Die Emauskapelle in Zufikon


 

Einsiedelei St. Antonius

Ich mag Kapellen, Wegkreuze oder Gedenkstätten, weil sie unsere Landschaft prägen und Teil unserer lokalen Kultur und Geschichte sind.

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Heute zeige ich euch die spirituelle Emauskapelle in Zufikon, die oberhalb von Bremgarten an der Reuß liegt. Der Flurname Emaus bedeutet «Gelände am Wasser».

Ich besuchte diesen wunderbaren Ort im Spätherbst und im zeitigen Frühjahr. Die Einsiedelei inspirierte mich jedes Mal von Neuem.

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Der ganze Ort strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus und lädt jede/n Besucher/in zum Verweilen, Innehalten, Beten oder einfach zum Sein ein.

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Bereits in der 1. Hälfte des 15. Jh. gab es auf dem Krähenbühl in Zufikon eine einfache Kapelle zu Ehren des hl. Antonius.  Auch sollen dort Einsiedler in einer bescheidenen Hütte gehaust haben.

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1528 gab es in der Nähe dieser Kapelle beim Streit zwischen katholischen und reformierten Bauern einen Totschlag, der den Ort entweihte.

Der Mord bewog die Obrigkeit von Bremgarten, die Kapelle niederreißen zu lassen, umso mehr, als auch die Nähe zur Stadt auf die Waldbrüder einen schlechten Einfluss ausübte.

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Eine neue Kapelle inkl. Waldbruderwohnung wurde dann im Emaus in der 2. Hälfte des 16. Jh. zu Ehren der Muttergottes und des hl. Antonius errichtet.  

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Die Bilderreihe in der Kapelle stammt aus dem 17. Jh. und   erzählt in der Vorstellungswelt der barocken Volksfrömmigkeit jener Zeit vom hl. Antonius und von Bruder Klaus.

In der 1. Hälfte des 20. Jh. baute der Zufiker Pfarrer Theophil Kramer die Einsiedelei aus. Er nahm grosse Eingriffe vor und schuf sich ein umstrittenes Denkmal. Doch davon später. 

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Er ließ die Chorwand ausbrechen und eine halbrunde Apsis anbauen. Es folgte der Aushub einer Krypta für ein Marienheiligtum.

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Dann ließ er die Antonius Halle bauen.

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Auch einen “Bruderklaushof” ließ der Pfarrer anbauen.

Ich mag diesen Hof sehr. Seine Gestaltung mit dem Brunnen im Zentrum, den vorstehenden Dächern und seinen Bildern spricht mich an. Er strahlt Ruhe aus, lässt mich anhalten und staunen.

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All diese Eingriffe und Anbauten fanden Sachverständige im Nachhinein aber als nicht sehr glücklich und fragwürdig.

Verwirklichen konnte Kramer die Umbauten nur dank dem Schuhfabrikanten Carl Dosenbach, der ihn großzügig unterstützte und half, die Einsiedelei in eine Stiftung zu überführen.

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Diese sicherte den Fortbestand und ermöglichte 1951 den Bau eins Priesterheims. 1955 bezogen Kapuziner Quartier und 1992 lösten Franziskaner-Schwestern die Kapuziner ab.

So gesehen hat Pfarrer Kramer mit seinem Wirken doch einen wichtigen Beitrag fürs Emaus geleistet.

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Wer die Möglichkeit hat nach Zufikon ins Emaus zu reisen, dem kann ich einen Besuch empfehlen. 

Ich habe Sterben und Auferstehn gelesen und finde, dass einige Gedanken darin sehr aktuell sind und in die heutige, vom Flüchtlingselend geprägte Zeit passen. Ernst

Spiritueller Impuls: Sterben und Auferstehn

Dach überm Kopf, Menschen zu bergen,
Tür die zur Stille offen steht.
Mauern wie Haut, Fenster wie Augen
spähen und hoffen auf den Tag.
Haus, das lebendig wird wie ein Leib, wenn wir nach innen gehen,
um recht vor Gott zu stehn.
Worte von fern, fallende Sterne;
Funken vor Zeiten ausgesät.
Namen für ihn, Träume, Signale,
tief aus der Welt zu uns geweht.
Münder aus Erde hören und sehn und sprechen neu das Wort
von Gott, der uns befreit.
Tisch, der vereint, Brot soll uns zeigen,
dass wir einander zugehörn.
Wunder von Gott, Menschen in Frieden,
altes Geheimnis neu erkannt.
Brechen und Teilen, Sein im Vergehn, das Undenkbare tun:
Sterben und Auferstehn.

Huub Oosterhuis (Übertragung: Lothar Zenetti 1971) 

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34 Antworten zu Die Emauskapelle in Zufikon

  1. BB schreibt:

    Ich wohne seit 40 Jahrne im Freiamt, bin schon unzählige Male an der Emaus Kapelle vorbei gelaufen und habe sie – oh Schande – noch nie besucht. Das hole ich jetzt nach, danke Ernst für den Hinweis.
    BB

  2. Arabella schreibt:

    Gerne folge ich deinen Ausführungen und Ausflügen.
    Danke für diesen und einen lieben Gruß.

  3. giselzitrone schreibt:

    Einen schönen Freitag wünsche ich dir wunderschöne Fotos die Bilder an den Wänden sind sehr beeindruckend.Ich wünsche dir ein schönes sonniges Wochenende an der Ahr ist das Wetter noch schön Morgen soll es Regnen liebe Grüße Gislinde

  4. Belana Hermine schreibt:

    Sehr interessant geschrieben und lehrreich. Danke.

  5. ute42 schreibt:

    Ein schöner Ort, um sich von der lauten Welt zu erholen. Mir gefallen die Anbauten, auch wenn Pfarrer Kramer dafür kritisiert wurde. Sie du schon schreibst, nachträglich gesehen hat er alles richtig gemacht.

  6. ladyfromhamburg schreibt:

    Das war für mich gerade ein sehr gelungener Einblick sowohl in die Geschichte als auch in die Entwicklung (Abriss, Neubau, Erweiterungen, Nutzung im Wechsel der Zeiten etc. ) der Emauskapelle von Zufikon. Deine Fotos taten ihr Übriges, um sich eine Vorstellung von Größe, Aufteilung und Ausstattung, aber auch von der Atmosphäre zu machen.
    Der angebaute Hof gefällt mir auch sehr gut, Ernst! Ebenso das von dir am Schluss zitierte Gedicht von Huub Oosterhuis!

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank Michèle für deine Zeilen. Ich hoffe, dass besseres Wetter und Wärme nach diesem Wintereinbruch bald zurückkehrt, damit wir die Farben der Natur so richtig geniessen können. Die Blust der Kirschbäume ist bei uns ja schon vorbei.
      Hab eine gute Zeit und liebe Grüsse Ernst

  7. Silberdistel schreibt:

    Ein interessanter Ausflug in ein interessantes Stück Geschichte und wie mir scheint, lieber Ernst, auch in ein schönes Stückchen Natur. Deine Bilder lassen erahnen, was für einen schönen Ort man dort vorfindet, einen der tiefe Ruhe ausstrahlt. Einfach nur schön. Ich kann verstehen, dass man sich dort wohlfühlt und gern immer wieder einmal dort reinschaut. Welches genau waren denn die Kritikpunkte, die der Pfarrer erntete? Also mir gefällt es rundum, auch den angebauten Hof finde ich ausgesprochen gelungen.
    Liebe Grüße schickt Dir die Silberdistel aus dem sonnigen Norden

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank Silberdistel für deinen Kommentar. Der Ort vermittelt wirklich Stille und Geborgenheit abseits der nahen Zivilisation. Bezüglich des Ausbaus der Einsiedelei bemängeln Experten den nachträglichen Einbau der Krypta, doch ich bin protestantisch und weiss es wirklich nicht. Betreffend dem Anbau des Bruderklaushofes könnte ich mir vorstellen, dass die ‚Bruderklaus-Überlieferung‘ für diese Einsiedelei und ihre Geschichte nicht passte. Mir jedoch gefällt der Hof sehr.
      Ich schicke dir kalte Grüsse aus dem winterlichen Süden. Ernst

  8. Simona schreibt:

    Foto stupende! Buon sabato my friend🙂

  9. Anna-Lena schreibt:

    Ich mag solche kleinen Oasen der Einkehr und der Stille. Du hast uns wieder sehr schön geführt, lieber Ernst und dafür danke ich dir.

    Lieben Gruß in die Schweiz und für euch einen schönen Sonntag,
    Anna-Lena

  10. minibares schreibt:

    Lieber Ernst,
    danke für deine gute Führung. Da werde ich still.
    Meine erste Kirche war St. Antonius, da ging ich auch zur Erst-Kommunion
    LG Bärbel

  11. kowkla123 schreibt:

    das mag ich auch gerne anschauen, mache es gut und eine gute neue Woche

  12. Träumerle Kerstin schreibt:

    Danke wieder für so einen schönen Beitrag lieber Ernst. Meine Augen hatten ihre Freude an den Bildern. So was gefällt mir. Orte der Stille liegen mir sowieso mehr als Orte voller Menschenmassen. Und bin ich an so alten Stätten, so überkommt mich die Stille, überkommen mich Gedanken.
    Unsere alte Kirche am Friedhof ist über 400 Jahre alt und eine reine Begräbniskirche. So alt, so rustikal, Holz und Malereien. Grad letzte Woche stand die Tür offen und ich traf unseren Küster. Ich habe mit ihm geplaudert und meinte, ich müsse unbedingt mal mit Kamera kommen und sie im Blog zeigen. Viel schöner als jede prunkvoll ausgestattete Kirche.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen herzlichen Dank Kerstin für deine weiterführenden Gedanken über stille Orte. Ich mag so Orte mit einfachen Kapellen oder Begräbnishallen auf Friedhöfen sehr. Ich würde mich freuen, wenn Du eure alte Begräbniskirche in einem Bericht zeigen würdest.

      Das Einfache im Leben ist mir auch wichtiger als Prunk und Show und ich bin damit all die vielen Jahre immer sehr gut gefahren.
      Liebe Grüsse schickt dir Ernst.

  13. kowkla123 schreibt:

    eine gute Woche wünsche ich, lieber Ernst

  14. Margrit Kehl schreibt:

    Lieber Ernst

    Ich mag solche Orte der Stille aus sehr ,
    danke für die wunderbaren Fotos und die
    super Info dazu .eine sehr interessante
    Geschichte !
    Ich bin sehr fasziniert von der Malerei ,
    einfach traumhaft schön !
    Meine Lieblingskapelle ist
    das Wildkirchli mit der Kapelle St. Michael !
    Hoch hinauf muss man wandern aber es lohnt sich !

    Liebi Grüessli vo
    äned am Bärg
    Margrit

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank Margrit für deine Zeilen. Ich kenne das Wildkirchli nicht, danke für den Hinweis! Ich habe gegoogelt und mich schlau gemacht – ein toller Ort, der nicht umsonst als von „nationaler Bedeutung“ eingestuft wurde.
      Tja, ich finde die Malereien im Emaus ebenfalls sehr faszinierend.
      Liebi Grüess Ernst

  15. restlessjo schreibt:

    Sehr schone, Ernst 🙂

  16. kowkla123 schreibt:

    einen guten Tag wünsche ich dir, lieber ERnst

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