Samstag, 3. Jänner 2015


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Als wir im Jahre 1969 heirateten…

kümmerten meine Frau und ich uns nicht über die Rechte einer Ehefrau in Finanzensachen! Erstens war es nicht wichtig und wir wussten damals gar nicht, dass die Ehefrau benachteiligt war.

Neulich fand dieses Inserat der Schweizerischen Volksbank * in einer kulturellen Monatsschrift DU vom Oktober 1970 mein Interesse. 

Du1

Das ganzseitige Inserat betraf noch das damalige Gesetz “Alt-rechtlicher Güterstand der Güterverbindung”, das bis zum 31.12.1987 gültig war. Es informierte  verheiratete Frauen über die Rechte, die sie in Finanzsachen besitzen, wenn sie sie kennen. Hier mein gekürzter Text mit meinen Worten :

Alle verheirateten Schweizerinnen sind
vor dem Gesetze gleich. Gleich benachteiligt.

In Geldsachen haben Schweizer Ehefrauen wenig zu sagen. Wir glauben, dass es sie interessieren wird, genau zu wissen, wie viel nun eigentlich wenig ist.

Aber um korrekt zu sein; theoretisch gelten die gleichen Rechte wie für die Ehemänner. Der kleine Unterschied ist; sie fallen dem Mann automatisch zu, die Frau muss sich jedoch vor der Heirat selbst darum kümmern!

Als hätte sie vor der Heirat nichts anderes zu tun! Tut sie es nicht, tritt automatisch der Güterstand der Güterverbindung ein und sie untersteht dem ordentlichen Güterstand, der wenig Rechte bedeutet :

Die Frau darf über das Haushaltsgeld selbständig verfügen, es verwalten und kleinere Rechtsgeschäfte in Vertretung ihres Mannes abschließen.

Die Frau darf ein Frauengut (Vermögen, das sie gebracht hat) besitzen. Verwalten darf es allerdings nur der Mann und ihm gehört der Gewinn.

Die Frau darf immerhin verlangen, dass er ihr Auskunft gibt, wie es um ihr Gut steht. Sie kann eine Garantie für ihr Frauengut verlangen.

Die Frau darf ein Sondergut (Schmuck, Kleider, Geschenke, eigener Lohn)besitzen. Als berufstätige Frau muss sie aber dann auch an die Haushaltskosten beitragen.

Die Frau darf auf alle Fälle ein Drittel des gemeinsam Ersparten als Eigentum betrachten.

Die Frau darf als privilegierte Gläubigerin auftreten und Ersatz für die Hälfte des Frauengutes verlangen, falls ihr Ehemann Konkurs macht.

Die Frau darf immerhin ohne Einwilligung des Mannes ein Sparheft eröffnen.

Die Volksbank zeigt im Inserat den Frauen sodann die rechtlichen Möglichkeiten auf, die sie vor der Heirat vertraglich regeln müssen, damit sie besser gestellt werden.

Und sie erzählt den Frauen von ihren Rechten, weil sie glaubt, dass diese die Rechte gerne kennen möchten, auch wenn es Wenige sind.

Und den Männern erzählt sie davon, weil sie weiß, dass es die Männer nicht ausnützen, dass es Wenige sind.

Die Schweizerische Volksbank möchte dazu noch sagen, dass sie die Frauen besonders gerne betreut und in allen finanziellen Problemen berät. Denn alle Frauen besitzen bei ihr ein Vorrecht. Das Vorrecht, Frau zu sein.

Wir wollen, dass Sie Bescheid wissen.

V

Schweizerische Volksbank *

Eigentlich ist dieses Gesetz, das die damaligen unwissenden Ehefrauen  benachteiligte schon seit 28 Jahren nicht mehr in Kraft. Doch zeigt es uns deutlich auf, dass auch wir eine lange Zeit bis zur heutigen Gleichstellung brauchten!

Wahrscheinlich war unsere Gesellschaft und damit auch unsere Banken damals  sozialer. Dieses originelle Inserat der Volksbank zeigt eklatant die Unterschiede zur heute üblichen Werbung auf.

Ich wünsche euch einen guten Start ins neue Jahr. Ernst

PS: Ich habe das Inserat stark gekürzt mit meinen Worten wiedergegeben.
  *  Die Schweiz. Volksbank wurde 1993 durch die heutige CS übernommen.

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24 Antworten zu Samstag, 3. Jänner 2015

  1. einfachtilda schreibt:

    Das ist bei uns heute anders, denn die Frau bekommt gar nichts vom Mann, sie muß sich ihren Lebensunterhalt allein verdienen, es sei denn, der Ex-Mann ist gewillt, ihr monatlich ein paar Euros zukommen zu lassen.

    Frohes neues Jahr und liebe Grüße von Mathilda ❤

  2. Arabella schreibt:

    Die Gesellschaft krankt nicht allein daran, aber hier fängt es an…

    Ein gesundes neues Jahr für deine Frau und dich.

  3. ute42 schreibt:

    Interessant. Für die Frau hat die Gleichstellung wie alles im Leben Vor- und Nachteile. Die Vorteile überwiegen allerdings, wie ich finde.

  4. Arabella schreibt:

    Ich freue mich, dich auf meinen neuen Blog
    http://teil2einfachesleben.wordpress.com/ einladen zu können.:-)

  5. Amorak schreibt:

    die frau war auch nichts besseres als ein neger und in vielen ehen ist das auch heute noch so!

  6. ladyfromhamburg schreibt:

    Aus heutiger Sicht ist das kaum noch vorstellbar. Sein eigenes Geld nicht selbst verwalten zu dürfen, nur Anrecht auf ein Drittel des gemeinsam Ersparten zu haben, überhaupt unheimlich schwer alleine etwas Finanzielles organisieren zu können …!
    Gut, dass sich etwas geändert hat.

    Irgendwie erscheint es mir sowieso viel nützlicher, wenn grundsätzlich die Gleichberechtigung durch Rechtsprechung gegeben ist – aber dann jedes Paar für sich entscheidet, wer sich im Endeffekt (vorrangig) um den finanziellen Teil kümmert. Meist liegt einem der beiden dieser Part (Bank- und Steuerangelegenheiten, Vorsorgethemen) einfach mehr (durch Interesse und Lust, entsprechende Ausbildung etc. ) oder es bleibt einem der beiden schlicht und einfach mehr Zeit dafür übrig.
    Freie Entscheidung, ob alles gemeinschaftich läuft , jedoch genauso gut möglich, dass jeder einen Teil getrennt verwaltet,

    Was Mathilda in ihrem Kommentar anspricht – die Unterhaltslage nach Scheidung – das ist eine besondere Sache, die ich nicht immer für wirklich ausgegoren halte. Gleichberechtigung sehe ich dort nur sehr schwer. Um dem Mann vor ewigen Zahlungen an eine „nicht arbeitswillige“ Frau zu schützen, wird oft übersehen, dass diese Frau nach der Scheidung oft gar keine Chance auf eine Tätigkeit hat, die ihr den Lebensunterhalt und Wohnraum sichert (Kinder sind noch jung, längere Berufspause und/oder höheres Alter, kein Stellenangebot im gelernten Bereich).
    Doch ich denke bzgl. des gemeinsam Ersparten ist laut Recht schon klar, dass hier jedem die Hälfte vom in der Ehe hinzugekommenen Vermögen zusteht. Leider ist nicht immer etwas da …

    Es war jedenfalls sehr interessant, Ernst, dass du diesen Artikel herausgekramt hast und noch einmal die Zeit und die enormen Unterschiede vor ein paar Jahrzehnten bis zur Umänderung der Rechtslage 1987 erwähnt hast.
    Ich kann es mir für mich überhaupt nicht vorstellen, keinen Einblick oder Einfluss auf den finanziellen Part zu haben. Zum Glück ließ sich das bei uns zu beider Zufriedenheit lösen.

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank Michèle für deine weiterführenden Gedanken. Ich finde auch, dass schon damals wie heutzutage erst recht sich die meisten Ehepaare gleichberechtigt und nach ihren Fähigkeiten organisieren.
      Ueber das Problem Scheidung liesse sich ellenlang schreiben. Bessere Lösungen werden vom Staat gesucht und z.T. auch gefunden. Aber der Teufel steckt sowohl beim Finanziellen wie auch beim Sorgerecht im Detail, wenn sich die Beteiligten nicht kooperativ verhalten.
      Ich habe diesen Beitrag gemacht, weil man bei uns vielmals hört, wie rückständig gewisse Völker in verschiedenen Belangen seien und dabei vergisst, wie es im eigenen Land vor nicht allzu langer Zeit ausgesehen hat.
      Einen lieben Gruss nach Hamburg. Ernst

  7. minibares schreibt:

    Schon eigenartig, dass die Volksbank mit einer Anzeige geworben hat.
    ich meine, hier ist Gleichberechtigung. Aber wie es im Fall einer Trennung wäre, weiß ich nicht.
    Dir und deinen lieben alles Gute, Gesundheit und Glück für das neue Jahr 2015
    Bärbel

  8. Marguerite schreibt:

    Bonne année ernest:)

  9. ernstblumenstein schreibt:

    Bonne année Marguerite aussi a toi 🙂
    Ernest

  10. Träumerle Kerstin schreibt:

    Bei allem Ernst muss ich dennoch drüber lachen. Oh weh, wie arm waren die Frauen damals dran. Wir haben weder Ehevertrag noch sonst irgendwelche Abmachungen. Wir haben nur ein Konto, da geht alles drauf und alles ab. Ich kann mir nicht vorstellen, von meinem Mann nur Haushaltsgeld zu bekommen und dann damit wirtschaften zu müssen. Ich bin dankbar, in der heutigen Zeit zu leben und einen toleranten Mann zu haben 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Kerstin, klar, wir halten das ähnlich, es haben zwar beide Kontos, aber beide haben die Berechtigung zuzugreifen. Das mit dem Haushaltsgeld war halt vor vielen Jahren so.
      Ich wollte mit dem Inserat nur aufzeigen, wie es früher war und wie diese Bank damit eine clevere Werbung gemacht hat. Ich glaube, Toleranz gehört heute in jede Ehe, gell. 🙂
      Liebe Grüsse Ernst

  11. Simona schreibt:

    Splendida giornata e buon inizio anno SMILES by Simona 🙂

  12. ernstblumenstein schreibt:

    Grazie Simona! Vi invio cordiali saluti 🙂
    Tschau Ernst

  13. buchstabenwiese schreibt:

    Ja, es ist schon erstaunlich, wie spät auch in unserem Land die Gleichberechtigung Einzug gehalten hat, lieber Ernst.

    Herzliche Grüße,
    Martina

  14. ernstblumenstein schreibt:

    Dies war ja der Grund für meinen Beitrag. Wir sind manchmal mit Kritik an anderen Nationen in irgend deiner Sache sehr schnell bereit und vergessen dabei, wie lange wir selber gebraucht haben, bis wir da waren, wo wir heute sind. ❤ 🙂

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