Abschied…



Grulle…

Du warst das Nesthäkchen in unserer Familie und immer voller Lebensfreude. Wir verstanden uns schon als Kinder, spielten, tollten herum, heckten und führten Streiche aus. Du warst ein quirliges und fröhliches Schwesterherz.

Erinnerungen werden wach, wie Du mir 1965 Geld geschickt hast, damit ich in Persien eine echte Lammfelljacke kaufen und dir heimschicken konnte. So eine Jacke war damals ‘In’ und erstrebenswert. Dabei blieb für mich sogar noch etwas Geld zum Reisen übrig, das ich gut gebrauchen konnte. 

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Erinnerungen auch, als wir 1973 mit dem R4, den Kindern, der Zeltausrüstung und den “Gantner’s” in drei Tagen über Österreich-Jugoslawien nach Nordgriechenland reisten, um auf der Halbinsel Sithonia außerhalb von Nikitas an einem menschenleeren Strand unsere Zelte aufzuschlagen.

Einmalig auch, wie Du als weltoffene Frau alleine mit dem Flugzeug nach Thessaloniki, nachher per Bus nach Nea Modania und von dort per Anhalter weiter gereist bist.

Schlussendlich hast Du unser Zeltlager mit Hilfe vom Milchmann in Nikitas gefunden. Er hat dich mit seinem Dreiradtöffli * zu uns gebracht. Diese Zeltferien fernab der Zivilisation haben dir sehr gefallen.

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Das Telefon am Morgen des 2. Mai kam unerwartet, ließ mich sprachlos, ungläubig, dann traurig, leer und müde zurück. Du bist nicht mehr, bist einfach gegangen, ohne zu fragen, fortgegangen aus meinem Leben, obwohl Du weit weg in Kuala Lumpur gelebt hast und wir uns sehr selten sahen.

Das Leben geht weiter, der Alltag bleibt der Gleiche. Ich bin oft traurig, dann laufen Tränen, die Erinnerungen an Dich wachrufen. Tröstlich für mich ist, dass Du in unserem Friedhof in Kirchdorf deinen Ruheplatz gefunden hast.

So werde ich dich bald und auch später wieder besuchen können. Du bist gegangen und doch nach Hause zurück gekehrt !

Meine Tränen wünschen dir Frieden. 

Ätli

Grulle war der Übername (Koseform) meiner Schwester Ursula.
Ich bitte auf Beileidbezeugungen zu verzichten !
* Töffli : Dialektwort für Moped.

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Szene aus dem Film ‘La femme du boulanger’ von M. Pagnol


 

M. Pagnol.

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Kunst im Kreisel


 

Die Libelle im Kreisel in Niederrohrdorf…

weist auf die Niederrohrdorfer Möser Taumoos, Torfmoos und Egelmoos hin. Sie stammen vom Reussgletscher ab, der bei seinem Rückzug zwischen Moränenwällen Toteismassen schuf, in denen sich kleinere Seen bilden konnten.

Daraus entstanden u.a. durch fortschreitende Verlandung einzigartige Moore mit einer seltenen Tier- und Pflanzenwelt.

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Der Natur- und Vogelschutzverein Niederrohrdorf setzt sich für den Schutz und die Erhaltung dieser Lebensräume ein und pflegt sie.

Er organisiert regelmäßige Arbeitseinsätze, dabei werden z.B. Riedwiesen gemäht und die Mahd weggeschafft, damit der Nährstoffeintrag und die Verbuschung möglichst gering gehalten werden kann.

n-medium-16x9-fillFoto: Natur- u. Vogelschutzverein Niederrohrdorf.

Ernst 

Quellenangabe :
Interessierten rate ich, den informativen Bericht von Albert Wickart zu lesen : Der Link :
http://www.naturexkurs.ch/download/artikel/niederrohrdorf_moeser.pdf

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Schwarzwaldgedanken


 

Einer Albe möchte ich begegnen
mit ihr die magische Welt erleben
einer Mär zuhören aus frühen Zeiten
als Germanen hier im Walde weilten.

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Wo Elfen träumen, Hexen schweben
am Ostarafest Lichternetze weben
flüstert mir Wodan etwas zu
oder lässt sein Geist mir keine Ruh

ich spür, es geistert unverhohlen
schleiche davon auf leisen Sohlen.

 eb 2016 

 Ernst

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Es liegt alles wie Kraut und Rüben durcheinander…


 

Mich faszinierte diese ‘Recyclingbruchbude’ von Anfang an. Ich glaube, es musste diesem Gebilde wohl eine kluge Idee, eine ‘Bauordnung’ vorangegangen sein, um diese einmalige ‘Chaotique’ bauen zu können.

Ein Kunstwerk, das wahrscheinlich nur organisierte Chaoten so bauen konnten. Oder muss etwa Ordnung sein, damit Chaos gedeihen kann?
 
 

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Das ‘Recyclinghaus’ wurde um den Stamm eines großen Baumes aufgebaut. Im Innern zog eine unkonventionelle Bar und Beiz viele Gäste an. Eine ‘Holzleitertreppe’ führte in den 1. Stock, der außer einem Ort nicht begehbar war.  Ernst

Auch kreatives Chaos braucht seine Ordnung!

© Helga Schäferling, deutsche Sozialpädagogin.

 

Dieses ‘Recyclinghaus’ stand während dem zehntägigen Badener Stadtfest 2012 auf dem Theaterplatz.

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Die Emauskapelle in Zufikon


 

Einsiedelei St. Antonius

Ich mag Kapellen, Wegkreuze oder Gedenkstätten, weil sie unsere Landschaft prägen und Teil unserer lokalen Kultur und Geschichte sind.

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Heute zeige ich euch die spirituelle Emauskapelle in Zufikon, die oberhalb von Bremgarten an der Reuß liegt. Der Flurname Emaus bedeutet «Gelände am Wasser».

Ich besuchte diesen wunderbaren Ort im Spätherbst und im zeitigen Frühjahr. Die Einsiedelei inspirierte mich jedes Mal von Neuem.

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Der ganze Ort strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus und lädt jede/n Besucher/in zum Verweilen, Innehalten, Beten oder einfach zum Sein ein.

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Bereits in der 1. Hälfte des 15. Jh. gab es auf dem Krähenbühl in Zufikon eine einfache Kapelle zu Ehren des hl. Antonius.  Auch sollen dort Einsiedler in einer bescheidenen Hütte gehaust haben.

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1528 gab es in der Nähe dieser Kapelle beim Streit zwischen katholischen und reformierten Bauern einen Totschlag, der den Ort entweihte.

Der Mord bewog die Obrigkeit von Bremgarten, die Kapelle niederreißen zu lassen, umso mehr, als auch die Nähe zur Stadt auf die Waldbrüder einen schlechten Einfluss ausübte.

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Eine neue Kapelle inkl. Waldbruderwohnung wurde dann im Emaus in der 2. Hälfte des 16. Jh. zu Ehren der Muttergottes und des hl. Antonius errichtet.  

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Die Bilderreihe in der Kapelle stammt aus dem 17. Jh. und   erzählt in der Vorstellungswelt der barocken Volksfrömmigkeit jener Zeit vom hl. Antonius und von Bruder Klaus.

In der 1. Hälfte des 20. Jh. baute der Zufiker Pfarrer Theophil Kramer die Einsiedelei aus. Er nahm grosse Eingriffe vor und schuf sich ein umstrittenes Denkmal. Doch davon später. 

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Er ließ die Chorwand ausbrechen und eine halbrunde Apsis anbauen. Es folgte der Aushub einer Krypta für ein Marienheiligtum.

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Dann ließ er die Antonius Halle bauen.

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Auch einen “Bruderklaushof” ließ der Pfarrer anbauen.

Ich mag diesen Hof sehr. Seine Gestaltung mit dem Brunnen im Zentrum, den vorstehenden Dächern und seinen Bildern spricht mich an. Er strahlt Ruhe aus, lässt mich anhalten und staunen.

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All diese Eingriffe und Anbauten fanden Sachverständige im Nachhinein aber als nicht sehr glücklich und fragwürdig.

Verwirklichen konnte Kramer die Umbauten nur dank dem Schuhfabrikanten Carl Dosenbach, der ihn großzügig unterstützte und half, die Einsiedelei in eine Stiftung zu überführen.

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Diese sicherte den Fortbestand und ermöglichte 1951 den Bau eins Priesterheims. 1955 bezogen Kapuziner Quartier und 1992 lösten Franziskaner-Schwestern die Kapuziner ab.

So gesehen hat Pfarrer Kramer mit seinem Wirken doch einen wichtigen Beitrag fürs Emaus geleistet.

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Wer die Möglichkeit hat nach Zufikon ins Emaus zu reisen, dem kann ich einen Besuch empfehlen. 

Ich habe Sterben und Auferstehn gelesen und finde, dass einige Gedanken darin sehr aktuell sind und in die heutige, vom Flüchtlingselend geprägte Zeit passen. Ernst

Spiritueller Impuls: Sterben und Auferstehn

Dach überm Kopf, Menschen zu bergen,
Tür die zur Stille offen steht.
Mauern wie Haut, Fenster wie Augen
spähen und hoffen auf den Tag.
Haus, das lebendig wird wie ein Leib, wenn wir nach innen gehen,
um recht vor Gott zu stehn.
Worte von fern, fallende Sterne;
Funken vor Zeiten ausgesät.
Namen für ihn, Träume, Signale,
tief aus der Welt zu uns geweht.
Münder aus Erde hören und sehn und sprechen neu das Wort
von Gott, der uns befreit.
Tisch, der vereint, Brot soll uns zeigen,
dass wir einander zugehörn.
Wunder von Gott, Menschen in Frieden,
altes Geheimnis neu erkannt.
Brechen und Teilen, Sein im Vergehn, das Undenkbare tun:
Sterben und Auferstehn.

Huub Oosterhuis (Übertragung: Lothar Zenetti 1971) 

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Gedanken zur Eisenbahn…


 

Heinrich Heine machte sich so seine Gedanken, als die Dampfrosse aufkamen. Der technische Fortschritt veränderte das damalige Zeitgefühl und die Reisegewohnheiten epochal.

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Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet
und es bleibt nur mehr die Zeit übrig.
Mir ist, als kämen die Berge und Wälder
aller Länder auf Paris angerückt.
Ich rieche schon den Duft
der deutschen Linden,
vor meiner Tür brandet die Nordsee.

Heinrich Heine (1797 – 1856,
aus seinem Exil in Paris.
 

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Er merkte an, dass Zeit gewonnen wird, Wissen über Land und Leute aber auf der Strecke bleibt, was damals ja auch stimmte!
(Goethe; Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen).

Frage : Wer außer mir ist auch schon mal schwarz gefahren?

Ernst

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