Donnerstag, 13. März 2014


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Das Stehbuffet am

Bahnhofkiosk Zürich HB

DREHSCHEIBE, MITTELPUNKT IN DEN 60ER JAHREN.

Ich arbeitete während vielen Jahren in Zürich und stand unzählige Male abends an diesem legendären Stehbuffet, um vor der Abfahrt des Zuges einen Becher zu trinken und mich mit Wienerli, Senf und Bürli zu verpflegen.

Das Wort Outfit kannten die Arbeiter und Angestellten hier noch nicht, sie waren einfach, heute würde man sagen eher schäbig gekleidet.

Ebenso gehörten Hut und Schirmmütze damals zum Alltagsleben und es roch nach Stumpen, Brissago und Zigaretten, nach Tabak eben. Manchmal verirrten sich Leute mit Krawatten und weissen Hemden an das Buffet.

Am Kiosk im Hauptbahnhof Zürich, 1967.

DU, Aug. 1967. Foto H. Cartier-Bresson. Kiosk im Hauptbahnhof Zürich

Fotograf H. Cartier-Bresson im DU, Ausgabe August 1967.

Ich liebte es, hier zu stehen und dabei dem immer währenden Menschenstrom zuzuschauen. Ein kommen und gehen halt.

Arbeiter, Beamte, Angestellte, Studenten und Sekretärinnen unterwegs nach Hause mit Aktenmappen, Zeitungen, Beautybox und Parfumduft. Zielstrebig unterwegs auch wenige mit Gepäck beladene Bahnreisende.

Das Gedicht zum Tage

Churz abonde   (Wortkarg)

Wie goht’s?
S’goht.
Wie spoht esch es?
Spoht.

Besch zwäg?
Schoh.
Ond du?
Ech au.

Cha ech dr hälfe?
Worum?
Ech ha nume g’meint.
Aha, dorum.


© E.B. 1992

Für Interessierte : Die Photographie stammt aus dem Beitrag Die Schweiz in 56 schwarz/weiss Aufnahmen des Fotografen Henri Cartier-Bresson, der in der kulturellen Monatsschrift DU vom August 1967 erschienen ist. Manuel Gasser schrieb u.a. dazu; was in den Bildern gesagt ist, ist direkt, klar, ohne Umschweife und Künstelei, und doch wird bei eingehender Beschäftigung offenbar, dass jede einzelne Aufnahme vielschichtig und vieldeutig ist. Die Bilder von Cartier-Bressons sind unbestechliche Zeugenaussagen einer vergangenen Zeitepoche. 

Ernst

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18 Antworten zu Donnerstag, 13. März 2014

  1. ute42 schreibt:

    Das war sicher gemütlich. Ich fürchte, heute gibt es so etwas wirklich nicht mehr. Jeder ist immer in Eile.

  2. ernstblumenstein schreibt:

    Tja, Ute, Du sagst es. Es sind längst vergangene Zeiten. Grüess Ernst

  3. ladyfromhamburg schreibt:

    Genau diese sehr spezielle Art von Stehbuffets ist sicher nicht mehr vorhanden, aber gerade an Plätzen wie großen Umsteigebahnhöfen, Flughäfen, Busknotenpunkten etc. – überall dort, wo auf Anschlüsse gewartet wird und Zeit überbrückt werden muss – wird es immer etwas Ähnliches, Vergleichbares geben.
    Heute sind es vielleicht die Coffee Shops oder Backstuben mit Kaffeeausschank, die Anlaufstelle sind und Wartezeiten überbrücken helfen, also die gleiche Funktion aufgrund derselben Anlässe erfüllen. Hier wird pausiert, hier entstehen weiterhin die zwanglosen Kontakte mit Wildfremden, hier treffen unkompliziert verschiedene Schichten aufeinander. So etwas ist auch bei der heutigen Eile immer noch ein kleiner ruhender Pol im Gewimmel und Ausgangspunkt für das Herumschauen und Mitmenschen betrachten.
    Würde man den heutigen Menschen ihre Mobiltelefone- auf die sie leider sonst penetrant stieren und nichts um sie herum wahrnehmen werden – am Eingang abnehmen, wäre es fast so wie früher an „deinem“ Stehbuffet, lieber Ernst.

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen herzlichen Dank Michèle für deine weiterführenden Gedanken, die von meinen gewollt kurz gehaltenen Beitrag über dieses Stehbuffet der 60er Jahre weiter in die Moderne führen.
      Ich freute mich, dass ich dich anregen konnte, sich über meinen Beitrag Gedanken zu machen. Es ist wie überall; nicht die Anzahl der Kommentare, sondern die Qualität macht Sinn und Freude. Du bestärkst mich, weiter solche „exotischen“ Beiträge zu machen.
      Grüess Ernst

      • ladyfromhamburg schreibt:

        Ich wiederum freue mich, wenn ich lese, dass es dich darin bestärkt, so weiterzumachen wie bisher. Auf deine Beiträge freue ich mich nämlich wirklich besonders, weil sie so speziell sind. Thematisch und auch häufig, was die Zeit, in der sie spielen, angeht. Dazu geht einem automatisch viel durch den Kopf, doch oft wird hier das Verknüpfen von aktuellen Dingen mit deinen Aussagen über Zurückliegendes angeregt. Vergleiche gezogen von gestern zu heute. Das geht mir immer so, wenn du von euren schönen, länger zurückliegenden Urlaubsreisen berichtest. Hat sich viel verändert, wenn ja auf welchem Gebiet. Verändern sich vielleicht Landschaften oder Ortschaften, aber nicht so sehr die Kultur und die Lebensgewohnheiten? Oder ist es genau umgekehrt: Die Olivenbäume stehen immer noch, das Dorf blieb klein, aber die Technik zog ein, das Moderne hat es erfasst? Spannend. Also bitte bleib bei deinem Mix und deiner -wie du es selbst ausdrückst – exotischen Auswahl!!

        LG Michèle

      • ernstblumenstein schreibt:

        Ja liebe Michèle, die Olivenbäume werden sicher noch stehen, doch das Dorf ist vielleicht lärmig gross und unpersönlich geworden, die Menschen verändern sich, passen sich der rasenden Technik an. Menschen müssen sich ändern, um eine Chance zu haben.

        Ich brauche die Chance nicht mehr, ich bin zufrieden und abgeklärt. Die Technik ist nicht mehr für mich gemacht, trotzdem nutze ich sie, lach… , es kommt eh, wie es kommen muss.
        Vielen Dank Michèle für deine tiefergehenden Gedanken. Ernst

  4. buchstabenwiese schreibt:

    Ich weiß im Moment nicht viel dazu zu sagen, aber der Beitrag gefällt mir sehr. Wenn ich mir das Bild so anschaue, muss ich lächeln. 🙂
    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir.
    Liebe Grüße,
    Martina

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke liebe Martina, Du musst sicher wegen dem kleinen Mann mit Hut, weissem Hemd und Zigarette lächeln, gell. Mir geht es ebenso. Ich stelle ihn mir als Debitoren Buchhalter einer kleinen Firma oder ähnliches vor weil er ein weisses Hemd mit Krawatte trägt. 😉
      Ich wünsche dir auch einen schönen Sonntag. Liebe Grüess. Ernst

  5. buchstabenwiese schreibt:

    Ach so, süßer Header übrigens. 🙂

  6. syntaxia schreibt:

    Ein ganz intensives Foto! So ein Stehbuffet sagt mir gar nichts, hab ich noch nie gesehen oder gehört. ob es das hier gar nicht gab? Oder nur in den Jahren als ich noch in den Windeln lief?
    Dein Gedicht passt ganz prima dazu. Auch schaffst du es mit knappen Worten die Wortkargheit wunderbar darzustellen – toll! 🙂

    ..grüßt dich Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Monika, Cartier-Bresson war ein berühmter französischer Fotograf. Seine 50 Bilder über die Schweiz sind alle sehr typisch und aussagekräftig. Ja, junge Frau, Du warst zu jener Zeit sicher noch ein kleines Mädchen warst, lach… , danke für deine Blumen für mein Gedicht, hat mich aufgestellt. 🙂
      Sei lieb gegrüsst. Ernst

  7. Anna-Lena schreibt:

    Ein bemerkenswertes Bild, lieber Ernst, eine eingeschworene Männergesellschaft (Frauen wären zu der Zeit sicher noch undenkbar gewesen) in Freizeitlaune, vielleicht nach der Arbeit oder zum sonntäglichen Frühschoppen …

    Einen lieben Gruß zu dir,
    Anna-Lena

    • ernstblumenstein schreibt:

      Du Anna-Lena, ich glaube jetzt wo Du es schreibst dass es manchmal Matronen mit „Haar auf den Zähnen“ gab, die ab und zu am Stehbuffet standen. Standfeste, füllige Frauen eben, lach… 😉 . Lass es dir gut gehen! Ich sende dir einen lieben Gruss in die Nacht. Ernst

  8. minibares schreibt:

    Die Kleidung war damals echt noch völlig anders.
    Da war bestimmt immer ordentlich was los. Und du konntest voller Freude beobachten, lach.
    Sowas ist schon interessant.
    Dein Header ist einfach goldig.
    Ganz liebe Grüße ♥
    Bärbel

  9. ernstblumenstein schreibt:

    Ich (1942) kam Ende 40iger Jahre in die Schule, ich trug noch handgestrickete Kniesocken und Pullovers, auch unsere Mädels trugen Schürzen. Wir bekamen bei einem sehr guten, aber strengen Lehrer mit dem Massstab Tatzen, manchmal warf er uns den Schlüsselbund an.
    Lass es dir gut gehen. Ernst

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