Am Feldweg stand ein Weidenkorb…



Ende Februar sah ich diese romantisch anmutende Schafherde (ca. 200-300 Tiere) im unteren Reusstal bei Niederwil im Kt. Aargau.

Am Feldweg stand ein Weidenkorb mit Thermoskrug, Zucker und einer halbvollen Flasche “Bätzi” (Schnaps). Nebenan die Herde in der Koppel.

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Jemand brachte den Schäfern heissen Kaffee, damit sie sich bei der herrschenden Kälte mit einem “Lutz” wärmen konnten, sind sie doch bei jedem Wetter draussen und für ihre Tiere da.

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Obwohl die Wanderroute Gotthard-Reusstal noch benützt wird, sind solche Anblicke bei uns rar geworden.

In der heutigen Zeit weisen die Routen je nach Situation und Lage Einschränkungen auf. Dann müssen Herden auch mit der Bahn oder dem Lastwagen weiter transportiert werden.

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Die meisten Schäfer kommen aus dem Bergamasker Hirtentum, nur wenige sind Schweizer oder Süddeutsche Bauern. Alle sind sich das harte Nomadenleben gewohnt und lieben ihre Arbeit.  

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Schon vor dem 19. Jh. zogen Wanderherden aus Baden Württemberg durchs Mittelland über den Jura bis nach Paris, wo sie jeweils in der Osterwoche eintrafen und die Tiere dann geschlachtet wurden.

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Wenn im Herbst die Schafe aus der Alpen Sömmerung ins Unterland kamen, gab es zu viele Tiere und zu wenig Nachfrage nach Fleisch.

So gesehen vermag die Winterwanderung auch heute noch einen kleinen wirtschaftlichen Ausgleich schaffen, da die unrentable Stallfütterung entfällt.

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Bedingt durch den Einfluss der französischen Küche ist der Schaffleischkonsum  in der Romandie höher als in der Deutschschweiz.

Es erstaunt deshalb nicht, dass schon um 1900 in Genf die schweizerische Organisation für die Wanderschäferei gegründet wurde.

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Diese Störche suchten nebenan auf der Wiese nach Nahrung und nahmen Reissaus, als ich ihnen zu nahe kam.

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Ich wünsche euch eine gute Zeit. Ernst


Interessierte finden Infos über die Wanderschäferei 1950/51 im Link: https://www.geogr-helv.net/6/233/1951/gh-6-233-1951.pdf

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51 Antworten zu Am Feldweg stand ein Weidenkorb…

  1. Arabella schreibt:

    Als ich Kind war, weideten auf der Wiese hinterm Haus Schafe. Mit dem Schäfer habe ich gern gesprochen, er war genauso gern da untem am Bach wie ich.
    Magarithen blühten auf der Wiese und Schafgarbe. Glocken- und Butterblumen gab es dort.
    Heute hat die Stadt ihren Bauhof dort, alle Proteste waren nutzlos.

  2. Vera Komnig schreibt:

    So schön 🙂 Sei lieb gegrüßt.

  3. Mona schreibt:

    Wieder ein interessanter Beitrag, wie viele vorher, danke dafür.
    In unserer Nähe , in der Lausitz, wird es für die Schäfer immer schwerer, da der Wolf sich sehr vermehrt hat und seinen Hunger gern mit Schafen stillt. Auch Zäune sind kein Hindernis.
    Das Gleichgewicht ist schon gestört. Nachdenkenswert, denn inzwischen kommen die Wölfe schon in die kleinen Gemeinden und wurden am Kindergarten gesehen?!
    Lieben Gruß
    Mona

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hoi Mona, tja, das ist eine ganz andere Situation als bei uns. Wir haben ein paar Wölfe in unzugänglichen Alpengegenden, wo sie eigentlich keinen Schaden anrichten. Aber es werden mehr, mal schauen wie es weiter geht. Danke für deinen interessanten Kommentar und ein lieber Gruss zu dir. Ernst

  4. Karin schreibt:

    Auf den Mainwiesen machen bei uns auch immer Schafherden Station, auch der Berger Hang oberhalb Frankfurts ist ganzjährig mit ihnen besiedelt und jedesmal geht das Herz auf, wenn ich dieses Gewusel sehe. Allerdings sind die Herden hier nicht so schön bunt wie Deine. Einmal haben wir sogar bei der Geburt eines Lämmchens zugeschaut.
    Schäfer sind freiheitsliebende Geschöpfe 🤗lieber Gruss an Dich, Karin
    Ps: wenn ich ein Schaf wäre, dann sicher ein schwarzes 🤗🙀

    • ernstblumenstein schreibt:

      Hoi Karin, hab Dank für deine Zeilen. Ich habe vor Jahren mal mit einem Schäfer gesprochen, um mit zu bekommen, wie sie ticken. Es sind interessante Menschen, die die Freiheit über alles stellen. Er war aber auch kein ‚Gestriger‘, sondern ein modern denkender Mann. Irgendwo habe ich noch einen Bericht, muss mal graben, ob ich ihn finde. 😉 🙂
      Du bist eine ‚Lustige‘, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Du ein schwarzes Schaf sein solltest. 😀
      PS: wenn ich ein Schaf wäre – dann wahrscheinlich weiss/schwarz. 😀
      Ein lieber Gruss zu dir aufs Dach. Ernst

  5. afrikafrau schreibt:

    die Bilder von den Schafen gefallen mir sehr, erinnertgerne mich an meine Kindheit, habe den letzten Schäfer bei uns im Ort immer wieder gesehen, leider wurde er nicht sehr gemocht, er galt als
    rückständig!!!!(die Familie hatte wenig Geld)der Sohn in unserer Klasse hatte es auch schwer.
    Ob er jetzt noch mit den Schafen über die wenigen Wiesen gehen darf, werde ich mal erforschen.
    gerne gelesen und geschaut……

    • ernstblumenstein schreibt:

      Vielen Dank für deine Zeilen. Dass Du von einem Schäfer im Dorf schreibst, muss demnach in Afrika gewesen sein, weil es in der Schweiz z.B. nur die Sömmerung der meisten Schafe in den Alpen gab und im Unterland wurden nur kleine Bestände von den Bauern neben Kühen und Pferden gehalten. Ja, die Zeit geht…

  6. restlessjo schreibt:

    Woolly jumpers and cheese! 🙂 🙂 I love both, Ernst!

  7. Träumerle Kerstin schreibt:

    Hallo lieber Ernst. Solch ein Anblick ist wirklich selten geworden. Hier bei uns ist der Wolf eine Gefahr, es ist ein endloses Für- und Wider-Thema.
    An der Ost- oder Nordsee kann man noch große Schafherden entdecken.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Das kann ich mir vorstellen, liebe Kerstin. Wir haben nur wenige Wölfe in der Schweiz, die in abgelegenen Gebieten der Voralpen leben. Aber trotzdem unterstützen die Schafhalter die Jäger, ihn wenn möglich abschiessen, obwohl er geschützt ist. Die Schafhalter sind nämlich verpflichtet, ihre Herden mit Hirtenhunden zu schützen, was effizient, aber nicht billig ist. Das passt vielen nicht. Liebe Grüsse Ernst

  8. ute42 schreibt:

    Die beiden Störche hast du trotzdem noch gut erwischt, die Aufnahme gefällt mir.

  9. ellen schreibt:

    Vielen Dank für deinen informativen und schön bebilderten Beitrag.
    Wieder etwas dazu gelernt!
    Lieben Gruß
    Ellen

  10. ladyfromhamburg schreibt:

    Schöne Aufnahmen von den selten gewordenen Weidegästen – und auch das Foto der beiden sich dünne machenden Störche! Gerade noch erwischt! ^^

    Wir haben hier auf den Deichen entlang der Elbe oder auch in Küstennähe (Nordsee und Ostsee) noch häufiger Schafherden. Traditionell auch in der Lüneburger Heide, damit sie das Heidekraut „fachgerecht“ kürzen. Doch generell ist es weniger geworden damit.

    Es war sehr interessant, was du über die Winterwanderungen erzähltest, Ernst! Klar, so ist es günstiger als bei Versorgung im Stall – aber auch hart für die Schäfer. Gut, wenn dann so ein Proviantkorb – sogar mit heißen Getränken – gestiftet wird.

    LG Michèle

    • ernstblumenstein schreibt:

      Schafe werden auch bei uns im Unterland von Bauern oder Liebhabern gehalten, sei es um in grösseren Steilborden oder unzugänglichen Orten das Gras kurz zu halten oder in kleinen Gruppen auf dem Hof zur Eigenversorgung mit Fleisch-oder Käse.

      Die Wanderschäferei im Winter ist bei den Leuten sehr beliebt und die Schäfer kriegen sehr oft Kaffee, Tee, Kuchen oder sogar Verpflegung. Auch werden ihnen Unterkünfte in Höfen oder geeigneten Bauten in der Nähe angeboten.

      Liebe Grüsse nach Hamburg. Ernst

  11. gkazakou schreibt:

    Hier in Griechenland ist die Schafherde immer noch ein gewöhnlicher Anblick, und in Arkadien kommen da schon riesige Herden zusammen. Wie die Wanderwege sind, weiß ich leider nicht. Doch traf ich unseren benachbarten Schäfer täglich bei meinen Spaziergängen irgendwo an, er bewegte sich mit dem Mofa, die Tiere zu Fuß. Jetzt hat er die Herde verkauft – er ist in Rente gegangen, froh, endlich wieder einen Anzug zu tragen und Menschen zu treffen. Es ist ein harter, einsamer Job, und der Verdienst gering. Wir aber, die wir die Herden sehen, sind glücklich.

    • ernstblumenstein schreibt:

      Es stimmt, der Job ist sehr hart (Arbeitszeiten, Komfort usw.). Bei uns wird er noch von urigen Bauern gemacht. Ihr Verdienst ist, rechnet man alle Sonderzulagen mit ein, glaub ich ganz gut bezahlt, sonst würden die Schaf-Kooperationen keine Leute finden. Auch gibt es auch immer weniger Leute, die diese unattraktive Arbeit machen wollen, aktive Hirten sind also gesucht.
      Das schweizerische Mittelland ist sehr dicht besiedelt und mit reichhaltigen Infrastrukturen versehen, sodass es immer schwieriger wird, die alten Wanderrouten einzuhalten…

  12. Ruhrköpfe schreibt:

    Danke, lieber Ernst, für den kleinen Einblick. Als Städterin freue ich mich immer darüber, wenn ich irgendwo einer Schafherde begegne, doch viel weiß ich leider nicht darüber. Liebe Grüße, Annette

    • ernstblumenstein schreibt:

      Man kann ja nicht alles wissen, Annette. Freude haben ist in dem Falle auch wichtiger als etwas darüber wissen. Ich wohne ja noch auf dem Land und freue mich jedes mal auch.
      Liebe Grüsse, Ernst

  13. lifetellsstories schreibt:

    Hallo Ernst,
    das ist tatsächlich eine große Herde. Ich habe noch nie so viele schwarze Schafe innerhalb einer Herde gesehen. Meist sind es nur mal ein oder zwei.
    Kennst du noch den Spruch?:
    Schäfchen zur Rechten,
    Du hast noch was durchzufechten.
    Schäfchen zur Linken,
    das Glück wird Dir winken.
    Ich muss immer daran denken, wenn ich eine Schafherde sehe. Wie uns doch der Aberglaube noch immer begleitet 😉 .
    LG
    Astrid

    • ernstblumenstein schreibt:

      Danke Astrid für deine Zeilen. Ich fragte den Schäfer nicht nach den Rassen innerhalb der Herde,.
      Ich bin sicher, dass ich den Spruch nie gehört habe. Trotzdem mag ich solche Volkssprüche sehr, manchmal haben sie neben dem Aberglauben auch ein Körnchen Wahrheit ins sich. 😀
      Liebe Grüsse Ernst

  14. finbarsgift schreibt:

    Interessantes zum Thema schwarze und weiße Schafe, lieber Ernst,
    dankeschön dafür!
    LG vom Lu

  15. kowkla123 schreibt:

    schöne Landschaftsbilder, beste Grüße aus dem Norden unserer Heimat von mir für dich, Klaus

  16. Anna-Lena schreibt:

    Ein schöner Beitrag, lieber Ernst, der auch mich in meine Kindheit versetzt. Wo sieht man das heute schon? Gestern habe ich zwei Störche fliegen sehen, der Frühling ist auf dem Weg zu uns …

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

  17. kowkla123 schreibt:

    ich wünsche dir ein angenehmes Wochenende in warmer Umgebung, Klaus

  18. rabirius schreibt:

    Nette Serie. Man hat das Gefühl, den Schafen langsam immer näher zu kommen…

  19. kowkla123 schreibt:

    mach wieder die Heizung an oder erwärme dich auf andere Art, Klaus

  20. Monica schreibt:

    Unser Nachbar im Tessin ist ein Schäfer mit 1000 Schafe. Im Frühling und im Spätherbst weiden die Tiere vor unserer Haustüre. Ich liebe sie und zücke immer wieder die Kamera um Momente festzuhalten. Im Winter wandert die Herde in der Gegend von Luzern und im Sommer auf der Alp. Rudi Canonica ist ein weiterer Schäfer von Corticiasca. NZZ hat von ihm einen Film gedreht.
    http://nzz/schafhirt/rudi/canonica

  21. Susanne Haun schreibt:

    Danke für die vielen Schafe, Ernst, ich höre sie richtig in mein Arbeitszimmer blöken!

  22. elisabeth Hufschmid schreibt:

    Danke Ernst für die schönen und eindrücklichen Bildern, ja hat mich an meine Jugend erinnert. Zur Weihnachtszeit kam bei uns in der Nähe des Reusstals stets auch eine Herde Schafe mit Hirt und Hund vorbei, manchmal durfte er mit uns Weihnachten feiern, kam dann während dieser Zeit ein Lämmlein auf die Welt haben wir es gekauft und mit der Schoppenflasche grossgezogen, dies war stets ein Erlebnis

  23. ernstblumenstein schreibt:

    Es freut mich Elisabeth, dass der Bericht dir schöne Erinnerungen wecken konnte.
    Heb e gueti Zit. Ernst

  24. mmandarin schreibt:

    Erst heute Morgen sah ich deinen Blog ….(mit dem Abo klappt das manchmal nicht). Oh ja, ein schöner Anblick. Ich darf gar nicht verraten, dass wir gestern im Freundeskreis Lammkeule gegessen haben. Aber keine Lammkeule ohne Schafherden und Schäfern. Ein archaisches Bild. Schäfer sind meist ganz besondere Menschen. Die Einheit von den Tieren, dem Hund und dem Mensch …. so alt wie die Welt. Möge es nie verloren gehen. Danke für die friedlichen Bilder und noch ein schönes Osterfest im Kreise deiner Lieben. Marie

    • ernstblumenstein schreibt:

      Oh, auch das muss halt manchmal sein liebe Marie, lächeln… Du bringst es auf den Punkt. Möge das Zusammenspiel zwischen Tieren, Hund und Schäferei nie verloren gehen. Ein passender Wunsch zum vergangenen Osterfest. Danke, Marie…

  25. buchstabenwiese schreibt:

    Das sieht ja traumhaft aus, die vielen Schafe. Und so viele schwarze Schafe sind dabei. 😉 Schwarz scheint in Mode zu kommen. 😉

    Bei uns sieht man auch ab und zu eine Schafherde über die Felder ziehen, aber es ist doch sehr sehr selten. Mit Pepper habe ich dann immer einen Bogen darum gemacht, weil der Schäfer auch Hunde dabei hatte und Pepper sich nur mit Hundedamen vertrug. 🙂 Man weiß ja nie.
    Mit Felix bin ich noch keiner Schafherde begegnet, soweit ich mich erinnere, und er ist nun schon zwei Jahre bei uns. Ob sie überhaupt noch mal kommen? Aber vielleicht habe ich sie auch nur mal verpasst, sie bleiben hier nie lange, ziehen wohl nur so durch.

    Liebe Grüße zu dir,
    Martina

    • ernstblumenstein schreibt:

      Herzlichen Dank Martina für deine Zeilen. Was, der Felix ist schon wieder 2 Jahre bei euch, wie doch die Zeit rennt…
      Schwarze Schafe gibt es nicht nur in Schafherden, nein, es gibt sie bekanntlich auch in Familien, nur werden sie als Geheimnisse noch mehr gehütet als die Schafe 😉 😀 .
      Ich wünsche dir eine feine Zeit und sende dir liebe Grüsse zu. Ernst

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