Freitag, 23. Jänner 2015


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Der Schuhputzer

war als Beruf in den 1930er Jahren bei uns verbreitet. Heute arbeitet nur noch ein Schuhputzer am Flughafen Zürich und bedient dort eine betuchte Klientele. In der Türkei und in asiatischen Ländern wird dieser Beruf noch ausgeübt.

Derweil werden Postämter, Bankfilialen, Lebensmittel-Läden und Kneipen geschlossen – der schnöde Mammon lässt grüßen. Dabei geht Lebensqualität wie der Schwatz vor dem Schalter, der Umtrunk in der Beiz oder Begegnungen  verloren.  

Geduldig mustert der Schuhputzer die Passanten und wartet auf Kunden. Sein Geschäft mit Schuhbank und Stuhl hat auf 1 m2 Platz! Dahinter am Boden Bürsten, Dosen und links am Bank fein säuberlich aneinander gereiht Salben, Sprays und Polituren. 

Griechenland 76  Schuhputzer Origi. Prevezza.055

Der Fortschritt schreitet unaufhörlich voran. Roboter ersetzen Menschen, Produktionen werden weiter in Billiglohnländer ausgelagert. Zurück bleibt die in % angegebene Arbeitslosigkeit, hinter der sich menschliche Schicksale verbergen.

Wir haben uns an Arbeitslose, Sozialhilfe, Straßenverkehrsunfälle oder die fast täglich von der SBB gemeldeten Personenunfälle (Selbstmorde) gewöhnt. Steht der Mensch heute noch im Mittelpunkt unserer Politik?

Die Frage sei erlaubt, warum der Gesetzgeber die Bedürfnisse der Menschen nicht höher gewichtet als diejenigen der Wirtschaft und dem Kapital?

Vielleicht gibt es ja in ferner Zukunft auf Grund dieser Entwicklung wieder Schuhputzer – sie würden unser Straßenbild bereichern!

Ernst


Der Spruch zum Tage :

 

Was hilft mir die Weite des Weltalls,

wenn meine Schuhe zu eng sind?

Armenisches Sprichwort.

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36 Antworten zu Freitag, 23. Jänner 2015

  1. Dina schreibt:

    Oh wie gut ich das letzte Sprichwort nachvollziehen kann, lieber Ernst. Meine neuen Stiefel sind vorne zu eng (warum ist mir das im Laden nicht aufgefallen?) und Schmerz, war es schöööön die vorhin ausziehen zu können … puuuh … 🙂
    Danke für deine Gedanken und – ein großes Lob auf die Schuhputzer!
    Dina

  2. Arabella schreibt:

    Ein wahres, kluges Sprichwort.
    Sei gegrüßt.

  3. Guten Morgen Ernst!
    Ja, so ist es.
    Seit sehr vielen Jahren habe ich den Eindruck dass Politik
    auf Zerstörung ausgerichtet ist. Zerstörung im Kleinen – wie im Großen… Unmenschlichkeit hat Vorrang!

    Nachdenkliche, traurige Grüße
    M.M.

  4. Ruhrköpfe schreibt:

    Hallo Ernst,
    danke 🙂
    Viele liebe Grüße
    Annette

  5. Träumerle Kerstin schreibt:

    Lieber Ernst. Ich bin noch nie einem Schuhputzer begegnet, so viele Auslandsurlaube hatten wir auch noch nicht. Aber wenn, dann würde ich mir die Schuhe von ihm putzen lassen. Ich würde ihn anlächeln, mich bedanken und mehr zahlen als ich müsste.
    Echtes Handwerk geht heut verloren. Wie Du schreibst – die Maschinen ersetzen alles. Was gab es früher für Schuhmacher! Heut gibt es Billigschuhe und wenn die kaputt sind, dann landen sie im Müll und es gibt neue. Früher haben wir jedes Jahr in den Schulferien unseren Lederranzen zum Schuster gebracht. Irgend etwas musste immer repariert werden. So auch Schuhe. Absätze, Nähte schließen, Sohlen neu leimen. Ich war gern in der Werkstatt, da roch es so gut nach Leder und Leim. Der Schuster saß an seiner Werkbank, hatte eine Lederschürze um. Und im meterhohen Regal musste man schauen, ob die eigenen Schuhe schon repariert wurden.
    Es gab noch bis kurz vor die Wende bei uns in der Stadt Milchläden. Da gab es nur Molkereiprodukte. Es gab Gemüseläden. Wie haben wir da angestanden nach Bananen und Apfelsinen. Es gab Schneidereien, Buchläden, Haushaltwarengeschäfte. Heut alles Vergangenheit. Übrig geblieben sind bei uns im Ort eine Fleischerei, die selbst noch schlachtet und das Fleisch von einem Bio-Hof bezieht und zwei Bäcker, die noch richtig mit Hand die Brötchen formen und im Ofen backen. Alles andere ist nur noch Industrieware, Massenabpackung.
    Liebe Grüße ins Wochenende von Kerstin.

  6. ernstblumenstein schreibt:

    Liebe Kerstin, ganz herzlichen Dank für deine ausführlichen interessanten weiterführenden Gedanken. Ich bin in Griechenland und in der Türkei durch meine Reisen einigen Schuhputzern begegnet, ich mag diese Leute die das noch tun auch sehr. Tja, der sogenannte Fortschritt schwemmt leider auch mehr und mehr Lebensqualität weg – es wird eintöniger.
    Auch dir liebe Grüsse ins Wochenende. Geniesse die Zeit. Ernst

  7. Simona schreibt:

    BUON WEEKEND ERNST 🙂

  8. Zeitreisender schreibt:

    Sehr guter Spruch zum Tage!
    Ich habe im Ausland auch schon den ein oder anderen Schuhputzer gesehen, habe seine Dienste aber nicht in Anspruch genommen (wohl aus „falschen“ Gefühlen). Hätte ich aus heutiger Sicht aber machen sollen.
    Wann hat der Gesetzgeber die Bedürfnisse der Menschen zum letzten Mal höher gewichtet als diejenigen der Wirtschaft und dem Kapital? Ich kann mich nicht mehr erinnern…

  9. Anna-Lena schreibt:

    Im Berliner Europacenter sitzt gelegentlich einer, ein Bild wie aus einer fremden Welt.
    „Die Frage sei erlaubt, warum der Gesetzgeber die Bedürfnisse der Menschen nicht höher gewichtet als diejenigen der Wirtschaft und dem Kapital? “
    Auf diese Frage hätte ich zu gerne eine Antwort, aber da werden wir warten…

    Hab ein schönes Wochenende, lieber Ernst 🙂 .

  10. araanz50 schreibt:

    Feliz Janeiro de 2015
    Beijos.

  11. Ruhrköpfe schreibt:

    Leider kann ich oben den Antwort-Button nicht mehr finden. Ich tue mich mit den letzten WP-Updates etwas schwer. Nun also hier: Holland und das Rheinland ist nicht sehr weit weg von uns. Liebe Grüße, Annette 🙂

  12. claire schreibt:

    Hallo Ernst, Du schreibst: Vielleicht gibt es ja in ferner Zukunft wieder Schuputzer, sie würden unser Strassenbild bereichern. Ich will es kurz machen, gell Ernst, dann wärst du wieder in deiner früheren Zeit. !!! Lieber Gruss Claire

  13. ernstblumenstein schreibt:

    ja, so kann man es natürlich auch sehen, lach. Ich meinte aber, dass diese negative Globalisierung-Entwicklung immer mehr Arbeitslose produziert und wenn der Staat die Abfederung mit Sozialinstitutionen nicht mehr tragen kann oder abbauen muss, es dann aus lauter Not auch wieder Schuhputzer gäbe. Grüess Ernst

  14. Moun schreibt:

    C’est un petit travail qu’il faudrait remettre au goût du jour… surtout en ces periodes troublées où tant de personnes cherchent à être utiles à la société, à leur pays.
    Je t’embrasse et te remercie pour tes visites régulières.

  15. minibares schreibt:

    Lieber Ernst, es gibt zum Glück noch Leute, die Lederschuhe tragen. Die brauchen auch ab und zu mal einen Schuhputzer.
    ich kann nur noch Walkingschuhe tragen, die brauchen keine Pflege, ab und zu mal abwaschen, das ist es.
    Ganz liebe Grüße Bärbel

    • ernstblumenstein schreibt:

      so ist es Bärbel. Weisst Du, auch ich habe gesundheitliche Probleme mit den Füssen, ich trage nur noch geschlossene Schuhe wenn es unbedingt sein muss. So hat halt jeder seine grösseren oder kleineren Lasten zu tragen. Liebe Grüsse zu dir Ernst

  16. ernstblumenstein schreibt:

    😦 viele haben irgend etwas, ich wünsche dir einen angenehmen Sonntag.

  17. ernstblumenstein schreibt:

    Coucou Marquerite,
    oui, nous avons eu quelques jours merveilleux neige sèche et chaque jour soleil.
    Ce est ainsi que le plaisir de l’hiver. Un salut très affectueux Ernest
    🙂 und einen guten Start in die neue Woche !!!

  18. buchstabenwiese schreibt:

    „Dabei geht Lebensqualität wie der Schwatz vor dem Schalter, der Umtrunk in der Beiz oder Begegnungen verloren.“
    Ja, das wäre sehr schade, lieber Ernst. Ich liebe den kleinen Schwatz an der Kasse im Supermarkt, der bei uns tatsächlich noch möglich ist. Kein richtiger Schwatz, aber ein nettes Lächeln, ein kleiner Kommentar, gemeinsames Lachen … ich finde, das bereichert den Tag.
    Manchmal geschieht es auch in einem Geschäft mit anderen Kunden. Man unterhält sich, erfährt ein winziges Bisschen aus dem Leben des anderen und hier entsteht dann tatsächlich ein kleiner Schwatz. Mir passiert es immer mal wieder, vielleicht, weil ich offen dafür bin. 🙂

    Bei einem Schuhputzer war ich noch nie. Mittlerweile gibt es sie wohl auch nur noch selten, ich erinnere mich gar nicht, ob ich früher mal einen gesehen habe. Aber früher brachte man auch Schuhe noch zum Schuster, zum Besohlen, das ist inzwischen auch seltener geworden, oder nicht? Ich erinnere mich sogar, dass mein Vater schon mal meine Schuhe besohlt hat. Aber er war kein Schuster. 🙂 Macht man heute so was eigentlich noch? Meine Sohlen halten irgendwie ewig. Früher hatte ich immer schnell den Absatz schief, dann wurde der wieder neu besohlt. Vermutlich läuft man heute weniger. 🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

    • ernstblumenstein schreibt:

      Ich glaube auch, dass der Schwatz um die Ecke, an der Kasse oder irgendwo vor allem durch offene Menschen geführt wird. Ich kann problemlos mit „fremden“ Leuten ein anregendes interessantes Gespräch führen, weil ich immer noch sehr neugierig bin und auf Leute zugehen kann. 🙂 😀
      Auch bei uns ist der Schwatz an der Kasse noch weit verbreitet und ich mag und praktiziere ihn auch. *_*
      Liebe Grüsse Ernst

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