Sonntag, 6. Juli 2014


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Ausflug an die Drei

Jurasüdfuss-Seen. (1)

 

z Bielersee Twann n Petersinsel 21.22.6.14 035

Tja, wir fahren an diesem strahlenden Sommermorgen gutgelaunt früh weg. Wir, das sind Mitglieder des Kleintierzüchtervereins Niederwil u. Umgebung. Ihr werdet euch wohl fragen, was ich mit diesem Verein am Hut habe?

Unser Car 21.22.6.14 001

Nun, ich war lange Zeit aktiver Züchter und engagierte mich auch im Vorstand dieses Vereins. Ich hegte und pflegte früher viele Jahre Hühner-Rassen wie Austrolorps und Welsumer.

Austrolorps, Welsumer.

Soviel zum KZV, jetzt aber zurück zu unserem Ausflug.

Die Drei Jurasüdfuss-Seen

Schon in der Antike benutzten die Römer die drei Jurarandseen Bieler-Neuenburger- und Murtensee als direkte Wasserwege zwischen Avenches (Aventicum) und Windisch (Vindonissa).

Aventicum war damals die bedeutendste Stadt und Vindonissa das einzige römische Legionslager in der Schweiz. Über Aventicum führte ein wichtiger Transitweg vom Rhonetal via Augusta Raurica (Kaiseraugst) nach Germanien.

Reiseroute E.B.
Karte erstellt durch E.B.

Wir fahren auf der Autobahn über Aarau-Solothurn nach Biel. Auf der rechten Seite begleitet uns auf der ganzen Strecke der Faltenjura.

Berner Oberland 21.22.6.14 002
Die Bilder sind aus dem Car heraus fotografiert, deshalb ist die Qualität nicht so gut. Trotz den Lichtspiegelungen sollen sie einen Eindruck über die Landschaft vermitteln. 

z Faltenjura Aargau 21.22.6.14 005

Ein früher und willkommener Kaffeehalt im Rasthaus Gunzgen-Süd weckt unsere Geister.

z Faltenjura Aargau  21.22.6.14 007
Am Bootssteg in Biel liegen u.a. die Schiffe Biel, Chasseral und Petersinsel. Ein  Blesshuhn behütet ihre Küken.

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 cats11.10.12.09.

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Unser Schiff Berna liegt an Quai 2 und wird uns sicher und ohne jeglichen Stau nach Murten bringen.

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Quai?, aha, sie merken schon, dass hier die Sprachgrenze Deutsch/Französisch verläuft, wobei je nach Ort die Leute mehr oder weniger bilingue (zweisprachig) leben und reden.

Langsam verlassen wir den Bootssteg und tuckern hinaus auf den ca. 15 km langen und maximal 4 km breiten Bielersee. Ich habe mich auf dem Vorderdeck installiert.    

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Eine leichte Seebrise weht, ich geniesse die wunderschöne Landschaft um mich herum. Sie lässt mich innehalten, mein Alltag bleibt zurück und die Zeit steht still.

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Der Weinbau am Bielersee

Die Böden der trockenen, steinigen und kalkhaltigen Südosthänge vom Höhenzug Chasseral entlang des Sees eignen sich vor allem für den Anbau von  Weissweinen.

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Es sind feine Sorten wie z.B. der Chasselas (Gutedel), die Burgundersorten Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Blanc und Gris sowie auch Spezialitäten wie Müller Thurgau oder Gewürztraminer.

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Insgesamt sind es über 40 Rebsorten, die in den Winzerdörfern entlang des Sees angebaut werden.

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Die naturnahe Bewirtschaftung der steilen Weinberge und die gewollt  kleinen Erträge lassen erstklassige Trauben wachsen. Die Reben profitieren auch vom Wärmespeicher des Sees und von den mikroklimatischen Vorzügen der Terrassierung.

z Weinbau Bielersee 21.22.6.14 028

Weil die Nachfrage für diese Weine grösser ist als die  produzierte Menge, werden nur etwa 1-2 % davon exportiert. Deshalb sind sie entsprechend teuer.

Vor uns liegt der Bootssteg Twann, an dem wir gleich anlegen werden.

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Das Winzerdorf Ligerz ist unser nächstes Ziel. 

z Bielersee 21.22.6.14 034

Am Bootssteg in Ligerz.

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Mitten in den Rebparzellen steht die Kirche von Ligerz.

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Wie schön wäre es doch, in dieser malerischen Landschaft vor einem der  Rebhäuschen zu sitzen, auf den See zu schauen und mit euch bei einem Glas Wein über dieses edle Nass zu fachsimpeln.

Berner Oberland 21.22.6.14 037

Blick von der Petersinsel hinüber nach Ligerz.

Blick v d Petersinsel nach Ligerz. WMC, Ikiwander, GFDL Picswiss.
Foto WMC, Ikiwander, eig.Werk. GFDL Picswiss.

Die Petersinsel.

© Volkswirtschaftsdirektion d. Kantons Bern. Fischerei 498!.374![1]

© Foto Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern.

Blick vom Winzerdorf Twann auf die Petersinsel.

Twann, Bielersee mit Petersinsel. WMC Urh. R. Zumbühl, Picswiss.
© Foto Wikimedia Commons, Urh. Roland Zumbühl. Picswiss.

Eigentlich ist die Petersinsel eine Halbinsel. Der Wasserspiegel der drei Seen  wurde nach der 1. Gewässerkorrektion von 1891 um 2,5 Meter abgesenkt. Dies hatte zur Folge, dass die Insel eine drei Kilometer lange Landzunge nach Erlach erhielt.

1127 gründete die Benediktinerabtei Cluny auf der Insel ein Priorat.

Das Foto zeigt das heutige Gasthaus (ehemalige Kloster).

Ehem. Kloster Cluniazenserpriorat Urh. Sinenomine2,eig.Werk.KGS-Nr_1294_bis
Foto Wikimedia Commons, Urh. Sinenomine2. Eig. Werk.

Der französischsprachige Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge u. Naturforscher Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) hielt sich anno 1765 sechs Wochen beim Inselpächter auf, bevor er durch Berner Aristokraten wieder vertrieben wurde.

Sowohl das heutige Gasthaus wie auch der Pavillon sind als Kulturgüter von nationaler Bedeutung der Schweiz klassifiziert.

Pavillon Rousseau (Westseite).

WMC Pavillon Rousseau,Urh. Sinenomine2, eig. WerkKGS-Nr_1296
Foto Wikimedia Commons, Urh. Sinenomine2. Eig.Werk.

Übrigens besuchten u.a. Goethe, die Kaiserin Joséphine sowie die Könige von Preussen, Schweden und Bayern die Insel.

Während unsere Berna die Petersinsel anläuft, finden wir uns zum leckeren Mittagessen ein. 

Berner Oberland 21.22.6.14 039

Noch fehlen einige Leute von unserer Reisegruppe.

IMG_3630
© Foto Helena Blattmer, Tägerig.

Die 1. Juragewässerkorrektion 1891

Die Aare wurde bei Hochwasser ab Aarberg im eigens neu erstellten  Hagneckkanal in den Bielersee umgeleitet. Für die Ableitung zurück ins alte Aare-Bett wurde der Nidau-Büren-Kanal gebaut.  

In dieser Gewässerkorrektur wurden auch der Zihl– und der Broyekanal als wichtige Verbindungen zwischen den drei Seen gebaut. Mit diesen  Kanälen wurden Hochwasserabflüsse geschaffen, die von den drei Seen ausgleichend aufgefangen werden.

Später erfolgte eine zweite Korrektur, damit das häufig überflutete und sumpfige Berner Seeland endgültig kultiviert werden konnte.

Aare_canals. Zihl u Broye Kanal Urh Ari WMC
Foto Wikimedia Commons. Urh. Ari.

Normalerweise fließt das Wasser im Zihlkanal in den Bielersee! Bei Aare-Hochwasser hingegen fließt es in der umgekehrten Richtung in den Neuenburgersee. Dieser dient dann als Überlaufbecken.

Der Zihlkanal.

Zihlkanal.www.Hs. Baumgartner.ch
Foto www.hans.baumgartner.ch

Der Broyekanal.

Schon die Römer verwendeten einen Kanal mit ähnlichem Verlauf, um das Material der Steinbrüche im Jura für den Handel zu transportieren. Aventicum bauten sie z.B. mit Steinmaterial aus dem Jura.

Broyekanal www.oeko.travel.org. P1050963
Foto www.oeko.travel.org.

 Am Bootssteg von Murten ist unsere Schifffahrt zu Ende.

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Murten.

 Berner Oberland 21.22.6.14 041

© Fotos, wo nichts anderes erwähnt: Ernst Blumenstein.

Hier endet mein 1. Bericht über unsere Schifffahrt auf den drei Jurarand-Seen nach Murten.

Über diese mittelalterliche Zähringerstadt und die Weiterreise ins Berner Oberland werde ich euch in einem weiteren Reisebericht erzählen.

Ernst

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22 Antworten zu Sonntag, 6. Juli 2014

  1. syntaxia schreibt:

    Toll, Ernst!
    Ein feiner Ausflug und so viel Sehens- und Wissenswertes! Schön, wie du das immer miteinander verbindest und mit Bildern belegst. Lachen musste ich über deine schöne Formulierung, dass du dich auf dem Vorderdeck „installiert“ hast – köstlich. 🙂 Da wäre ich auch hin und nicht wegzubekommen gewesen. Sicher hast du eine tolle Sicht auf alles gehabt.

    ..grüßt dich Monika

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke Monika für deine Zeilen. Mein Schriftdeutsch ist halt manchmal vom Dialekt her etwas eingefärbt 😉 – glaub mir, ich habe mich richtig installiert (Kameras, Rucksack, meine Wenigkeit *Lach*). Du hättest neben mir noch Platz gehabt…
      Dir eine angenehme Woche und einen lieben Gruss nach Freiburg. Ernst

  2. ladyfromhamburg schreibt:

    Eine sehr schöne Landschaft und eine sehr interessante Reise! So eine Schiffsfahrt auf und über den Bieler See bei diesem Wetter hat sicher Vergnügen bereitet, obwohl das Wasser einmal (Fahrt nach Murten) fast etwas unruhig wirkt. Aber Seebären können das ab, oder? ^^
    Mir hat Twann und auch der Blick auf die Petersinsel besonders gut gefallen. Genau wie Monika bin ich daran hängengeblieben, als du schriebst, du hättest dich „installiert“. Lieber Ernst, ich muss einfach einmal fragen, in der Hinsicht bin ich neugierig und lernbegierig: Ist das in der Schweiz ein ganz gängiger Ausdruck – auch in dem Fall, dass eine Person und nicht eine Sache gemeint ist? Oder hast du dir das so in den Sinn kommen lassen? Für deutsche Ohren klingt es lustig. So als hättest du dich dort festgeschraubt.
    Schönes Wochenende und liebe Grüße!
    Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank Michèle für deinen Kommentar. Ich glaube, Du wolltest mich als Binnenländler wegen dem „unruhigen Wasser vor Murten“ etwas auf den Arm nehmen 😉
      Du hast Recht, wir sind erfahrene Seebären ^^ .
      Ja, ich installierte mich mit meinen Anhängseln (Kamera, Rucksack) auf Vorderdeck. Für mich persönlich ist es ein gängiger Ausdruck. Ich habe noch nie mitbekommen, dass sich dieses Wort nur auf eine Sache bezieht. Ich habe mich dort also nicht festgeschraubt, sondern lediglich installiert (eingerichtet). Ich habe bei Monika schon erwähnt, dass unser Schriftdeutsch manchmal stark durch den Dialekt geprägt ist und dann seltsame Wege geht. Bedenke, Schriftdeutsch ist unsere erste Fremdsprache 😉
      Ich sende Dir einen lieben Gruss nach Hamburg. Geniesse den Sommer. Ernst

  3. wortsuche schreibt:

    Danke für diesen schönen Bericht, der mich gluschtig gemacht hat, dieses zauberhafte und abwechslungsreiche Stück Schweiz demnächst auch wieder mal zu besuchen! Liebe Grüsse, Sandra

  4. Amorak schreibt:

    was hüt – wow bisch du früeh scho flissig gsi .. hahaha

    wunderschöne bricht, hammerbilder wie immer vo dir .. heb en wunderschöne tag )

    • ernstblumenstein schreibt:

      danke für d‘ Blueme, so früeh, we Du meinsch, bin i nöd gsih und fliessig eh nöd.
      Weisch, ich han a billige Pocket ond be nor en Knipser *lach*
      Ech wünsch dr e gueti Woche, mach’s guet. 🙂 Ernst

  5. ute42 schreibt:

    Ein schöner Ausflug mit dir. Der Bieler See ist herrlich. Ja, ich würde dort auch liebend gerne am Ufer auf einer Bank sitzen und einfach nur auf den See schauen – ok, vielleicht mit einem Glas Wein 🙂

  6. Anna-Lena schreibt:

    Traumhaft schön ist diese Landschaft und ich würde jetzt gern ins blaue Wasser springen. Die Hitze steckt auch spät am Abend noch in allen Ritzen.

    Liebe Grüße und komm gut in die neue Woche 🙂 ,
    Anna-Lena

  7. Richard Reinhard Linder schreibt:

    Sehr schön kennen wir auch und machen die Fahrt alle Jahre wieder

  8. ernstblumenstein schreibt:

    vielen Dank Richard für den Besuch, auch euch eine schöne Sommerzeit…

  9. Träumerle Kerstin schreibt:

    Du hast Dir wieder so viel Mühe gegeben mit diesem ausführlichen Bericht lieber Ernst. Ja, da würde ich jetzt auch gern mit Dir auf der Wiese sitzen und ein Glas Wein trinken, plaudern, lachen und die schöne Gegend in mich aufsaugen.
    Wir waren vor Jahren mal im Urlaub an der Mosel, da haben wir jeden Tag Wein getrunken.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  10. ernstblumenstein schreibt:

    eine Schifffahrt auf dem Rhein von Basel nach Rotterdam oder eine Fahrt auf der Mosel möchte ich in diesem Herbst machen. Danke für deinen Besuch und lass es Dir gut gehen.
    Liebe Grüsse Ernst

  11. Waldameise schreibt:

    Lieber Ernst,

    wow, was für ein Eintrag! Du warst so fleißig, aber anders bin ich es ja gar nicht von dir gewohnt.
    Du vermittelst dem Leser und Betrachter damit wirklich den Eindruck, an der schönen Reise teilgenommen zu haben. Auch die Fotos aus dem Fahrzeug sind sehr schön. Ich habe das bei meinen Busreisen auch gemacht und dabei schöne Fotos geschossen, die mich daran erinnern werden, durch welch zauberhafte Gegend wir gefahren sind. Die Schweiz hat ja derer viel davon, wie man auch anhand deiner herrlichen Aufnahmen wieder sehen kann. Danke dafür, lieber Ernst.

    Ein lieber Gruß zu dir
    von der Waldameise

  12. Silberdistel schreibt:

    Das war sicher eine schöne und interessante Reise, lieber Ernst. Da gab es ja sooo viel zu sehen – eine malerische Gegend. Am besten haben mir die Fotos mit der Kirche am Hang in all dem Wein gefallen – traumhaft schön 🙂
    Liebe Grüße aus dem Norden schickt Dir die Silberdistel

    • ernstblumenstein schreibt:

      vielen Dank für deinen Besuch, der mich freute. Der Sommer kommt endlich zurück, d.h. von 13-16 auf 26-30 Grad. Toll, dass Jogis Mannen den WM-Titel gewannen, sie haben es verdient!!! Ich werde dich demnächst besuchen. 🙂 Grüess in den Norden Ernst

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