Therapie erreicht werden sollen. Ich glaube, früher wurde diese Rasse falsch gezüchtet, weil die Hunde u.a. vielfach Hüftprobleme aufwiesen.
      Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche und sende dir einen lieben Gruss. Ernst

  4. Waldameise schreibt:

    Lieber Ernst,

    unglaublich, was du dir wieder für eine Mühe gegeben hast. So ein ausführlicher, interessanter und schöner Eintrag. Respekt für diese Arbeit und danke dafür.
    Natürlich weckt er auch viele Erinnerungen in mir, da ich diesen Pass ein paar mal mit meinem Mann auf dem Motorrad gefahren bin. Das waren seltene und deshalb auch sehr kostbare Augenlicke. Ich kann mich noch gut an die Souvenierläden am Pass erinnern. Voller Plüsch-Bernhardiner in jeder Größe. Und die Gegend ist so wunderschön dort. Wie gern würde ich die Zeit noch einmal zurück drehen …

    Das Zitat ist lustig und so typisch für Ringelnatz.

    Danke auch für deine freundlichen Worte in meinem Blog, lieber Ernst.
    Ich wünsche dir weiterhin soviel Freude am Gestalten und Füllen deines Blogs.
    Liebe Grüße von der Waldameise

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Andrea,
      es freut mich sehr, dass ich dir mit diesem Beitrag schöne Erinnerungen an frühere Passfahrten zusammen mit deinem verstorbenen Mann wecken konnte. Ich wünsche dir eine angenehme und gute Zeit. Stell dir vor, letzte Woche habe ich die ersten Stare im Prachtskleid gesehen. Ein untrügliches Zeichen für den nahenden Frühling.
      Liebe Grüsse. Ernst

  5. Anna-Lena schreibt:

    Wieder so ein interessanter Bericht, lieber Ernst, dafür DANKE.
    Ich fand diese Rasse immer schon sehr interessant, aber so einen großen Hund möchte ich nicht im Haus haben. Bei so einem Welpen allerdings könnte ich schwach werden 🙂 , einfach knuffig.
    Einen lieben Gruß
    Anna-Lena

  6. Träumerle Kerstin schreibt:

    Bei diesem Beitrag hast Du offenbar viel recherchiert lieber Ernst. Fakten, Zahlen, Geschichten. Bernhardiner sind so gemütliche Hunde, man fasst sofort Vertrauen, auch wenn man ihnen als Fremder zum ersten Mal gegenüber steht.
    Als wir mal in Bayern im Urlaub waren, die Kinder waren noch klein, hatte eine Nachbarin einen Bernhardiner. Der kam sofort zu uns rüber und wir konnten ihn streicheln und knuddeln. Die Kinder hatten gar keine Angst, obwohl er riesig war für sie.
    Die Welpen sehen immer knuffig aus. Hoxane aber schaut so traurig, da möchte man einfach übers Fell streicheln und gut zureden.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Ja, mir machte der Beitrag über die geschichtsträchtigen Bernhardiner Hunde richtig Spass. Es galt, den Mythos aufzuzeigen, bedeutete aber auch viel Arbeit. Wir selber hielten früher auch Hunde; ein Rauhaardackel, ein Labrador und ein Berner Sennenhund waren jahrelang treue Begleiter.
      Liebe Grüsse Ernst

  7. Vera Komnig schreibt:

    Vielen Dank für diesen interessanten Bericht, Ernst und Hoxane ist wirklich eine Schönheit!!
    Liebe Grüße von Vera

  8. Silberdistel schreibt:

    Ein schöner Beitrag 🙂 Er erweitert etwas meine Bernhardinerkenntnisse, die ich mir angelesen habe. In der Rhön, auf dem Kloster Kreuzberg, werden nämlich auch Bernhardiner gezüchtet, und da ich über diese Hunde mehr wissen wollte, hatte ich zu einem meiner eigenen Beiträge damals etwas nachgelesen.
    Schöne Hunde mit einer interessanten Geschichte. Mir persönlich sind sie allerdings etwas zu groß.
    Liebe Grüße schickt Dir, lieber Ernst, die Silberdistel aus einem heute wunderbar sonnigen Norden

    • ernstblumenstein schreibt:

      ja, irgendwie bist Du mir abhanden gekommen, sorry, 😉 danke für deine Erwähnung, wäre nicht nötig gewesen 🙂 werde dich noch besuchen, meine Gartenumgestaltung ist endlich fertig wow!!!! Liebi Grüess Ernst

      • Silberdistel schreibt:

        Ich erwähne Dich doch wegen Deines interessanten und lesenswerten Beitrags, nicht, weil ich Dich zu einem Besuch bei mir nötigen möchte 😉 Dein Bernhardinerbeitrag ist nämlich zu meinen Kreuzberg-Bernhardinern heute ein schöne Ergänzung. Wer mehr über diese bärigen Vierbeiner wissen möchte, schaut sicher gern noch einmal bei Dir vorbei.
        Liebe Grüße von der Ostsee schickt Dir die Silberdistel

      • ernstblumenstein schreibt:

        Ja, danke meine Liebe, das ist mir schon klar. Aber ich habe eben ein schlechtes Gewissen, weil ich selten auf der Blogrunde und bei Dir (auf deinem Blog 😉 ) bin 🙄
        Dir einen lieben Gruss Ernst

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