Donnerstag, 27. März 2014


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Postes in Franquevaux. (13)

hängt an einer alten Wand in diesem 90 Seelendorf, das völlig abgeschieden zwischen der Straße D6572, die von Saint Gilles nach Vauvert führt und dem Étang de Scamandre liegt.

Der Briefkasten und das gealterte Gemäuer spiegelt die ganze Schönheit einer vergangenen Zeit wieder und dies nur, weil der Mensch hier nicht eingreift, putzt, poliert und meint, er müsse seinem Schönheitsempfinden Achtung verschaffen. Wie heißt es doch so schön; es kommt nicht nur auf’s Äußere an…

Hinter dem Postes versteckt sich eine stattliche Mas, in deren Innenhof Tamarisken, Zedern und Feigenbäume Schatten spenden.

Wie alt mag dieser Kasten wohl sein und wer lebte hier?   

zgebraucht  Camargue Franqueveaux 1997 Briefkasten u. Bauerngehöft FerienDomiziles -110
© Foto Ernst Blumenstein.

Wie viele Briefe, Karten, Rechnungen und Einladungen hat er wohl für seine Eigentümer gehütet? Wie viele Liebes- und Dankesbriefe bereiteten den Empfängern Freude und Lebenslust?

Und wie viele Verfügungen, Vorladungen und Anzeigen waren dabei, die Ärger, Kummer und Leid brachten? Zum Glück verrät uns der Kasten nichts und behält somit all unsere Fragen als sein gut behütetes Geheimnis. Und das ist gut so!

Ich bin

Ich bin nicht
aus dieser Zeit.

Ich bin
aus einer früheren
aus einer sperrigeren
einfacheren als die,
in der ich heute lebe.

Ich bin aus einer
anderen Zeit.

EB 2012

Ein Zitat zum Tage

“Fantasie ist die Gabe,
unsichtbare Dinge zu sehen.”

Jonathan Swift.

PS : Für Interessierte : Ich verbrachte mit Marianne in der Camargue hinter diesen Mauern im Frühling öfters Ferien. Von hier aus unternahmen wir Exkursionen, um die einmalige Artenvielfalt der Vögel in dieser faszinierenden Landschaft zu beobachten.

Ernst

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20 Antworten zu Donnerstag, 27. März 2014

  1. Clanmother schreibt:

    Ein wunderbares Zitat und eine exzellente Post. Ein Mail-Box ist eine Erinnerung daran, dass wir in vielerlei Hinsicht und sind verbunden, dass wir halten jeweils viele Geschichten. Danke!

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen herzlichen Dank für Ihre treffenden Worte, Jessica. Ja, wir Menschen brauchen die Mail-Box, damit wir den Gedankenaustausch mit der Welt pflegen können. Der Dialog kann zu einer besseren Welt beitragen. I hope so.
      Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Ernst

  2. claire schreibt:

    Hallo Ernst, wie oft kommt oder kam der Pöstler wohl in das 90 Seelen-Dorf um die Post abzuholen? Ja dieser Briekasten könnte was erzählen. Gell Ernst wenn wir nicht mehr fantasieren könnten wären wir ein Stück ärmer dran. Zum Thema Fantasie habe ich letzthin auch ein Zitat gelesen: Fantasie ist mächtiger als Wissen, denn Wissen ist beschränkt! Es grüsst dich Claire

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hallo Claire, schön, dich zu lesen. Wie wahr – ja Fantasie ist mächtiger!!! Zu unserer Zeit gab es einen Laden, ca. 15 m2 gross, man musste vorne am eisernen Hoftor läuten, nach einiger Zeit kam die Madame, sperrte das Tor auf und wir konnten einkaufen, wenn unser Artikel vorhanden war. Brot musste man am Vortag bestellen, der mobile Fleischer kam 2x die Woche. Was soll’s, wir verlebten hier jeweils eine glückliche Zeit abseits des Trubels. Lass es dir gut gehen. Grüess Ernst

  3. syntaxia schreibt:

    Manchmal mag man meinen, die Zeit sei stehengeblieben.
    Dann das genaue Gegenteil: Unsere Zeit ist in vielen Dingen so schnelllebig und die Technik rast dahin. Da komme auch ich nicht nach. Will ich auch nicht

    Die Erinnerungen an eure gemeinsame Zeit dort, ist bestimmt sehr schön!
    ..grüßt dich Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Herzlichen Dank für deine Bemerkungen Monika. Ich mag Schnelllebigkeit und Rastlosigkeit auch nicht – ich mag die stille, beschauliche Zeit.
      Dir ein angenehmes Wochenende. Sei lieb gegrüsst. Ernst

  4. syntaxia schreibt:

    Ah… hast du dort dann vielleicht auch Post dort eingeworfen?

    • ernstblumenstein schreibt:

      Nein, Post musste man in den Tante Emma-Laden (15m2) bringen. Der Laden hatte nur 2 Stunden pro Tag offen, in der restlichen Zeit musste man zuerst vorne am eisernen Hoftor läuten. Nach einiger Zeit kam eine füllige Madame, sperrte das Tor auf und nahm dann die Post entgegen. Eine vergangene Zeit eben…

  5. ladyfromhamburg schreibt:

    Erstaunlich, wie ausdrucksstark, geheimnisvoll und symbolträchtig manches ist. Wie hartnäckig es sich behauptet und manchmal ein bisschen die Zeit anhält oder in eine vergangene zurückversetzt.
    Ein feiner Post von dir, Ernst – und ich kann mir auch vorstellen, dass eure Urlaube in der Camargue euch bestimmt unvergesslich sind.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank für deine Zeilen Michèle, sie freuten mich ungemein. Ich habe weiter oben bei Claire und Syntaxia vom einzigen Lädchen im Flecken erzählt, wie das etwa zuging. Vor allem ist erwähnenswert, dass damals nicht alles gestylt daher kommen musste wie heute. Was würden denn die Leute denken?, wenn…..
      Auch dir ein angenehmes Wochenende, grüsse mir Hamburg.
      Ernst

  6. Anna-Lena schreibt:

    Wenn dieser Postkasten erzählen könnte, was er so alles „geschluckt“ hat. Ein bemerkenswertes Bild, lieber Ernst.
    Liebe Grüße aus dem Montag,
    Anna-Lena

  7. ernstblumenstein schreibt:

    mir gefällt am Bild vor allem, dass der Renovationsteufel am Kasten und der Mauer nicht gewütet hat…
    Dir eine gute Woche, geniesse den Frühling…
    Ernst

  8. buchstabenwiese schreibt:

    Ein schönes Bild, lieber Ernst.
    Dass es so was noch gibt, eine Erinnerung an eine andere Zeit.
    Auch die Zeilen gefallen mir.

    Sind wir nicht alle irgendwie aus einer anderen Zeit? Wenn ich an meine Jugend denke, eine Zeit ohne Handy/Smartphone und noch richtige Briefe. 🙂 Wie konnten wir damals nur überleben? 😉
    Ein paar Jahre vergehen und schwupps ist alles anders. Es geht alles so schnell, dass nichts mehr einen Wert zu haben scheint. Besonders in der Technik. Hat man gerade das Neuste vom Neuen gekauft, ein paar Tage oder Wochen später ist es schon veraltet. Das macht mich manchmal nachdenklich und auch ein bisschen traurig. Früher wurde Dinge noch repariert, heute lohnt es sich gar nicht, neu ist billiger. Der Wert, der einzelnen Dinge geht so verloren und manchmal habe ich das Gefühl, dass es auch auf den Menschen übertragen wird, wenn man die Arbeitswelt so manches Mal betrachtet.

    Liebe Grüße und eine schöne Restwoche,
    Martina

    • ernstblumenstein schreibt:

      Schön, dass Du meine einfachen Gedanken aus einer anderen Zeit als Anlass nimmst, den Faden weiter zu spinnen. 🙂
      Du fragst dich wie Du damals nur überleben konntest. Ich frage mich manchmal, wie ich heute überlebe. Ich brauche dann die Verbindung mit dem damaligen Zeitraum, weil ich meine Ethik bewahre und weil ich viele technische Fortschritte einfach nicht brauche oder für dekadent halte.
      Du bemerkst richtig, dass sich der Wert der Dinge und der Menschen sich stark verändert. Ich glaube, dass dadurch auch eine andere Moral geschaffen und nötig wurde.
      Geniesse das herrliche Frühlingswetter und hab ein schönes Wochenende.
      Herzlich Ernst

  9. araanz50 schreibt:

    Obrigada, pela sua visita
    Feliz semana, Abraços
    Araan.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hoi (Hello) Araan,
      ich danke dir herzlich für deine Zeilen und deinen Besuch. Ich wünsche dir ein angenehmes Wochenende. In der Schweiz ist der Frühling definitiv angekommen. Die Kirsch- Birnen- Pflaumen-und Apfelbäume blühen, alles ist eine Farbenpracht. Die Vegetation ist 3 Wochen voraus.
      Liebe Grüsse Ernst

  10. minibares schreibt:

    Solche alten Briefkästen laden immer wieder zum Nachdenken ein, das ist wahr.
    Dieses alten Gebäude, an dem der hängt steht immerhin noch, wenn auch nur eine Wand, hinter der es gemütlich ist.
    Ist da rechts neben dem Postkasten eine Art Scharnier?
    Dann wäre da vielleicht mal eine Tür gewesen.
    Ein herrliches Bild aus der Vergangenheit.
    Liebe Grüße Bärbel

  11. ernstblumenstein schreibt:

    Alte Gemäuer wirken immer wieder anziehend auf mich. Manchmal verbergen sich hinter den Mauern wunderbare Dinge, die man gar nicht erwartet. Die Mauer ist kompakt ohne Scharnier.
    Mein PC war 1 Woche lang ausgestiegen. Wenigstens konnte ich auf dem Laptop noch Post lesen, ansonsten war tote Hose. Aber diese Zeit tat mir gut, ich habe eh viel im Garten zu tun. Ich wünsche dir eine frohe Osterzeit.

  12. Andrea schreibt:

    Das ist wohl ein alter BRIEFkasten zuallodatzumal oder??

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