Montag 6. Juli 2015


 

ein Meer hört immer irgendwo auf

aber da fängt es auch wieder an.

Anke Maggauer –Kirsche, *1948.
Deutsche Lyrikerin, Aphoristikerin,
ehemalige Betagten-Betreuerin in der Schweiz.

Griechenland 76 Lefkas Strandszenen -0218

Insel Lefkas, Griechenland.

Ernst

Veröffentlicht unter Weisheiten, Sinnsprüche, Zitate | Ein Kommentar

Montag, 29. Juni 2015


Gaston Chaissac (1910-1964), eine Randfigur

in der Kunstszene seiner Zeit.


Wer kennt den Maler Gaston Chaissac? Klar, niemand natürlich. Ich habe diese Bilder von ihm in der kulturellen Monatsschrift DU zufällig gesehen und mich gefragt; wer war dieser unbekannte Maler? Ein Außenseiter?

Um seine sehr interessante Entwicklung als Künstler und Mensch hier wieder zu geben, fehlt mir schlichtweg das Wissen, Können und die Zeit. Ich beschränke mich darauf, euch meine Eindrücke über diese Bilder zu schildern und einige Fragmente aus seinem Leben zu erzählen.

Er scheiterte mehrmals beim Versuch, eine Berufslehre zu machen und war zeitlebens kränklich, was Klinik- und verschiedene Sanatorium-Aufenthalte nötig machte. Er wurde nur 54 Jahre alt.
Chaissac in seinem Atelier. 1958.

Scan

Unbeeinflusst von anderen Künstlern seiner Zeit begann er als 28-jähriger Autodidakt zu kleben, zimmern und malen, um seine eigene  skurrile Phantasiewelt zu entwickeln.

Er hielt sich mehrmals in Paris auf und eröffnete mit Hilfe seines Bruders eine kleine Schuhwerkstatt, die aber nicht rentierte, sodass er das Geschäft wieder aufgab.

Es gelang ihm nie, mit seiner Kunst sein Leben zu bestreiten, kam doch seine Frau Camille größtenteils für den Lebensunterhalt auf.  Zudem hatte er einige Freunde, die ihn unterstützten.

Seine Bilder beeindrucken und irritieren mich manchmal. Was will er beispielsweise mit seinen wirren Schlangenköpfen und skurrilen Gegenständen wohl ausdrücken?
Le serpents bénéfiques. 1950/1951.

z G.Chaissac. Les serpents bénéfiques.1950.1951.DUOel auf Papier, auf Leinwand aufgezogen.

Je länger ich das Gemälde betrachte, umso mehr fällt mir der Reichtum der Formen und die Farbgebung auf.

Der Dorfpfarrer J. Mellier hatte die gleiche Magenkrankheit hatte wie er. Chaissac suchte seine Freundschaft, der Abbé wollte jedoch nichts von ihm  wissen.
Seine Frau bemerkte mal beiläufig: die Kunst
ihres Mannes sei bösartig; bösartig, weil viel Leiden sich darin niedergeschlagen habe. Ihre Aussage ist in diesem Zusammenhang zu sehen.
Monsieur l’Abbé Jean Mellier. 1953.

z G.Chaissac. Monsieur l'Abbé Jean Mellier. 1953. Tusche auf Papier.DU.Okt
Tusche auf Papier.

Ist da nicht ein Menschenkopf und dahinter ein Heiligenschein? Um den winkenden Arm gruppiert er als grafisches Element literarische Texte, die Nonsens, Wortspielereien oder einfache Dorfnotizen beinhalten.  

Er verwendet häufig das menschliche Gesicht als Motiv.
Die Maske.

zG.Chaissag. Maske. Undatiert. Aus einem kaputten Korb. 42x26 cm. DU.Okt.71
Auf einem kaputten Korb gemalt, undatiert.

Das auf einen kaputten Korb gemalte Antlitz erinnert mich an den französischen Schauspieler Fernandel (1903-1971).

Die angedeuteten Augen und der als formlose Masse bemalte Körper fallen mir hier besonders auf. Regard noir 1959/60. 

z G.Chaissac. Regard noir.1959.1960.Collage. 65x50cm.DU.Okt.71
Collage.

Der Künstler umrandet freundliche Farbflächen mit zitterig gemalten schwarzen Strichen. Die mit Ornamenten versehenen Flächen wirken sehr kontrastreich,  passen jedoch meiner Meinung nach nicht zum düsteren schwarzen Rücken.

Er bastelte mit allen möglichen Gegenständen wie zum Beispiel diese Skulptur aus Blechabfällen. Ich finde, das lächelnde Gesicht eines Harlekin steht im krassen Gegensatz zum unruhigen, chaotischen wirkenden Körper.
Vogel- Skulptur.

G.Chaissac. Bemalte Vogelskulptur aus Blechabfällen. Totem 1963.64.DU.Okt
Skulptur aus Blechabfällen.

Es könnte ein Hinweis sein auf die Zeit, als er in Budenstädten in Paris herumtingelte, einer Schaustellerin aushalf und sich so über Wasser hielt.

Auf Grund seiner Verbindung zu Dubuffet, der die Compagnie de l’art brut gründete, wurde Chaissac oft als Vertreter der Art Brut gehandelt. Von sich selbst sagte er einmal; “ ich bin ein artiste-bricoleur. ”  Trotzdem war er  kein  Vertreter der Abfall-Kunst oder Junk-Art.

Ende der fünfziger Jahre entstehen erste Totems. Dieses zählt mindestens 12 Gesichter; 5 mache ich beim  Militärdenkmal? aus, 6 bei der leidenden Frau, 2 sehe ich beim lachenden Clown und nur 1 Gesicht beim Kirchenfürsten.
Totem. U
m 1961.   

z G.Chaissac. Totems um 1961 .DU.Okt.71

Trotz dem lachenden Clown wirkt das Bild auf mich irgendwie sehr traurig.

Chaissacs Werke sind in keine Kategorie einzuordnen, weder Laienmalerei, Primitive Kunst oder Art Brut. Er könnte jeder Kategorie angehören, passt aber in keine richtig hinein. Deshalb war er selten an Ausstellungen oder in Publikationen präsent. Eine Randfigur der Kunstszene eben.

Einige Galeristen und Kunstliebhaber schätzten jedoch seine Arbeiten und behandelten ihn wie ein Geheimtipp.

Totem 1963/64.

G.Chaissac. Totem 1963,64. Holz bemalt. Höhe 142 cm.DU.Okt.71
Holz bemalt. Höhe 142 cm.

Diese bemalte Holzskulptur hingegen ist eine Wohltat zum anschauen und fühlt sich freundlich und lebendig an. Er hinterlässt aber auch hier wie überall komische Zeichen und sonderbare Punktgebilde.

Es könnte ja sein, dass Chaissac auch Werke seiner Zeitgenossen Bracque, Klee oder Picasso studiert hat.

Rechtecke, Kreise und Kreuz finde ich als gegenständliche Komposition  eindrücklich.
Rectangles, cercles et croix. 1960/61.

G.Chaissac. Rectangles, cercles et croix.1960.61. Oel auf Isorel.DU.Okt.71
Oel auf Isorel. 93 x 66 cm.

Vor allem fällt mir auch die feine und differenzierte Farbgebung auf.

Peter Killer schreibt im Du : Die Kunst Chaissacs ist kauzig, roh, brut. Doch diese Etikette reicht nicht. Das Linkische, Ungeschickte in seinen Werken übt jedoch einen ganz eigenen Reiz auf uns aus. Sein Nicht-Können, das Unperfekte wird zur Qualität.

Traurige Personen. Eine Vorahnung?
Personnages. 1963.

G.Chaissac. Personnages.1963.  Oel 180x120cm.  DU.Okt71.
Oel. Ca. 180 x 120 cm.

Ich vermute, dass er mit diesem sehr traurigen Bild sich und seine Frau Camille malte, weil er seinen baldigen Tod (1964) voraus ahnte und diese mit dem Bild festhalten wollte.

Bei Porte ouverte fällt die enorme Kontrastwirkung durch die Farbgebung auf. Es gelingt ihm mühelos, von der gegenständlichen in die   ungegenständliche  Komposition zu wechseln.
Porte ouverte. 1962/63.

G.Chaissac. Porte ouverte.1962.1963. Oel auf Leinwand 95x64 cm.DU.Okt.71

Oel auf Leinwand. 95 x 64 cm.

Sein Oeuvre an Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Collagen, bemalte Objekte, Totems und Ölgemälde ist umfangreich, wirkt urtümlich und  narrenhaft, wie es  Kinderzeichnungen oder Höhlenmalereien eigen ist.

Das Hauptwerk entstand größtenteils in Bauerndörfern der Vendée, wo er als Sonderling galt. Chaissac schrieb auch gerne und viel. An manchen Tagen schrieb er mehrere Briefe, meistens an Galeristen, Autoren und Künstler.

Ich hoffe dass ich euch diesen eigenartigen Maler etwas näher bringen konnte.

Ernst

Verwendete Quelle :
– Der Maler Gaston Chaissac. Kulturelle Monatsschrift DU, 31. Jahrgang, Oktober 1971.
Textautor : Peter Killer. Bilder eingescannt von EB.

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Freitag, 19. Juni 2015


 

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist…


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P6110012 (2)

Wenn der Mohn im Garten blüht, der Duft von neuem Heu mich träumen lässt 
und im einfallenden Licht sich südliche Gefilde spiegeln, ist er nicht mehr weit.

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Sein Licht dekoriert die Lebenskraft der Natur, heitert mich auf,
erwärmt mein Gemüt, lässt mich aufblühen, entfalten.
 

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Wenn schwere Gewitter krachen, violette Blitze die Nacht erhellen und
schwere Tropfen weisse Holler-Blütenblätter von den Dolden spülen.

P6100002

Wenn der Regen die Luft vom Blütenstaub der heissen Tage sauber wäscht
und wir tags darauf köstliche Früchte im Erdbeerfeld des Bauern naschen.

9.5.15 Muttertag 023 - Kopie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn im Mohn Bienen und Schwebefliegen summen, Hummeln brummeln
und die
 ersten filigranen Blütenblätter elegant zu Boden segeln.

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Wenn der Mohn blüht ist der Sommer nicht mehr weit. Dann ist sie da, die Zeit,
die wir mögen, die symbolisch für Wachstum, Wärme, Licht und Liebe steht,

und für die Leichtigkeit des Seins!   

P6110009

In Anlehnung an den Text eines Liedes von Konstantin Wecker, das ich so mag, wünsche ich euch eine frohe Zeit.

Ernst    

“Wenn der Sommer nicht mehr weit ist, und der Himmel violett, weiss ich dass das meine Zeit ist, weil die Welt dann wieder breit ist, satt und ungeheuer fett…”

PS : Grappa – Liebhaberinnen und Liebhabern empfehle ich unbedingt den Bericht von Joe Mathis im dies und das-bei Joe : Der Grappa des Romano Levi. https://josefmathis.wordpress.com/2015/06/09/der-grappa-des-romano-levi/

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Samstag, 13. Juni 2015


 

Ohne Worte

Sizilien 2002 Milazzo vor Einschiffung auf Aeol. Inseln  -59

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Samstag, 6. Juni 2015


 

Der Baobab, arabisch bu hibab –

Frucht mit vielen Samen. ( 8 )

Ba z 28 Afrika 69Serengeti Nat.Park Baobab Tree-219

Wir lernten den mächtigen afrikanischen Affenbrotbaum 1969 auf einer Reise in Tansania und Kenia kennen. Ähnlich wie bei uns im Dorf früher Linden oder Eichen eine  Bedeutung innehatten, spielt der Baobab auch in Afrika eine wichtige Rolle.

An zentral gelegenen Bäumen werden Märkte, Verhandlungen und soziale Dorfereignisse abgehalten. Neben der Schirmakazie ist er der charakteristischste Baum der afrikanischen Savanne.

Akazien in der Serengeti, rechts ein junger Baobab.

16 Afrika 69 Tansania Serengeti-Nat.Park  typ. Savannenlandschaft

Er dient den Einheimischen seit Jahrhunderten als Quelle für Volksmedizin und Nahrung. In der Kalahari Wüste soll es einen Volksstamm geben, der den  Wasservorrat des Baums anzapft, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Über den Baum zirkulieren auf Grund seiner Heilkräfte und seinem eigentümlichen Wuchs abergläubische Geschichten und Weisheiten. Eine besagt zum Beispiel, dass wer einen Aufguss der Rinde trinkt stark und mächtig wird.

Zwei “Alte” in Tansania.

WMC. Quelle Two old ones. Urh. Ferdinand Reus, Arnhem, Holland
Foto WMC. Urh. Ferdinand Reus. Arnhem Holland.

Seine ausgehöhlten Baumstämme dienen manchmal den Einheimischen als Stall, Grab, Wasserspeicher, Gefängnis, Toilette, Laden oder als Wohnung.

Ba 1969 Afrika Tansania auf SafariBaobab - Kopie - Kopie

Ein Baobab kann 1’00 Jahre alt, sein Stamm bis 20 Meter hoch, 7 Meter dick und die Rinde bis 10 cm breit werden. Dank seinen schwammartigen Fasern und seiner Größe kann er  im Innern bis 140’000 Liter Wasser speichern und längere Trockenzeiten und Buschbrände überstehen.  

Ba z 26 Afrika69 Tansania Serengeti Nat.Park Baobab-201

Wisst ihr, warum sein Astwerk wie ein bizarres, in die Luft ragendes Wurzelwerk aussieht? Eine Überlieferung besagt, dass die Götter aus Zorn über die Frevel der Menschen den Baum aus der Erde gerissen und verkehrt herum wieder in die Erde gesteckt hätten.  

Ba 29 Afrika69 Tansania Savanne Serengeti Baobab-220 - Kopie

Im Frühsommer entwickelt er kurz vor der Regenzeit innerhalb von 4 Wochen seine Laubblätter. Bleibt der Regen aus, verzögert sich die Blattentwicklung. Er braucht 16 Jahre, bis er das erste Mal blüht. Die Blütezeit dauert vier Wochen, aber die Blüte ist nur 20 Stunden bestäubungsfähig. 

Baobabblüte Foto safari-afrika.de Michael Kürschner© Foto safari-afrika.de Michael Kürschner.

Vor allem verschiedene nektarfressende Flughunde mögen die süßlich und unangenehm nach Aas riechenden Blüten und bestäuben sie. Aber auch Galagos (Buschbabys) und nachtaktive Eulenfalter besuchen die Blüten und tragen so in kleinerem Masse zur Bestäubung bei. 

Eine Sage berichtet, dass wer unvorsichtig eine Blüte vom Baum pflückt, von einem Löwen verschlungen wird.

WMC. Eig. Werk, Urh. Marco Schmidt. 

Das Fruchtfleisch enthält wertvolle Vitamine und wird gegessen, ebenso die frischen Blätter, die wie Gemüse zubereitet werden.

Aus den Samen gewinnen die Afrikaner Öl oder sie fermentieren sie zu einem Gewürz. Samen werden auch geröstet gegessen.

Quellen : http://baobab.org/

Die Fasern des Stammes und der Wurzel brauchen die Einheimischen, um daraus u.a. Schnüre, Fischernetze, Fußmatten und Seile herzustellen.

Zum Zeitpunkt unserer Reise war Trockenzeit. Ich erinnere mich an die Stille, die in der Landschaft lag, wenn wir zu einem Park unterwegs waren. Auf den Pisten war kein Verkehr und unser Fahrer ließ den Tieren immer den Vortritt.

Was für ein Unterschied zur heutigen Zeit, die uns mit Straßen- und anderem Lärm zudeckt. Helga Schäferling hat in einem Aphorismen treffend festgehalten:  Glücklich, der im Lärm der Zeit, einen Hauch von Stille vernehmen kann 

Ba z 28 Afrika 69Serengeti Nat.Park Baobab Tree-219


Der Spruch zum Tage

Einsamkeit birgt in sich einen Samen,
der nur darauf wartet,
zum Keimen gebracht zu werden
und Frucht zu bringen.

Schäferling Helga. deutsche Sozialpädagogin.

Verwendete Quellen:
– Afrikanischer Affenbrotbaum. Wikipedia.
http://baobab.org.

Euch wünsche ich eine frohe Zeit.

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Sonntag, 31. Mai 2015


 

Gedanken zum Tag

 Matthias Gnehm, Comic, Unterlagen Zettelkasten az 10.6.13
Matthias Gnehm *, Stimmungsvoll inszenierte und spannende nächtliche Irrfahrten durch Zürich. Eingescannt EB. AZ 06. 2013.
 

Wir haben uns gewöhnt…

dass uns die Medien bei Katastrophen ausführlich mit Informationen, Analysen und Interviews mit Überlebenden versorgen und die  Anzahl der Toten melden.

an Spendenaufrufe, denen wir Folge leisten, um unser Gewissen zu entlasten und hoffen, dass das Geld bei den Notleidenden ankommt. Was können wir Bürger denn sonst tun? Was die Politiker?

dass nur über die größten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer berichtet wird. All die täglichen Schicksale ertrinkender Menschen können die Medien und wir ja gar nicht verarbeiten!

dass sich die Medien jeder neuen Katastrophe sofort zuwenden. Das hilft uns und unseren Politikern, vergangene ungelöste Konflikte in der Ukraine, Krim, in Gaza, Somalia, Ägypten, Niger, Mali, Libyen zu verdrängen und zu vergessen.

dass in Fukushima der defekte Reaktor immer noch mit Meerwasser gekühlt werden muss und so täglich x-tausende Liter verstrahltes und verseuchtes Wasser ins Meer geleitet werden. Wen interessiert das heute noch?

dass ich als ohnmächtiger Bürger eines reichen Landes immer mehr frage, was der Sinn und Nutzen all dieser Berichterstattung für uns alle sein soll! Dass es uns gut geht?

dass im Moment das Schicksal der Bootsflüchtlinge in Ostasien die Medien mehr interessiert als das ungelöste Problem ertrinkender Menschen im Mittelmeer. 

Nicht gewöhnt habe ich mich…

dass tägliche Straßenunfälle mit Toten und Verletzten zum normalen Alltag gehören.

dass die vielen Selbstmorde in unserem reichen Land als  Personenunfälle der Bahn gemeldet und von der Öffentlichkeit nicht hinterfragt werden.

dass uns der  Staat mit immer mehr Gesetzen und Reglementierungen bevormundet. 

dass Betteln bei uns verboten ist und die Armut im Verborgenen lebt. Sie passt nicht zum heutigen Lebensstil der feinen Gesellschaft.

dass unsere Hygienesucht zu einem sinnlosen Verpackungswahn führt und im Endeffekt die Weltmeere mit gigantischen Plastikhalden verschmutzt werden.

dass diese schwimmenden giftigen Mülldeponien die Meeresfauna tötet und sich keine Regierung für diese Umweltschädigung in den den Meeren verantwortlich fühlt.

dass die Medien täglich über jede kleine oder größere Missetat aus fernsten Ländern berichten und ich mich frage, warum das so ist?

Könnte es sein, dass das Geld nicht will, dass wir Menschen denken?

Der Spruch zum Tage

Denken, man weiß es, braucht Zeit.
Zeit aber ist – heute jedenfalls – Geld.
Also braucht Denken Geld.
Doch will das Geld nicht,
dass gedacht wird.

Kurt Marti, reformierter Pfarrer und Schriftsteller


Ratlosigkeit befällt mich, wenn ich an all diese Dinge denke, die seit Jahren in unserer verrückten Welt passieren.

Habt eine schöne Sommerzeit.  Ernst

* Architekt und Zeichner der Graphic Novel “Der Maler der Ewigen Portraitgalerie”. Innovativer Comicschöpfer. Edition Moderne. www.eternalportraitgallery.com.

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Sonntag, 31. Mai 2015


 

Gedanken zum Tag

 Matthias Gnehm, Comic, Unterlagen Zettelkasten az 10.6.13
Matthias Gnehm *, Stimmungsvoll inszenierte und spannende nächtliche Irrfahrten durch Zürich. Eingescannt az Juni  2013.
 

Wir haben uns gewöhnt…

dass uns die Medien bei Katastrophen ausführlich mit Informationen, Analysen und Interviews mit Überlebenden versorgen und die  Anzahl der Toten melden.

an Spendenaufrufe, denen wir Folge leisten, um unser Gewissen zu entlasten und hoffen, dass das Geld bei den Notleidenden ankommt. Was können wir Bürger denn sonst tun? Was die Politiker?

dass nur über die größten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer berichtet wird. All die täglichen Schicksale ertrinkender Menschen können die Medien und wir ja gar nicht verarbeiten!

dass sich die Medien jeder neuen Katastrophe sofort zuwenden. Das hilft uns und unseren Politikern, vergangene ungelöste Konflikte in der Ukraine, Krim, in Gaza, Somalia, Ägypten, Niger, Mali, Libyen zu verdrängen und zu vergessen.

dass in Fukushima der defekte Reaktor immer noch mit Meerwasser gekühlt werden muss und so täglich x-tausende Liter verstrahltes und verseuchtes Wasser ins Meer geleitet werden. Wen interessiert das heute noch?

dass ich als ohnmächtiger Bürger eines reichen Landes immer mehr frage, was der Sinn und Nutzen all dieser Berichterstattung für uns alle sein soll! Dass es uns gut geht?

dass im Moment das Schicksal der Bootsflüchtlinge in Ostasien die Medien mehr interessiert als das ungelöste Problem ertrinkender Menschen im Mittelmeer. 

Nicht gewöhnt habe ich mich…

dass tägliche Straßenunfälle mit Toten und Verletzten zum normalen Alltag gehören.

dass die vielen Selbstmorde in unserem reichen Land als  Personenunfälle der Bahn gemeldet und von der Öffentlichkeit nicht hinterfragt werden.

dass uns der  Staat mit immer mehr Gesetzen und Reglementierungen bevormundet. 

dass Betteln bei uns verboten ist und die Armut im Verborgenen lebt. Sie passt nicht zum heutigen Lebensstil der feinen Gesellschaft.

dass unsere Hygienesucht zu einem sinnlosen Verpackungswahn führt und im Endeffekt die Weltmeere mit gigantischen Plastikhalden verschmutzt werden.

dass diese schwimmenden giftigen Mülldeponien die Meeresfauna tötet und sich keine Regierung für diese Umweltschädigung in den den Meeren verantwortlich fühlt.

dass die Medien täglich über jede kleine oder größere Missetat aus fernsten Ländern berichten und ich mich frage, warum das so ist?

Könnte es sein, dass das Geld nicht will, dass wir Menschen denken?

Der Spruch zum Tage

Denken, man weiß es, braucht Zeit.
Zeit aber ist – heute jedenfalls – Geld.
Also braucht Denken Geld.
Doch will das Geld nicht,
dass gedacht wird.

Kurt Marti, reformierter Pfarrer und Schriftsteller


Ratlosigkeit befällt mich, wenn ich an all diese Dinge denke, die seit Jahren in unserer verrückten Welt passieren.

Habt eine schöne Sommerzeit.  Ernst

* Architekt und Zeichner der Graphic Novel “Der Maler der Ewigen Portraitgalerie”. Innovativer Comicschöpfer. Edition Moderne. www.eternalportraitgallery.com.

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