Sonntag, 12. April 2015


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New Delhi, Old Delhi, Agra. (5)

Im letzten Reisebericht stellte ich euch das imposante Rote Fort, das Wahrzeichen der Megastadt Delhi, vor. Ich erzählte über die Armut in Indien und wie wir per Stopp reisten.

Wer kommt mit in die Sternwarte Jantar Mantar  (“Magisches Gerät”), wie dieses überdimensionierte  Observatorium in New Delhi heißt?

Solche gigantischen Observatorien ließ der Maharadscha Jai Singh II. zwischen 1724-1734 auch in Ujjain, Mathura, Varanasi und Jaipur, der Hauptstadt seines Fürstenstaates, bauen.

z 3 Delhi Astronomischer Garten IMG-0080 - Kopie

Meine Recherchen über diese archaischen Bauten zeigten jedoch, dass diese Größe vollkommen unnötig war. Schon  damals gab es Fernrohre mit Mikrometerschrauben, also genauere und präzisere Instrumente aus Metall, die bessere Ergebnisse lieferten.

z 3 Delhi Astronomischer Garten IMG-0081 - Kopie

Wahrscheinlich war dem Maharadscha mehr daran gelegen, mit der Errichtung dieser fünf Observatorien seine Macht zu demonstrieren.

Sicher stand auch die kunstvolle Architektur der Bauten im Vordergrund und der Aufwand an Geld und Arbeitskräften musste entsprechend groß gewesen sein.   

z 3 Delhi Astronomischer . Garten IMG-0058

Dies zeigte sich auch im großzügig angelegten und gepflegten Park, in dem das Observatorium liegt. Es gibt noch weitere Legenden und Deutungsversuche über Jai Singh.

z 3New Delhi Park Sternwarte 082

Wahrscheinlich war jedoch, dass die Sternwarte eher den astrologischen Neigungen des Maharadschas als der Astronomie dienten.

z 3Park New Delhi 103

Die Städte Ujjain und Varanasi gehören zu den Sieben heiligen Stätten Indiens und sind die wichtigsten  hinduistischen Pilgerorte.

z 3Park New Delhi .IMG-0253

Weitere Parkanlagen von New Delhi, die ich euch trotz schlechter Qualität der Dias nicht vorenthalten möchte. 

Delhi Tempelanlage  IMG-0095

Auch solche Gartenanlagen beeindruckten mich immer wieder von Neuem.  

Indien Delhi Tempelanlage (2) - Kopie

Indien Tempelanlagewo ND (2) - Kopie

Auf dem Weg zu unserem  “Hotel” ( Sikhtempel) befanden sich auf den Trottoirs unzählige Teestände. Chai kannten und schätzten wir bereits auf unserer Reise durch den nahen und mittleren Osten.

Wir tranken beim Vorbeigehen meistens einen kräftigen Schwarztee. Der Tee kostete für unsere Begriffe ein paar Rappen, also fast nichts. Diese Teestuben waren praktisch Tag und Nacht offen.

z 3Delhi Teestand an Strasse 65 IMG-0075 - Kopie (2)

Obwohl sie erbärmlich ausschauten, wurden sie einigermaßen sauber geführt. Im nachhinein erstaunte es mich trotzdem, dass wir nie Durchfall bekamen oder sonst krank wurden.  

Indien Punjab Street Side

Auch skurrile Straßenmusikanten waren unterwegs, um mit ihrer Musik (Fidelei) Geld zu verdienen. Da ich selber Gitarre spielte und sang, fand ich ihre Konzerte immer sehr schön und cool.

Indien Bettler Musikant (2)

Obwohl ich selber mit wenig Geld unterwegs war, bedeutete diesen Musikern mein Trinkgeld von ein paar Rappen ein fürstlicher Zustupf in ihre Geldschachtel.

Ein fliegender Händler hatte hier seinen Verkaufsstand aufgebaut und wartete auf Kundschaft.

z Indien IMG-0063

Einer der genial gebauten Verpflegungsstände, an denen wir unseren Hunger mit Hamburgern oder “Gemüsetätschli” stillten.

Das mit einem Rauchabzug versehene große Grillblech funktionierte einwandfrei.   

z 3 neu Delhi IMG-0078 - Kopie

 

Als billigstes “Brennholz” diente dem “Wirt” getrockneter Kuhfladen, der aus einem der vielen Trocknungsbetriebe von nebenan stammte.

Reserve Kopie Delhi Brennmaterial Produktion  IMG-0065

Im Gegensatz zu den vielen Prunkbauten in New Delhi sahen wir in Old Delhi grenzenlose Armut und Tristesse. 

z Indien 65 Old Dehli IMG-0077 - Kopie

Für ihn gab es Arbeit in Hülle und Fülle; er zerklopfte alte gebrannte Steine zu Schotter, der für eine neue Straße gebraucht wurde.

z Indien Region New Dehli IMG-0079

Kinder transportierten aus einem Lehmtümpel Material für eine  Baustelle. 

z 21Indien, Kinder liefern Mat. für Strassenbau 0067 - Kopie

Als wir an einem frühen Morgen in Old Delhi unterwegs waren, sahen wir, wie Bettler die über Nacht auf den Gehsteigen gestorben waren, auf einen Ochsenkarren aufgeladen und weggekarrt wurden.

z 3 Indien 65 Ochsen unter Jochgespann -90 

Dies war für unsere Gemütslage eindeutig zu viel und wir  beschlossen, unseren Aufenthalt in Delhi früher als geplant zu beenden. 

Die Reise nach Agra war beschwerlich, brauchten wir doch für die 230 km lange Strecke fast einen ganzen Tag.

Das Haupttor zum Mausoleum Taj Mahal in Agra.

Taj Palast IMG-0059 - Kopie

Das weltberühmte Grabmal Taj Mahal ließ Großmogul Sha Jahan für seine 1631 verstorbene Gattin Mumtaz Mahal erbauen.

Ein Haupt-Eingang zum Mausoleum.

Taj Eingangsportal zum Taj IMG-0057

Das 58 Meter hohe und 56 Meter breite Monument ist mit weißen Marmor eingekleidet und steht auf einer 100 mal 100 Meter großen  Marmorplattform.

Der Haupteingang aus der Nähe.

Taj Haupttor zum Mausoleum 0055

Die Taj Moschee, einfach großartig!

Taj Eingang zum Taj IMG-0061

Mit dem Bau wurde 1631 begonnen und 1648 fertig gestellt. Eine andere Quelle nennt das Jahr 1644! 

Die Taj Moschee.

Tja Original IMG-0056

Das Mausoleum liegt am Ende eines 18 Hektar großen und sehr gepflegten Parks. Im Zentrum liegt ein längliches Wasserbecken.

Über 20’000 Handwerker aus Süd- und Zentralasien sollen am Bau gearbeitet haben. Der persische Architekt Abu Fazel war maßgebend am indo-islamischen Baustil beteiligt.

Der Taj oder Tadsch, wie er auf deutsch heißt. 

z 43 Agra Taj Mahal IMG-0093.(1)

Für die Beschaffung der Baumaterialien in Indien und aus asiatischen Ländern waren rund 1’000 Elefanten nötig, um die Ware zu transportieren.

z 43 Agra Taj Mahal 1965 IMG-0234 - Kopie

Das Taj Mahal wurde 1983 ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen und gilt durch seine Harmonie, die es ausstrahlt, als eines der schönsten Monumente der Welt.

z 43 Collage Agra 1965 Taj Mahal Marmorplatte IMG-0235

Auf der mit Ornamenten verzierten Außenverkleidung wurden zudem 28 verschiedene Arten Edelsteine und Halbedelsteine eingesetzt.

Das Grab wird von muslimischen Bürgern als Gebetsstätte genutzt. Viele frisch verheiratete indische Eheleute suchen den Ort auf, um ihre Liebe zu bestärken.

Taj 234,235 und 242 cats

Ich erinnere mich gut, dass ich mich kaum sattsehen konnte, so sehr beeindruckte mich dieses Monument. Ich kam mir beim seinem Anblick schlicht als kleiner und unbedeutender  Mensch vor. 

Ich hoffe, dass euch meine Aufzeichnungen über diese Reise gefallen haben. In diesem Sinne wünsche ich eine gute Zeit.

Ernst 

Verwendete Quellen: Wikipedia Jantar Mantar. Der Link für Interessierte :
http://www.kultur-in-asien.de/Jantar-Mantar/seite503.htm

Im nächsten Reisebericht über Indien werde ich euch über Varanasi (früher Benares) am Ganges erzählen. In dieser heiligsten Stätte des Hinduismus werden u.a. die Toten verbrannt und ihre Asche in den Ganges gestreut.

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32 Antworten zu Sonntag, 12. April 2015

  1. Anna-Lena schreibt:

    Da bin ich wieder sehr gern mitgereist, lieber Ernst. Indien scheint für viele eine große Anziehungskraft zu haben. Woran liegt das?

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    • ernstblumenstein schreibt:

      Oh, Anna-Lena, bei mir war das vor 50 Jahren ganz anders gewesen!!! Ich habe in Israel kurz vor der Rückreise meine Pläne geändert und bin von Istanbul aus anstatt zurück in die Schweiz nach Indien getrampt, einfach so, um die Welt zu sehen. 🙂
      Indien ist ein vielfältiges Land mit einer fremden und für uns schillernden Kultur. Ich hoffe, Du hast angenehme Ferien gehabt und dich gut erholt. Ich wünsche Dir viele frohe Tage. Liebe Grüsse Ernst

  2. cindy knoke schreibt:

    Wunderschones Ernst mein Freund!

  3. minibares schreibt:

    Lieber Ernst, ich bin gern mit dir und deinen Kumpels gereist.
    So lerne ich Länder und Städte kennen, die ich nie sehen würde.
    Tausend Dank dafür. Sehr beeindruckend. Die Unterschiede zwischen New Delhi und Old Delhi sind ja echt frappierend.
    Aber Agra mit dem Tadj Mahal ist eine Augenweide der Sonderklasse.
    Danke für diese wundervollen Aufnahmen.
    Liebe Grüße Bärbel

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Bärbel, hab Dank für deine Zeilen, die mich freuen. Die Fotos waren halt schon nicht sehr toll, ich habe sie ja eher zufällig geknipst und war nicht auf einer Fotosafari.
      Ich bin ja einfach von Israel anstatt heim in die Schweiz nach Indien weiter getrampt.
      Es sind jetzt genau 50 Jahre her, lach…
      Liebe Grüsse Ernst

  4. Ruhrköpfe schreibt:

    Hallo Ernst, danke für den Einblick 🙂 Liebe Grüße, Annette

  5. ladyfromhamburg schreibt:

    Das Taj Mahal strahlt auch auf den Bildern, obwohl sie ja immer nur eine Zweidimensionalität schaffen können, diese Harmonie aus. Der Eindruck ist schon sehr packend …

    Mich erschüttert immer wieder diese Diskrepanz zwischen Arm und Reich und zwischen Prunk und Verfallenheit. Noch mehr deine Anmerkung, dass die verstorbenen Bettler eingesammelt und abgekarrt wurden …

    Ich bin gern dabeigewesen, Ernst!

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke dir für deine Bemerkungen, Michèle. Ja, es war genauso – eingesammelt und abgekarrt !!! Wir fragten dort Einheimische, die uns bestätigten, dass sich diese Situation jeden Morgen so wiederholte. Aufgepasst, das war natürlich genau vor 50 Jahren. Ich bin sicher, dass dies heute nicht mehr so abläuft !
      Trotzdem, für uns war Indien mit seiner uns sehr fremden schillernden Kultur sehr interessant.
      Wünsche dir eine gute Zeit. Ernst

  6. ute42 schreibt:

    Wieder sehr interessant, lieber Ernst. Großer Reichtum und schlimme Armut, was für Unterschiede. Eine Freundin von mir musste vor Jahren ihre Indienreise abbrechen, weil sie das psychisch nicht mehr ausgehalten hat. Drum kann ich auch verstehen, dass ihr euren Delhi-Aufenthalt früher als geplant abgebrochen habt. Tee auf offener Straße zu trinken, das hätte ich mich nicht getraut. Gut, dass du gesund geblieben bist.

  7. giselzitrone schreibt:

    Schöne Reise ich wünsche dir einen schönen Montag und eine gute neue Woche lieber Gruß Gislinde

  8. Träumerle Kerstin schreibt:

    Du hast Dir wieder so viel Mühe gegeben mit der Ausarbeitung des Berichtes lieber Ernst. Ich habe Deine Schilderungen gierig verschlungen. Was für ein armes Land und als Kontrast dazu diese prunkvollen Bauten.
    Es ist schon erstaunlich, dass ihr nie krank geworden seid. Gerade das Wasser ist oftmals Auslöser für Magen- und Darmprobleme.
    Der Abtransport der Toten hätte mich auch geschockt. Wenn man solch Elend sieht, bekommt man ein schlechtes Gewissen, weil es einem selbst so gut geht. Ich kann das auch immer ganz schlecht wegstecken.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke Kerstin für deine Zeilen. Das war halt vor 50 Jahren so und die Toten Bettler wurden in Old Delhi jeden Tag aufs Neue eingesammelt.
      Ich wünsche dir eine gute Woche und viel Freude. Geniesse die Vorsommerzeit. Liebe Grüsse Ernst

  9. Silberdistel schreibt:

    Das waren wieder einmal beeindruckende Bilder, lieber Ernst. Wie beeindruckend muss das Taj Mahal erst in der Wirklichkeit sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass man, wie Du schreibst, sich gar nicht sattsehen konnte.
    Dass die verstorbenen Bettler eingesammelt und weggekarrt wurden, das war sicher eine andere Art von eindrucksvoll. Das sind, glaube ich, Dinge, die man so gar nicht fassen kann.
    Danke wieder einmal fürs Mitnehmen in eine so andere und fremde Welt sagt die Silberdistel

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank liebe Silberdistel für deine Zeilen. Es sind sehr interessante und schwer vorstellbare Eindrücke gewesen. die wir damals in Indien auf unserer Reise erlebten.

      Trotzdem bin ich froh, dass ich diese Reise so nah und live bei den einheimischen einfachen Leuten erleben konnte. So lernte ich damals die Völker und Länder richtig kennen. Die heutigen Touristen kommen ja in diesen Ländern mit normalen Leuten gar nicht mehr in Kontakt.
      Liebe Grüsse in den Norden, wo der Vorsommer wahrscheinlich auch schon Einzug gehalten hat. Ernst

  10. Arabella schreibt:

    Eine so schöne Reise zu einem der wundervollsten Orte der Welt, vielen Dank.
    Herzeliges

  11. giselzitrone schreibt:

    Danke wünsche einen schönen Mittwoch sind heute auch an der Ahr liebe Grüße von hier Gislinde

    • ernstblumenstein schreibt:

      Heute war nochmals ein prächtiger Sommertag, das Wetter wird kehren. Für die Natur ist Regen jetzt wichtig und da wir sind ja selber Teil dieser Natur sind, ist es ok. Ist die Ahr ein natürlicher Fluss, der zur Erholung einlädt?
      Dir noch eine schöne Woche. Ernst

  12. ernstblumenstein schreibt:

    Hoi Finarsgift,
    ich fand das Antwort-Schildchen bei deinem Ko nicht, so was 😦
    Danke…

  13. Clanmother schreibt:

    My dear friend, I learn so much from your posts. This is the second time that I have come back to read. Your detailed discriptions – it is like I am there with you. Thank you again for creating an amazing place to visit. 🙂

  14. ernstblumenstein schreibt:

    Hab Dank meine liebe Rebecca für deine Zeilen, die mich sehr freuen. Es ist ja eine Erinnerung aus einer längst vergangenen Zeit. Ich wünsche dir alles Gute und eine frohe und schöne Zeit.
    Ernst
    My thanks my dear Rebecca for your lines that made me very happy. It’s a reminder of a bygone era. I wish you all the best and a happy and enjoyable time. Ernst

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