Robinson Crusoe… 1. Teil


 

Ich las kürzlich wieder eine Zusammenfassung von Robinson Crusoe. Seine abenteuerlichen Reiseerlebnisse habe ich als Kind mit Begeisterung gelesen und mitbekommen, was ich so alles erfolgreich selber hätte machen könnte. Es war damals das Kinderbuch schlechthin, wurde es doch in alle Sprachen übersetzt und weltweit verlegt.

Defoe

Daniel Defoe (1659-1731), nach einem zeitgenössischen
Stich aus der National Portrait Galery in London. 

Den Text habe ich modernisiert, damit er einfacher zu lesen ist. Ich getraue mich, hier eine Kurzfassung zu bringen, weil ich glaube, dass euch das Buch trotz Kannibalen-Szenen und gelegentlichen “Gemetzel” auch gefallen hat.

Mehr noch – irgendwie bemerkte ich nach dem Lesen, dass sich die Geschichte von ”Schiffbrüchigen” heute unter elenderen Umständen wiederholt. Ob es euch auch so gehen wird?

Von jungen Lesern würde ich sicher ausgelacht – so nach dem Motto: Haha,hm – Robinson Crusoe – wer? Aber bei mir lesen ja keine jungen Leser – nur Junggebliebene!   

sw 1

“Ich wurde 1632 in der Stadt York geboren. Mein Vater war ein Deutscher aus Bremen, der sich in Hull als Kaufmann ein ansehnliches Vermögen erworben hatte. Er gab sein Geschäft auf und übersiedelte nach York, wo er meine Mutter heiratete, die aus der angesehenen Familie Robinson stammte. Man nannte mich also Robinson Kreutzer.

Nach der üblichen Art der Engländer, Worte zu verunstalten, nennen und schreiben wir uns jetzt Crusoe. So nannten mich auch meine Kameraden.”

z Bild 1 b Beim Vater (2)

Dem jungen Kaufmannssohn aus York stand der Sinn keineswegs nach einem Leben in der Enge und Behaglichkeit des väterlichen Hauses; in ihm lebte der Wunsch, zur See zu gehen und Abenteuer zu bestehen.

Eines Tages kam es zur Aussprache zwischen Vater und Sohn und der alte Crusoe versuchte, Robinson von seinem Vorhaben abzubringen. Er ermahnte ihn, im Leben den goldenen Mittelweg zu gehen und ein Dasein in “Frieden, Mäßigkeit, Gesundheit und Geselligkeit zu nehmen.” 

z Bild 1 (2)

Die Predigt des Vaters wirkte nicht lange. Robinson stahl sich am 1. September 1651 heimlich aus dem elterlichen Haus und ging an Bord eines nach London bestimmten Schiffes. Dieses erlitt jedoch Schiffbruch, bevor es London erreicht hatte.

Robinson zögerte nochmals, doch seine Sehnsucht nach der Ferne war stärker. Er schiffte sich wieder ein und erlebte viele Abenteuer, Stürme, er gewann Kämpfe mit wilden Tieren und meisterte Auseinandersetzungen mit Sklaverei. Doch eines Tages geriet er in einen gewaltigen Sturm und erlitt wieder Schiffbruch. Unweit des Ufers versank das Rettungsboot mit ihm in den stürmischen Fluten.  

z Bild 2 (2)

Robinson war aber zu anderem ausersehen, als in der See sein Grab zu finden. Statt ihn unter sich zu begraben, schleuderte ihn die Brandung gegen das Ufer einer Insel. Mehrmals drohte die See, ihn zurück ins Meer zu spülen. Er berichtete, “als ich merkte, dass sie mich wieder überfluten würde, beschloss ich, mich an einem Felsen festzuklammern und meinen Atem anzuhalten, bis der Stoß vorüber war. 

Da ich schon näher an Land war, kamen die Wellen nicht mehr so hoch wie vorher und ich hielt mich fest, bis sie verlaufen waren. Dann rannte ich weiter und entkam der nächsten Woge. Erleichtert kletterte ich die Klippen der Küste hoch und setzte mich ins Gras, die Gefahr war vorbei und ich außer Reichweite der See.”

z Bild 3 (2)

Es ist schwer, die Dankbarkeit zu beschreiben, die Robinson bewegte, als er in Sicherheit war. Doch bald wurde ihm mit Bestürzung bewusst, dass er zwar gerettet war, aber nichts mehr für sein Dasein hatte.

Er war durchnässt und hungrig, trug nichts mehr auf sich als ein Messer, eine Tabakpfeife und in einer Dose etwas Tabak. Er hatte keine Waffe, um sich zu verteidigen oder ein Tier zu jagen und wusste auch nicht, ob er sich auf der Insel überhaupt ernähren konnte.

Als die Nacht hereinbrach, befiel ihn die Angst vor wilden Tieren. Er wusste sich nicht anders zu helfen, als auf einen Baum zu klettern und dort zu übernachten. Er war ohne Hoffnung, weiterhin am Leben zu bleiben und fiel vor lauter Erschöpfung in einen tiefen Schlaf.

z Bild 4 (2)

Am anderen Tag entdeckte Robinson zuerst das gesunkene Schiff, das von der Flut auf einen Felsen geworfen worden war und jetzt hoch aus der ruhigen See herausragte. Mit der eintretenden Ebbe schwamm er hinaus zum Wrack, um zu sehen, was nach dem Sturm noch an brauchbaren Waren übrig geblieben war.

Zu seiner großen Freude fand er seinen gesamten Mundvorrat trocken vor. Nachdem er sich aus Planken notdürftig ein Floss gezimmert hatte, füllte er drei Seemannskisten mit allem, was er für sein Inselleben brauchte: Brot, Reis, Käse, gedörrtes Fleisch, Wein sowie Kleidung, Werkzeuge, Waffen und Pulver.

So ausgerüstet trat Robinson mit seinem primitiven Fahrzeug den Rückweg an. Es gelang ihm nach etlichen Schwierigkeiten mit seiner ganzen Habe wohlbehalten in einer kleinen Bucht anzulegen.

z Bild 5 (2)

Robinson fuhr noch mehrmals zum Schiff hinaus, bis eines Nachts erneut ein heftiger Sturm aufkam, der das Wrack endgültig versenkte. Nun ging er daran, sich eine sichere Wohnstätte zu bauen, die ihn vor dem Angriff von Wilden und vor Raubtieren schützen sollte. 

Am Fuß einer steilen Felswand fand er einen geeigneten ebenen Platz, der etwa hundert Schritte breit, doppelt so lang war und gegen das Ufer hin abfiel. Dort schlug er sein selbst gemachtes Zelt auf und zog darum einen Halbkreis, in den er zwei Reihen starke Stangen einschlug. Dann legte er Tauende reihenweise übereinander zwischen die Pfahlzäune und verstrebte sie zusätzlich mit Pfählen. Es entstand so eine regelrechte Palisadenwand, die nur mit einer Leiter überstiegen werden konnte.

z Bild 6

Neben der Arbeit an seiner Hütte zog Robinson auch täglich aus, um zu jagen und die Insel zu erkunden. Gleich beim ersten Mal entdeckte er sehr scheue Ziegen, die in den Felsabhängen lebten.

Er bemerkte, dass er sie nur schießen konnte, wenn er sich ihnen von oben näherte, da er beobachtete, “dass ihre Augen nach unten gerichtet waren und sie deswegen Dinge über ihnen nicht gut wahrnehmen konnten. Ich kletterte deshalb”, so berichtete er, “zuerst immer über den Felsen und machte so häufig Beute.”

z Bild 7

Auf seinen weiteren Streifzügen bemerkte er, dass er sein Zelt auf der schlechteren Seite der Insel gebaut hatte; denn die andere erwies sich als sehr viel lieblicher und fruchtbarer. Hier stieß er auf eine Fülle von Tieren: Papageien, Hasen, Füchse, alle Arten von Vögeln, darunter Tauben und Pinguine.

Er sah auch unzählige riesige Wasserschildkröten, sodass die Nahrungsversorgung nun völlig sicher war. Sodass sogar der “Landauer Markt” seinen Tisch “nicht besser hätte versorgen können.”

z Bild 8

Auf einem seiner Streifzüge nach der Westseite der Insel erspähte Robinson in der Ferne einen schmalen Landstrich. Ab diesem Tag fand er keine Ruhe mehr, bis er den tollkühnen Gedanken gefasst hatte, sich ein Boot zu bauen und damit hinüber an das ersehnte Land zu gelangen. Er fällte eine Zeder, die wohl grösser und prächtiger war als alle, die Salomon zum Bau seines Tempels verwendet hatte. Die Arbeit dauerte fast vier Monate, bis er einen Einbaum fertig gebaut hatte, wie ihn die Eingeborenen dieser Gegend benützten.

Doch all seine Bemühungen, ihn ans Wasser zu schaffen, schlugen fehl: er vermochte ihn keinen Schritt von der Stelle zu bewegen. Den Gedanken, einen Kanal bis an den Strand zu graben, musste er auch begraben, hätte ihn doch diese Arbeit etwa zwölf Jahre gekostet. Während dieser Bauzeit lief Robinsons viertes Jahr auf der Insel ab. Er beging deshalb den Tag in Andacht und Dankbarkeit. Zugleich gab er den Wunsch endgültig auf, die Insel zu verlassen. .  

z Bild 9

Die Vorräte, die er aus dem Wrack geborgen hatte, nahmen mit der Zeit ab und seine Kleidung begann zu verfallen. Es blieben ihm nur noch ein paar Matrosen-Wachtmäntel, die jedoch für das Klima dieser Gegend ungeeignet waren. Aber nackt herum laufen wollte er auch nicht, obwohl er ja alleine auf der Insel war.

Er begann sich aus Tierfellen, die er nach und nach gesammelt und getrocknet hatte, eine Kleidung anzufertigen, die ihn sowohl gegen Nässe wie die schlimmste Hitze schützte. Nun fehlte in seiner Ausrüstung nur noch ein Schirm, der ihm Sonne und Regen abhalten half. 

Diese Arbeit kostete ihn unendlich viel Mühe und erst nach mehreren missglückten Versuchen gelang es ihm, den Schirm so zu konstruieren, dass er funktionierte. Das Gestell bezog er mit Fellen, die Haare nach außen, sodass der Regen daran ablief wie an einem Wetterdach. So war er gegen die Unbill der Witterung geschützt und streifte fortan glücklich durch seine Insel.

Den 2. Teil werde ich in einer Woche veröffentlichen. Bis dann wünsche ich euch eine gute Zeit.

 
Ernst

 

Quellenangabe: DU vom Mai 1966.
Die Buchillustrationen sind aus dem 18. und 19. Jh.

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24 Antworten zu Robinson Crusoe… 1. Teil

  1. kowkla123 schreibt:

    ich danke für den schönen Beitrag, auch wenn es schneit und stürmt, genieße das Wochenende

  2. Anhora schreibt:

    Toll, die Geschichte wieder einmal in Erinnerung zu rufen! Bin schon gespannt auf den 2. Teil. Mir gefällt der leicht lesbare Schreibstil, in dem kein Wort zuviel ist. (Ich hasse nutzlose Füllwörter.) 🙂

  3. ladyfromhamburg schreibt:

    Auf diese Art ist man sehr schnell drinnen in der Geschichte des Robinson Crusoe – und sein Leben auf der Insel nach dem Schiffbruch ist nicht minder spannend als in dem dicken Originalwälzer von Defoe. Gut lesbar und wirklich unverschnörkelt. Eine schöne Alternative!

    LG Michèle

  4. Träumerle Kerstin schreibt:

    Du machst dir aber eine Mühe lieber Ernst. Wer kennt nicht dieses Abenteuer? Wir haben es in der Schule lesen müssen, aber es war wenigstens ein spannendes Buch. Und Verfilmungen gibt es auch einige.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  5. Anna-Lena schreibt:

    Ich erinnere mich auch gern an diese Abenteuer. Danke, dass du uns mitnimmst in eine Zeit, in der wir noch unbefangen genießen konnten.

    Herzliche Grüße
    Anna-Lena

  6. rabirius schreibt:

    Interessantes Projekt.

  7. giselzitrone schreibt:

    Wünsche dir einen schönen Nachmittag eine schöne Geschichte ist schon sehr spannend und schöne Bilder dabei hast dir viel Mühe gemacht.Ich wünsche dir eine gute neue Woche und alles Liebe Gislinde

  8. bmh schreibt:

    Dies Kurzfasung zu gestalten, hat Dir bestimmt Spaß gemacht 🙂

  9. Ruhrköpfe schreibt:

    Hallo lieber Ernst, eine schön geschriebene Kurzfassung – macht Spaß, es zu lesen 🙂 LG Annette

  10. Leyla schreibt:

    very interesting 🙂

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