Die Linde von Linn, AG. (Tilia platyphyllos)


Als ich im letzten Sommer mit dem Auto über den Bözberg nach Basel fuhr, machte ich bei der Linner Linde einen Halt.

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Linn wurde erstmals 1306 im Habsburger Urbar urkundlich erwähnt. Der Name stammt vom althochdeutschen (ze) lintahe und bedeutet “beim Lindengehölz.”

Das Dorf ist seit 2013 ein Ortsteil mit 50 Einwohnern der neu gebildeten Gemeinde Bözberg, die im Wappen die Linde als Gerechtigkeitssymbol führt.

Luftaufnahme Linn Dorf

Mit 25 Metern Höhe und einem Stammumfang von 11 Metern verkörpert diese Sommerlinde Kraft und Vitalität. Sie ist einer der mächtigsten Bäume und zusammen mit einer Lärche auch der älteste Baum in der Schweiz *. 

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Ihr Alter wird auf 700-800 Jahre geschätzt. Als in Europa 1348/49 die todbringende Pest wütete, begrub man die Opfer außerhalb des Dorfes und setzte eine Linde, die Krankheiten fernhalten und vor Unheil schützen soll.

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Linden waren heilige Bäume, Trefforte von Liebenden und galten als Symbol der Herzlichkeit, Wärme und des Friedens. Sie spielten im sozialen Leben der Menschen eine wichtige Rolle.

Unter Linden wurde getanzt, Recht gesprochen und sogar gerichtet.   

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Die Linner Linde überlebte zahlreiche Feuer und musste schon in früheren Zeiten gepflegt und saniert werden, wobei einige Eingriffe eher schadeten als nützten.

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Die sieben Hauptäste, welche die mächtige Krone tragen, werden von starken Seilen zusammen gehalten, damit der Baum seine typische Form behalten kann.

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Die Linde kann in guten Jahren bis 50’000 Blüten erzeugen und so den Bienen eine geballte Ladung Nektar anbieten. Die süßlich duftenden Blüten sind ein altbewährtes Heilmittel bei Erkältungen, Fieber und Grippe.

Ein Gedenkstein am Fuße der Linde. 

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Um dem Baum ranken sich zahlreiche Sagen. Eine besagte, dass die Linde im 16. Jh. gefällt werden sollte, weil unter ihr die als Hexe verschriene Anna Meier mit dem Teufel Kontakt hatte.

Anna wurde zum Glück des Landes verwiesen und die Linde blieb heil. 

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Auch wird vermutet, dass der Baum früher als Wegweiser für Wanderer und Pilger diente, führt doch der europäische Fernwanderweg Pyrénées-Jura-Balaton hier vorbei.

Solche markanten Bäume wurden früher in der Schweiz “Markbäume” genannt.

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Ich saß dann längere Zeit auf einer Bank unter den Baum und ließ seine Pracht auf mich einwirken. Ich schaute auf Brugg hinab und übers Aaretal hinüber zur Habsburg. Es war still, nur vom Tal brandete ab und zu Zivilisationslärm.  

Linner Linde P.Stranieri, Rupperswil

Foto Pino Stranieri, Rupperswil. 

Ich mag diesen Baum, der mich bei jedem Besuch fasziniert und spüre die Kraft und Freude, die er mir jeweils schenkt.

Ich habe früher auf dem Bözberg öfters Militärdienst geleistet und kenne deshalb die Linde von Linn seit Jahrzehnten.

Während ich älter und älter werde –
bleibt dieser uralte Baum einfach stehen –
als wäre nichts geschehen. 

Ernst   


*
http://www.monumentaltrees.com/de/rekorde/che/ 
Quellenangabe: Verschiedenste Informationen aus dem Netz.

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32 Antworten zu Die Linde von Linn, AG. (Tilia platyphyllos)

  1. Anna-Lena schreibt:

    Welch ein schönes Denkmal du dieser besonderen Linde gesetzt hast, danke dafür.
    Liebe Grüße ins Wochenende,
    Anna-Lena

  2. rabirius schreibt:

    Schöner Beitrag und ein schöner Baum.

  3. kowkla123 schreibt:

    super Linde, schönes Wochenende, genieße es

  4. Arabella schreibt:

    Das ist ein fabelhafter Artikel, nur Anna tut mir leid.
    Herzliche Grüße

  5. giselzitrone schreibt:

    Wünsche dir ein gutes sonniges Wochenende ein schöner Beitrag und schöne Fotos Liebe Grüße von mir Gislinde

  6. ladyfromhamburg schreibt:

    Ein toller Baum! Was auch für ein eindrucksvoller Stamm. Nicht nur wegen des Durchmessers, sondern aufgrund seines eigenwilligen „Charakters“! Das Alter hat ihm etwas Unverkennbares geschenkt.
    Elf Meter Umfang sind beachtlich. Ich überlege gerade, wenn Menschen mit ausgestreckten Händen ihn umfassen sollten, dann bräuchte man bei etwa 1,50 m Spannweite pro Nase schon sieben bis acht Leute. (Ich muss mir Maße immer irgendwie anschaulich machen … ^^)

    Sehr schöne Fotos von der Linde, Ernst. Im Sommer ist dieser „Markbaum“ eine besondere Pracht! Und die Bienen freuen sich natürlich mächtig!

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank Michèle für deine Zeilen. Es ist wirklich ein sehr imposanter Baum! Wenn ich vor ihm stehe, werde ich jeweils andächtig und still.

      Nun werden die Tage spürbar länger und der Frühling ist nicht mehr allzu weit, spriessen doch bald die ersten Krokusse an der südlichen Hausmauer.
      Einen lieben Gruss. Ernst

  7. Silberdistel schreibt:

    Was für ein schöner Baum. Schön, Ernst, dass Du ihn uns hier vorstellst. Ich bin ganz hin und weg. Ich glaube, Du weißt, wie sehr ich alte Bäume mag. Sie sind einfach faszinierend und ich freue mich immer wieder, wenn ich einem solchen Baum begegne. Gern hätte ich dort gesessen und Dir Gesellschaft geleistet. Ich stelle mir immer vor, was so ein Baum alles erlebt haben muss. Er wäre sicher ein wundervoller Geschichtenerzähler.
    Danke für diesen tollen Beitrag und die schönen Fotos.
    Liebe Grüße von der Silberdistel

  8. ernstblumenstein schreibt:

    Ich schlage vor, dass wir uns im Sommer mal mit einem Picknick unter die Linner Linde setzten, um uns einige interessante Geschichten erzählen zu lassen 😉 …
    Liebe Grüsse Ernst

  9. restlessjo schreibt:

    What a wonderful old tree, Ernst. Thank you for telling the story behind it. Hope you’re having a good week 🙂 🙂

  10. ernstblumenstein schreibt:

    Thanks Jo for the wishes. 🙂

  11. lifetellsstories schreibt:

    Welch ein prachtvoller Baum. Danke für die Fotos und die Informationen.
    LG
    Astrid

  12. Träumerle Kerstin schreibt:

    Was hat dieser Baum nicht schon alles gesehen, gehört – sicher auch gefühlt. Ich habe Ehrfurcht vor solch großen und alten Bäumen. Dennoch wirken sie beschützend und sind ein guter Ort für die Vögel. Wie viele wohl auf all den Ästen und Zweigen sitzen können?
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen herzlichen Dank Kerstin für deine Zeilen. Ja, wenn wir nur schon etwas wüssten, was dieser Baum schon alles gesehen und gehört hat, könnten wir wohl ein Buch darüber schreiben. Liebe Grüsse Ernst

  13. bmh (schwerelos) schreibt:

    Solche Bäume beeindrucken mich stark und überall, wo ich im Laufe des Lebens schon wohnte, fand ich einen beim Wandern – fast jede Gegend hat ihren bekannten Baum.
    Herzliche Grüße
    Barbara

  14. sie sind schön diese Bäume dank

  15. Zeitreisender schreibt:

    Wahnsinns-Baum! Sehr interessanter Bericht, lieber Ernst!
    Beste Grüße! Volker

  16. Ruhrköpfe schreibt:

    Lieber Ernst, beeindruckend, diese uralten Bäume. ich freue mich über jeden, den ich zu sehen bekomme 🙂 Danke für’s Mtibringen. Liebe Grüße und einen schönen Sonntagnachmittag, Annette

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