Robinson Crusoe… 2. Teil


 

z Bild 9

Nach langem pröbeln gelang es Robinson, einen Schirm zu machen, der ihn gegen Sonne und Regen schützte. 

z Bild 10

Mancher Griesgram hätte gelacht, wenn er mich mit meiner kleinen Familie am Esstisch gesehen hätte. Zuoberst saß ich, der “König”, der über die Insel und das Leben seiner Bürger bestimmte. Poll, der Papagei war mein Liebling, nur er durfte mit mir sprechen.

Weiter saß stets zu meiner Rechten mein alter Hund, der leider auf dem Eiland keine Hundedame fand, um sich mit ihr paaren zu können. Und da waren noch die beiden Katzen, die Acht gaben, um die Bissen aufzufangen die ich ihnen manchmal zuwarf.

z Bild 11

Robinson lebte schon fünfzehn Jahre auf der Insel, pflegte  seinen Garten und züchtete Ziegen. Mit einem kleineren Boot unternahm er kürzere Ausfahrten. Eines Tages entdeckte er am Strand im nassen Sand den Abdruck eines Menschenfußes.

Obwohl er sich nach menschlicher Gesellschaft sehnte, erschrak er und bekam Angst. Er verschanzte sich tagelang in seiner “Festung”. Später stieß er an der Südwestspitze der Insel auf eine Feuerstelle, um die im weiten Umkreis Menschenknochen lagen. Ohne Zweifel hielten hier Wilde kannibalische Festmahle ab.

z Bild 12

Seither schlich Robinson unruhig durch die Insel, vermutete hinter jedem Baum einen Menschenfresser, hatte grosse Angst vor diesen Wilden und sann auf Rache! Er suchte einen Beobachtungsposten, von dem er die Kannibalen  bei ihrem nächsten Besuch überraschen und niederschießen konnte.

Drei Monate lang hielt er vergeblich Ausschau. In dieser Zeit überzeugte er sich von der Sinnlosigkeit seines Tuns und kam zur Einsicht, dass sich diese Menschen bei ihrem Mahl ebenso wenig Böses dachten wie er, wenn er sein Ziegenfleisch aß. Trotzdem suchte er einen sicheren Unterschlupf, von dem aus er sich verteidigen konnte, sollte er angegriffen werden.

z Bild 13

Noch immer wartete Robinson gespannt auf die Rückkehr der Wilden, als er in einer stürmischen Nacht Kanonenschüsse hörte und erschrak. Er lief zum Ausguck und machte sofort ein Feuer, um auf sich aufmerksam zu machen. Am Morgen sah er in der Ferne Umrisse eines Schiffes, das auf Klippen aufgelaufen sein musste.

Ob es Überlebende gab? Bei diesem Gedanken kam wieder seine Sehnsucht nach Menschen auf. “Oh wäre es doch einer”, sagte er immer wieder vor sich hin. Wenig später fand er am Ufer die angeschwemmte Leiche eines Matrosen – es war das erste menschliche Wesen nach vierundzwanzig Jahren, das er erblickte.

z Bild 14

Eines Morgens zur Erntezeit nahm er einen Feuerschein wahr. Die Wilden waren wieder am Strand. Er lief so schnell es ging in seine sichere “Burg”, wo er seine Waffen zur Verteidigung bereit machte. Die Neugierde trieb ihn hinaus zum Ausguck, wo er im Fernglas neun nackte Wilde um das Feuer hocken sah.

Sie waren in mehreren Kanus da, hatten ihr blutiges Mahl schon beendet und warteten jetzt auf die Flut, die ihnen die Rückfahrt erlaubte. Aus Ekel und Wut hätte er sie am liebsten wieder über den Haufen geschossen. Doch nun war er sicher, dass sie stets nur bei Ebbe kamen, sodass er bei Flut ruhig seinen Verpflichtungen nachgehen konnte.

z Bild 15

Bei ihrem nächsten Besuch wollte er versuchen, einen Mann zu fangen, damit er endlich die ersehnte Gesellschaft erhielt. Aber erst eineinhalb Jahre später fanden sich wieder Eingeborene zum Festmahl ein. Plötzlich nahm eines der Opfer Reißaus und lief, von Feinden verfolgt, direkt auf sein Versteck zu. Es gelang Robinson, die Verfolger abzuwehren. 

Der Gerettete kam näher, kniete vor Robinson nieder und gab ihm zu verstehen, wie dankbar er war! Robinson hatte einen Gefährten gefunden und gab ihm den Namen Freitag, weil es just Freitag war. 

z Bild 16

Freitag war sehr gelehrig und anhänglich. Schon nach kurzer Zeit konnte sich Robinson gut mit ihm unterhalten und ihm seine barbarischen Essgewohnheiten abgewöhnen. Brot, Milch und Ziegenfleisch schmeckten ihm gut, nur von Salz wollte er nichts wissen. Er brachte ihm auch bei, wie er mit Flinte und Pulver umgehen musste und begann, ihn im christlichen Glauben zu unterweisen. 

Oft stellte ihm Freitag naive Fragen und zwang ihn, über vieles intensiver nachzudenken. Obwohl er Heimweh hatte, wollte er die Insel ohne Robinson nicht verlassen. Deshalb fällten sie zusammen einen geeigneten Baumstamm, um einen Einbaum zu bauen, mit dem sie zum Festland fahren konnten.   

z Bild 17

Inzwischen waren siebenundzwanzig Jahre vergangen. Zwei Wochen vor der geplanten Abreise entdeckte Freitag Kanus, die sich der Insel näherten. Robinson war entschlossen, mit ihm den Kampf gegen die Wilden aufzunehmen, umso mehr als er sah, dass einer der Gefangenen ein Weißer war. Sie stürmten aus dem Hinterhalt auf sie ein. Einige flohen über das Meer.

Robinson befreite den Mann, der sich als Spanier namens Christianus ausgab, während Freitag ein flüchtendes Kanu verfolgte und noch einen Gefangenen entdeckte – seinen Vater! Er schrie, weinte und lachte vor Freude. Die beiden Geretteten waren so schwach, dass sie auf einer Bahre zur Hütte getragen werden mussten, wo sie dann aßen und sich erholten.

z Bild 18

Der Spanier und Freitags Vater hatten die Insel im Kanu bereits verlassen, als sich ein Schiff näherte. Ein Boot legte an, aus dem Seeleute ausstiegen, drei Männer aussetzten und sich entfernten. Robinson fragte, ob er helfen könne und wer sie seien. Es war der Kapitän, ein Steuermann und ein Passagier des Schiffes, auf dem gemeutert worden war. 

Robinson war bereit, ihnen bei der Rückeroberung des Schiffes zu helfen, falls sie ihn und Freitag nach England mitnehmen würden. Sie wurden einig und es begann ein harter Kampf gegen die restlichen Männer auf der Insel und gegen die übrige Mannschaft auf dem Schiff. Der Kampf ging erst nach Stunden mit dem Sieg des Kapitäns zu Ende.

z Bild 19

Der Rebellenkapitän wurde an der Rahe aufgeknüpft und die fünf Rädelsführer zur Strafe auf der Insel ausgesetzt. Robinson versorgte sie mit Waffen und Nahrungsmitteln und gab ihnen auch Ratschläge fürs Inselleben mit, bevor er an Bord ging.

Als Andenken an seine Zeit auf der Insel nahm er den Schirm, die Ziegenfellmütze, den Papagei und Freitag mit. Alles andere überließ er den ausgesetzten Seeleuten auf der Insel. Nach über achtundzwanzig Jahren konnte er dann endlich seinen Fuß wieder auf englischen Boden setzen. 

Es hat mir Spaß gemacht, den Text umzuschreiben, damit er lesbarer und kürzer wird und besser in die heutige, schnelllebige Zeit passt. Vielen Dank euch fürs Ausharren! Ernst

 

Quellenangabe: DU vom Mai 1966.
Die Buchillustrationen sind aus dem 18. und 19. Jh.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kulturbeiträge veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

25 Antworten zu Robinson Crusoe… 2. Teil

  1. Anna-Lena schreibt:

    Danke für deine Mühe, lieber Ernst.
    Liebe Grüße aus dem kalten Brandenburg zu dir in die Schweiz,
    Anna-Lena

  2. bonne année ernest. Reste ici 🙂

  3. rabirius schreibt:

    …Ich habe schon auf Teil 2 gewartet. 🙂

  4. bmh/schwerlos schreibt:

    Die Geschichte ist einfach spannend – für uns. Es liegt wohl daran, dass Kindheitserinnerungen daran geknüpft sind.

    Herzliche Grüße
    Barbara

  5. restlessjo schreibt:

    It’s a good story 🙂 Wishing you a great week, Ernst!

  6. Silberdistel schreibt:

    Da habe ich ja meinen „Robinson Crusoe“ wieder einmal auffrischen können. Ist schon lange her, dass ich ihn gelesen habe. Das ist eine sehr schöne und sehr gelungene Zusammenfassung, lieber Ernst.
    Danke dafür und liebe Grüße aus dem nassgrauen und schneelosen Norden von der Silberdistel

  7. kowkla123 schreibt:

    hab lange darauf gewartet, schönen Sonntag und guten Start in die neue Woche

  8. Anhora schreibt:

    Gut geschrieben! Nun bin ich wieder auf dem Laufenden mit einem Klassiker der Literiatur, danke. 🙂

  9. giselzitrone schreibt:

    Sehr schön das war viel Arbeit wünsche dir einen schönen Nachmittag lieber Gruß Gislinde

  10. Ruhrköpfe schreibt:

    Hallo lieber Ernst, es macht richtig Spaß, deine neue Version zu lesen 🙂 Liebe Grüße und einen angenehmen Samstag, Annette

  11. Träumerle Kerstin schreibt:

    So schnell ging das Lesen in der Schule damals natürlich nicht 🙂 Danke für deine Mühen, ich habe alles gelesen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  12. ernstblumenstein schreibt:

    Viele herzlichen Dank Kerstin für deine Zeilen und dass du dir die Mühe gemacht hast, die Geschichte zu lesen 🙂 . Entschuldige bitte, ich habe meine Besuche bei dir vergessen, werde bei dir demnächst vorbeischauen. Liebe Grüsse Ernst

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s