Reise in die Vergangenheit, Bhaktapur 1965. (12)


 

Bhaktapur ist neben Kathmandu und Patan die kleinste der drei Königsstädte in Nepal.

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Im Bus in die Stadt kamen wir mit Österreichern und Deutschen ins Gespräch. Da auch sie ein paar Tage bleiben wollten, beschlossen wir zusammen eine Bleibe zu suchen.

z gebraucht. Blog 1. Bagdaon die Dächer der Stadt  -116

Der Bus brauchte wegen der schlechten Straße für die 16 km eine Stunde. Allerdings sammelte er auch alle Leute, die irgendwo am Straßenrand warteten, ein und ließ Passagiere überall aussteigen.

Ein Palastwächter in der Stadt.

Bhaktapur, neben Eingang Königspalast IMG-0219 (2)

Kaum angekommen, bot uns ein Nepali ein leeres Haus für umgerechnet zwölf Franken im Monat an. Schnell waren wir mit ihm einig, er war sichtlich zufrieden – wir waren es auch. 

Pro Etage gab es 3 Räume. Wir fühlten uns sicher aufgehoben, schliefen wir doch in unseren Schlafsäcken auf trockenem Lehmboden.

Ein Mieter vor seinem vierstöckigen, schmalen Haus.

Bagdaon IMG-0192 (2)

Tagsüber waren wir in der Stadt und abends aßen wir im Haus, spielten Schach oder diskutieren über Gott und die Welt. Dabei rauchten wir öfters einen Joint. Dieser war im Tabakladen nebenan für ein Taschengeld zu haben. 

Ein Symbol; der Nyatapola-Tempel.

Bakthapur der Nyatapola Tempel IMG-0229-horz

Der 30 Meter hohe Nyatapola-Tempel (nyata “fünfstöckig”, pola “Stufen”) ist die höchste Tempelanlage von Nepal und einer von 170 Tempeln in der Stadt.

Er wurde 1708 fertig gestellt und ist seit 1979 ein UNESCO Welterbe.

z Blog 1 Bhaktapur IMG-0188..186..184...83

Es gab keinen motorisierten Verkehr, nur Fußgänger und Velofahrer waren unterwegs. Busse und allfällige Privatautos mussten am Stadtrand parkieren.

Ich empfand den Ort als Werkstatt unter freiem Himmel; überall wurde getöpfert, ziseliert, gedroschen, genäht oder gestickt; die Zeit war hier stehen geblieben.

z Blog Bhaktapur Kunsthandwerker

Da die Häuser auf sehr kleinen Grundflächen gebaut waren, spielte sich die Arbeit und das Leben vorwiegend draußen ab.  

z gebraucht Blog 1 Scan ab Dia, (2)-horz110.

Frauen verrichteten Handarbeiten, tauschten Neuigkeiten aus, hüteten Kinder oder holten am Brunnen Wasser fürs Haus.

z gebraucht Blog1.  Frauen u. Kinder am Brunnen..117

An anderen Orten wurde Reis gedroschen oder im Freien gekocht.

z gebraucht Blog 1 Korn dreschen 104-horz.112.

z gebraucht Blog 1 und ZL IMG-0190

Bagdaon Street Side-94

Asien gilt als Wiege des uralten Töpferhandwerks und so war es nicht verwunderlich, dass an diesem Platz Töpferwaren zum Trocknen an der Sonne lagen.

z Töpferwaren Markt. -83 (2)

Mich faszinierte, wie leicht die Töpfer die massiven Steinscheiben drehten und mit viel Können dem Ton eine Gestalt gaben.

collage gebraucht Blog1. Töpferei. Der Meister bei der Arbeit -82 (2)

Bhaktapur Töpferei. Der Meister bei der Arbeit -horz107.106

Dieses uralte Kunsthandwerk wurde vom Vater an den Sohn weitergegeben. Jeder Töpfer sammelte weiße, schwarze und rote Erde selber, mischte sie nach seinem Gusto und lagerte sie zuhause.

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Die Stadt liegt an einer alten Handelsroute von Indien nach Tibet und profitierte jahrhundertelang vom Handelsmonopol.

Als China in den 50iger Jahren Tibet besetzte, wurde die Grenze  zu Nepal geschlossen. Der florierende Handel brach zusammen und die Stadt verarmte.

z Bagdaon Blog1. Hauptstrasse -97 und 103

Außerhalb des Durbar Platzes gab es deshalb viele baufällige Häuser.

z Blog 1.Bagdaon Lastenträger, Gasse.99.side2

Aber an anderen alten Palästen bewunderten wir wieder unglaublich schöne Holzschnitzereien, die von der großartigen Schnitzkunst der Newaris zeugten.

z Bhaktapur Holzschnitzereien Götterpalast.102

Das goldene Tor vor dem Königspalast besteht aus vergoldetem Kupfer und zeigt das großartige nepalesische Handwerk.  

Das Goldene Tor beim Königspalast.......Durbar Square in Bhaktapur

Im Tor ist die zehnarmige, vierköpfige Taleju, die Schutzgöttin der Mallas verewigt. Ihr Schrein liegt als Hauptheiligtum im Königspalast.  

Dieser hölzerne, dreistöckige Wagen mit starren Achsen wird für das Wagenfest (Bisket Jatra) gebraucht.

z Bhaktapur Prozessionswagen  für das Wagenfest Bagdaon. IMG-0206

Das zweitägige Fest wird am nepalesischen Sylvester/Neujahr gefeiert und ist dem Gott Bhairav und der Göttin Bhadrakali geweiht. In einer Art Wettkampf werden zwei Wagen mit Seilen von Männern durch die Stadt gezogen.

Die Zeit in Nepal bleibt mir in guter Erinnerung, wären da nicht die immensen Zerstörungen durch Beben, die großes Leid der Bevölkerung brachten.

Ernst

 

Ein weiterer Bericht über die Seidenarbeiterinnen in Bhaktapur wird irgendwann folgen.

Quellenangabe für Interessierte :
Diverse Quellen aus dem Internet.

–  https://de.wikipedia.org/wiki/Bhaktapur

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49 Antworten zu Reise in die Vergangenheit, Bhaktapur 1965. (12)

  1. kowkla123 schreibt:

    war sicher sehr schön, beste Grüße von mir für dich, Klaus

  2. ute42 schreibt:

    Das muss ein einmaliges Erlebnis gewesen sein. Diese Erinnerungen kann dir niemand nehmen.

  3. Karin schreibt:

    Einen Joint habe ich noch nie geraucht, noch jemals überhaupt eine Zigarette, mir reichte es, wenn der Kopf drinnen rauchte 🤗habe Deine Erinnerungen wieder mit großem Interesse gelesen und bewundere Dich für Deinen damaligen Mut. Ich freue mich auf weitere Berichte. Würdest Du heute nochmal gern dorthin zurückkehren, wenn Du es könntest? Mit herzlichem Gruss, Karin

    • ernstblumenstein schreibt:

      Wir haben mit dem Joint rauchen nicht ‚über die Stränge‘ geschlagen. Während unserem 4wöchigen Nepalaufenthalt rauchten wir Gras, aber nicht aus Sucht- oder anderen Problemen, sondern mit Genuss. Als wir abreisten, hörte ich auf damit und paffte wieder wie gewohnt meine Pfeife.

      Nein, ich möchte nicht mehr dorthin zurückkehren, ich wäre wahrscheinlich einerseits über die Veränderungen nach 50 Jahren sehr enttäuscht, würde vieles nicht mehr kennen und die Zerstörungen durch das Erdbeben würde mich erschüttern.
      Ich ziehe beschauliche schöne Orte und Gegenden in der näheren Umgebung vor 😉 😀 . Lächeln. Man(n) wird nicht jünger.
      Ein herzlicher Gruss zu dir Karin. Hebs guet. Ernst

  4. Arabella schreibt:

    Wo du überall warst…
    Guten Abend:-)

  5. ellen schreibt:

    Herrlich interessanter Reisebericht, spannend geschrieben lieber Ernst, gern gelesen und Fotos geschaut – toll!
    Lieben Gruß
    von Ellen

  6. ladyfromhamburg schreibt:

    Deine kurzen Beiträge zu den Fotos reichen schon aus, um – zusammen mit der Betrachtung der Aufnahmen – ein Gefühl für das damalige Bhaktapur zu bekommen. Das Leben und Arbeiten mitten auf der Straße (ohne Autos), auf Plätzen, das Treiben vor dem Haus …
    Diese viele Handarbeit und die alten Kunstfertigkeiten, die auch an den Häusern noch zu sehen sind, sind schon beeindruckend. Schade nur, dass die Entwicklung damals in den 50er Jahren für Nepal solche schwerwiegenden Folgen hatte – ganz zu schweigen von dem gewaltigen Beben, dass 2015 die Region traf und vieles zerstörte.
    Eine hochinteressante Reise in die Vergangenheit heute wieder bei dir, lieber Ernst!

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hoi Michèle, ich freue mich sehr von dir zu lesen. Ich versuche auf meine Art, mit möglichst wenig Text Eindrücke über die Reise irgendwie ‚rüber zu bringen‘. Es gäbe Tausende von interessanten Informationen über Nepal und die uns so fremde Kultur zu schildern.
      Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, liebe Michèle. Heb’s guet. Ernst

  7. Anna-Lena schreibt:

    Ich liebe deine Reisen in die Vergangenheit, in der sicher auch für die Menschen dort so vieles anders war als es heute ist.
    Einen Joint habe ich nie geraucht, überhaupt war ich in solchen Dingen nicht sehr experimentierfreudig. Ich bin gleich an der Zigarette hängen geblieben und nun fast 18 Monate rauchfrei.

    Danke fürs Mitnehmen, lieber Ernst und sei von Herzen gegrüßt,
    Anna-Lena

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hoi Anna-Lena, ich freue mich, deine Zeilen zu lesen. Ja, der Zeitraum von über 50 Jahren veränderte die Welt in allen Kulturkreisen enorm. Dies trifft sicher auch auf den Nepal zu.
      Oh, ich war eigentlich auch eher vorsichtig und nicht leichtsinnig auf dieser Reise, aber Joints rauchen war und ist gar nicht so schlimm, wie es immer dargestellt wird. Nur soll man es nicht übertreiben und nicht regelmässig machen.
      Ich hatte gutes Gras leichtsinnig mit nach Hause genommen, habe aber nach einem Versuch zu Hause den „wertvollen“ Stoff im Garten der Eltern entsorgt, weil das ‚Umfeld‘ zuhause ganz anders war und für mich nicht mehr stimmte.
      Ich bin seit seit bald 9 Jahren rauchfrei – wow, wir zwei sind gut, gell.
      Herzliche Grüsse zu dir. Ernst

  8. Leider ich glaube so viel is gewechselt geworden. Ich mag immer erinnern die „alte“ Zeite, wenn ich irgen wo war, 1980-2000. Ich habe so viel gesehen während meine Zeit mit Swissair… aber da zu grosse Turismus (billig) hat zu viel zerstört. Deine fotos sind super schön, aber Nepal is jetzt komplet anders. Danke viel Mahl für’s teilen… Hugs and have a lovely evening :-)c

    • ernstblumenstein schreibt:

      Guten Abend Claudine, deine Zeilen überrraschen und freuen mich sehr. Du hast Recht, die Welt verändert sich rasant und vieles zum Schlechten. Du hast ja als Swissair-Hostess ganz viel von der Welt gesehen und die rasante Entwicklung zum Massentorismus nahe mitbekommen. Wir waren auf Reisen oder in Ferien immer fernab und abseits der Touristen-Heerscharen unterwegs. Nur so war es möglich, mit Einheimischen Leuten zu sprechen, um zu erfahren, wie sie fühlen, denken und leben, was ihre Freude und ihre Nöte sind.

      Nepal ist sicher ganz anders und ich könnte und möchte das Land deshalb nicht mehr besuchen. Die Erinnerungen werden uns bleiben, das ist schön und wertvoll in unserem Leben. Hugs und dir ein schönes Wochenende. Hebs guet.
      Ernst 😉

  9. Blumenthal Monica schreibt:

    Danke Ernst für den tollen Blog über Nepal. Auch ich habe wunderbare Erinnerungen von unserer Reise in Nepal. Erinnerungen und Bilder die man nicht vergessen wird.
    Lg Monica Monica

  10. kowkla123 schreibt:

    das Wochenende soll schön für dich werden, Klaus

  11. kowkla123 schreibt:

    schönes Wochenende und viel Spaß für deinen Gang zur Wahlurne, Klaus

  12. silberperlen schreibt:

    So voller Leben, Deine Reisen :-).

  13. ernstblumenstein schreibt:

    Danke Barbara, heb’s guet….

  14. restlessjo schreibt:

    Amazing memories, Ernst 🙂 🙂

  15. Susanne Haun schreibt:

    Du hast uns hier ein Stück Nepal gezeigt, was heute nicht mehr existiert, Ernst. Danke! Es muss eine herrlich freie Zeit gewesen sein!

  16. ernstblumenstein schreibt:

    So ist es Susanne, es war eine herrliche und sorglose Zeit dazu…

  17. Monika schreibt:

    Lieber Ernst,
    mit großem Interesse habe ich Deinen Bericht gelesen, und ich freue mich für Dich, dass Du dieses herrliche Land noch „urwüchsig“ erleben konntest. Heute nach über 50 Jahren wirst Du sicherlich enttäuscht sein. Ich gebe Dir recht, dass diese Menschen viel erleiden und erdulden mussten, zumal diese Region u.a. von Erdbeben heimgesucht wurde. Ich freue mich für Dich, dass Du die Ursprünglichkeit erleben konntest.
    Herzlichst Monik

    • ernstblumenstein schreibt:

      Liebe Monika,
      hab vielen Dank für deine Zeilen. Du schreibst richtig, zu unserer Zeit sahen wir ausser ein paar Hippies keine Touristen in den Strassen, wir hielten uns allerdings nicht in Hotels auf, in denen sich diese wahrscheinlich aufhielten. Entwicklungshelfer aber waren schon viele Jahre früher im Land, um zu helfen. Für Touristen öffnete sich Nepal erst 1951.
      Heb’s guet ond herzlichi Grüess. Ernst

  18. Ruhrköpfe schreibt:

    wie aus einer anderen Zeit oder einer anderen Welt, die es nun nicht mehr gibt. Danke für den kleinen Ausflug und liebe Grüße, Annette

  19. Träumerle Kerstin schreibt:

    Was für ausführliche Erinnerungen lieber Ernst. Für mich wahrlich eine Zeitreise, denn 1965 bin ich geboren.
    Wir arm die Menschen doch waren. Und doch waren sie sicher dankbar, dass sie zu essen hatten und ein Dach über dem Kopf.
    Kann es sein, dass du das kleine Mädchen am Brunnen mal gezeigt hast? Kommt mir so bekannt vor.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen herzlichen Dank Kerstin für die Zeilen. Mir fällt ein, dass dich schon lange nicht mehr besucht habe. Werde das noch nachholen.
      Tja, so vergeht die Zeit, in deinem Geburtsjahr war ich schon in Nepal 😉 , 😀 . Du erinnerst dich richtig, über das Mädchen am Brunnen habe ich bereits einmal berichtet. Dein Gedächtnis ist sicher um einiges besser als meines.
      Liebe Grüsse Ernst

  20. Eine tolle Reise in die Geschichte zeigst Du hier wieder Ernst – auch wenn die Meisten – wie ich – nicht mal die Gegenwart dieser Region kennen.
    Alles Liebe,
    Michael

  21. Silberdistel schreibt:

    Das ist wieder ein höchst interessanter Beitrag, lieber Ernst. Ich staune immer wieder, wohin in der Welt es Dich im Laufe Deines Lebens schon getrieben hat. Das muss eine unwahrscheinlich spannende Zeit für Dich gewesen sein. Schön, das hier mit Dir noch einmal miterleben zu dürfen.
    LG von der heute wieder einmal sonnigen Ostseeküste schickt Dir die Silberdistel

  22. ernstblumenstein schreibt:

    Vielen herzlichen Dank Silberdistel für deine Zeilen, die mich freuen. Ich sende dir liebe Grüsse in den Norden. Hab eine gute Zeit, heb’s guet. Ernst

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